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Felicitas Loewe im DNN-Interview

tjg-Intendantin über Einzug ins Kraftwerk Mitte Felicitas Loewe im DNN-Interview

Am Freitag eröffnet das Dresdner Kraftwerk Mitte. Das Theater Junge Generation (tjg) hat unter anderem sein randstädtisches Domizil verlassen, um künftig die Bühne im neuen kulturellen Zentrum der Stadt zu bespielen. Die DNN haben vorab mit Intendantin Felicitas Loewe gesprochen.

Felicitas Loewe im alten Schaltzentrums des Kraftwerks Mitte, das noch nicht saniert ist.

Quelle: Dorit Guenter

Dresden. Frage: Worauf freuen Sie sich am neuen Standort am meisten?

Felicitas Loewe: Dass unsere drei Sparten – Schauspiel, Puppentheater und Theaterakademie – endlich an einem Ort proben und als tjg auftreten können. Das ist für alle, und somit auch für meinen Arbeitsalltag, eine große Erleichterung.

Was werden Sie mit einem Blick zurück auf die Randlage in Cotta vielleicht vermissen?

Lediglich die frischluftigen 25 Minuten Anfahrt auf einem wunderbaren Stück Elberadweg.

Was sind die größten Änderungen und Neuerungen – sowohl für das Publikum als auch für die Mitarbeiter?

Besonders wichtig fürs Publikum ist, dass wir nun von der ganzen Stadt aus, samt ihrer größeren Umgebung, sehr gut erreichbar sind. Und das betrifft viele Mitarbeiter natürlich gleichermaßen. Schwierig fühlt sich die ungewohnte räumliche Trennung von Bühne und Werkstätten an. Letztere sind ja in Cotta geblieben und haben dort, gemeinsam mit den Werkstätten der Operette, einen Neubau erhalten.

Eine spannende Neuerung ist die Begegnung sehr unterschiedlicher Publikumsgruppen im Foyer und sehr unterschiedlich arbeitender Ensembles. Neu fürs Publikum sind auch die nun einheitlichen Preise für alle tjg-Bühnen.

Welche künstlerischen und technischen Möglichkeiten bietet die neue Spielstätte und wie werden sich diese in den einzelnen Spielplänen widerspiegeln?

Erstmals in seiner Geschichte verfügt das tjg über Einrichtungen, die in anderen Theatern selbstverständlicher Bestandteil sind – der Bühnenturm zum Beispiel. Da haben uns die Einschränkungen und Notwendigkeiten in Cotta, etwa beim Umbau, ja nicht weniger als ganze Spieltage gekostet. Und so können die neuen Bühnen auch viel mehr, was nicht zuletzt für die Ausstattung von Inszenierungen sehr reizvoll ist. Alle drei Bühnen unter einem Dach zu haben, ist zudem in diesem Zusammenhang schon an sich künstlerisch wertvoll, weil wir die speziellen Formate der unterschiedlichen Sparten nicht in einen Raum pressen müssen. Das alles bietet dem Spielplan das Potential, sich besser und gezielter zu entfalten, im Kern bleiben wir uns aber treu.

Mit welchen Angeboten wollen Sie das Stammpublikum halten, und mit welchen neues Publikum ins Haus holen?

Vielfältige Angebote und Inszenierungen für alle Altersgruppen von 2 bis 16 mit einer großen Bandbreite von Ästhetiken und künstlerischen Handschriften sind nach wie vor unser Anliegen und unser Auftrag, begleitet von ständiger und nachhaltiger Selbstbefragung. Mit dem „Generator“, Kunstraum und Inszenierungsreihe zugleich, richten wir uns aber nicht nur an ältere Jugendliche (ab 16), sondern gleichermaßen an ein erwachsenes Publikum.

Welche Rolle wird dabei Laufpublikum spielen, und wollen Sie auch gezielt touristisches Publikum ansprechen?

Die Innenstadtlage spielt keine unwesentliche Rolle, wenn man etwa Jugendliche motivieren möchte, auch mal alleine zu kommen. Familien, die am Wochenende sowieso in der Stadt sind, haben nun noch eine weitere, ganz besondere Option.

Was das touristische Publikum angeht, werden wir einiges tun – uns etwa nach Möglichkeit mit familien-orientieren Anbietern vernetzen. Doch dafür brauchen wir starke Partner und ein städtisches Gesamtkonzept, das die zahlreichen einmaligen Angebote für Kinder und Familien in Dresden – wie z.B. auch das Kindermuseum im Hygiene-Museum – gebündelt und fokussiert bewirbt. Keine Allgemeinplätze, sondern die Besonderheiten müssen kommuniziert werden. Wer so etwas nicht kennt, kommt in der Regel nicht von sich aus auf die Idee, nach einem Kinder- und Jugendtheater Ausschau zu halten. In Dresden findet sich ja in fast jeder Biografie ein Anknüpfungspunkt zum tjg.

Wie groß ist die Zuversicht, die hohen Auslastungszahlen auch angesichts gewachsener Zuschauerkapazitäten in der Stadtmitte zu halten – oder gar noch auszubauen?

Wir werden uns, wie immer, nach Kräften bemühen und die gute Lage ermutigt uns natürlich. Bei all den tollen neuen Möglichkeiten werden wir aber ganz sicher nicht aus den Augen verlieren, dass vor allem die künstlerische Qualität der Angebote die Nachhaltigkeit der Nachfrage bestimmt.

Sanierungen und Umbauten von Theatern sind bundesweit aktuell immer wieder Problemfälle, von Mannheim über Düsseldorf bis Augsburg. Dresdens Kraftwerk Mitte steht da als positives Gegenbeispiel, selbst wenn es nun doch etwas teurer wird als geplant. Hand aufs Herz: Wie sicher waren Sie, dass alles im Zeit- und fast alles im Finanzrahmen bleiben würde?

Wir waren von Anfang an ziemlich sicher, was auch am gewählten Vergabemodell liegt. Zudem kannten wir alle Pläne und waren immer in den Prozess eingebunden, auch den kurzfristiger Problemlösungen.

Staatsoperette und Theater Junge Generation richten sich an sehr unterschiedliche Zielgruppen. Wie viele Kooperationsmöglichkeiten und Synergien zwischen beiden Theatern sind trotzdem möglich?

Die ersten Synergien werden sichtbar werden, wenn sich vor Vorstellungsbeginn unser Publikum mit dem der Operette vermischt. So gesehen nimmt uns das Foyer auch etwas Arbeit ab – nämlich jene, immer den Blick der Gesellschaft auf Kinder und Jugendliche als gleichberechtigte Zeitgenossen schärfen zu müssen.

An anderer Stelle sind die geforderten Synergien schon längst Realität, etwa in Teilen der Verwaltung oder noch deutlicher: in den gemeinsamen Werkstätten – zum Beispiel bei der Nutzung von Maschinen oder der Bestellung von Material. Wege für mögliche künstlerische Kooperationen zu suchen, ist eine schöne Aufgabe für die Zukunft.

Die großen Staatstheater sind künftig fast unmittelbare Nachbarn. Wächst damit auch der Konkurrenzdruck?

Es wird an dieser Stelle nicht mehr und nicht weniger Konkurrenz geben als bisher, vielmehr gibt es ein gutes Miteinander, wie ich es etwa als Sprecherin der Dresdner Intendantenrunde erlebe. Und nach wie vor teilen wir die Erfahrung, dass das theaterbegeisterte Dresdner Publikum alle Häuser füllt.

Was unterscheidet Dresdner Theaterpublikum von dem anderer Städte?

Was mich immer wieder erstaunt, ist, wie es in dieser Stadt viele Lehrer und Erzieher vermögen, Kinder und Jugendliche auf das Theater einzustimmen, ebenso der besondere Respekt dieser Menschen vor unserer Arbeit. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass die meisten selbst als Kinder ihre Theatererstbegegnung im tjg hatten.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie im Kraftwerk Mitte in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ?

Für uns sind offensichtliche, aber vor allem ungewöhnliche Kooperationen schon lange essentiell. Das Ändern von Perspektiven erweitert den Horizont. Diesen Impuls vermag das Kraftwerk sicher zu verstärken. Voraussetzung dafür ist eine möglichst lebendige und breite Vielfalt im Quartier. Dann haben alle etwas davon, einschließlich Besucher und Stadt(teil)entwicklung.

Die Fragen stellten Kerstin Leiße und Torsten Klaus

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