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Regional FHD-Designstudenten kritisieren in Ausstellung Konsumwahn
Nachrichten Kultur Regional FHD-Designstudenten kritisieren in Ausstellung Konsumwahn
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08:40 20.04.2018
Hanyi Kim mit ihrer Amöbe aus Gitter, Holz und Bauschaum, die eine verklumpte Menschenmenge darstellt. Quelle: Fotos (2): Anja Schneider
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Dresden

 Das Sprichwort „Kleider machen Leute“ – oder wenigstens dessen Botschaft – ist wohl fast so alt wie die Menschheit selbst. Und seit Jahrhunderten regt sich auch Kritik an der Handlungsanweisung für den mutmaßlich erfolgreichen sozialen Aufstieg. Auch vor 75 Jahren versuchte Antoine de Saint-Exupéry im weltberühmten Kinderbuch „Der kleine Prinz“, den Menschen sprichwörtlich die Augen diesmal nicht zu öffnen, sondern zu schließen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Die Botschaft ist deutlich: Die Menschen sollten weniger auf Äußerlichkeiten achten und sich auf die Persönlichkeit des Gegenübers konzentrieren.

„(UN)sichtbar“ lautet auch der Titel einer Ausstellung der Fachhochschule Dresden im Kraftwerk Mitte. Seit Oktober 2017 haben Mode- und Grafikdesignstudierende des vierten Semesters die Vorbereitung der tjg-Inszenierung „Kleider machen Kaiser“ begleitet. Das Stück von Susanne Zaun bezieht sich auf ein Märchen von Hans Christian Andersen, das schon 1837 die Oberflächlichkeit der Menschen und die Konformität der Masse kritisierte und dem Theater Junge Generation nun als Vorlage einer modernisierten Fassung dient. Wie auch im Original „Des Kaisers neue Kleider“ versucht sich das Staatsoberhaupt im Stück mit immer neuen Klamotten ständig selbst zu übertreffen und das Volk zu beeindrucken. Als zwei Betrüger ihm wortwörtlich das Adamskostüm als neuestes Gewand anbieten, versucht der Kaiser auch dieses als Trend en vogue zu etablieren und überzeugt sogar das Publikum, das nicht unmodern wirken möchte.

In den Fächern „Experimentelles Projekt“ und „Künstlerisches Projekt“ sind unter der Leitung von Professorin Martina Jess parallel zum Schauspiel Arbeiten entstanden, die Kritik am gesellschaftlichen Druck zur Perfektion und dem Mitlaufen der Masse ausüben. Die 15 Studenten interpretierten das Thema unterschiedlich. Ihr gemeinsames Credo: weniger Schein, mehr Sein.

Das Projekt „Unfrei“ von Gisa Bigl symbolisiert etwa „die Auswirkung der übertriebenen politischen Korrektheit“, wie die Modedesign-Studentin erläutert. Mit ihrem Holzkleid, das optisch einem Vogelkäfig ähnelt und die Trägerin zwingt, stehen zu bleiben, drückt sie aus: „Mit einer eigenen Meinung, die nicht der der Masse entspricht, ist man heutzutage unbeweglich.“ Mit dem treffenden Titel „Ich sehe was, was du nicht siehst“ schafft Alexander Slavny mit seinem Projekt eine extreme Reduktion und beweist, dass der Betrachter eines leeren Kleiderbügels an dessen Zweck denken muss und nach neuem Konsum lechzt. Josefin Schneider, Marilena Stock und Saskia Trute sammelten derweil anonym zugesandte Fotos menschlicher Anomalien.

Die vermeintlichen Schönheitsmakel sollen deutlich machen, dass erst das Abweichen von der Norm Menschen einzigartig macht. Die Ergebnisse aller Studenten sind im Foyer des tjg bis 25. April zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen.

„Kleider machen Kaiser“ im tjg: 21., 23., 24., 25., 26., 28. Und 29. April Ausstellung „(UN)sichtbar“ im Foyer des Kraftwerks Mitte bis 25. April

Von Katharina Jakob

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