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"Evita" fasziniert an der Staatsoperette Dresden mit kleinen musikalischen Abstrichen

"Evita" fasziniert an der Staatsoperette Dresden mit kleinen musikalischen Abstrichen

Sie ist eine der schillerndsten und sicher auch streitbarsten Frauen der Zeitgeschichte: Eva Perón wurde in Argentinien längst schon als Ikone und Heiligenfigur verehrt, als Andrew Lloyd Webber und Tim Rice 1974 Musical-Showlicht auf die Lebensgeschichte der einstigen First Lady von Argentinien schimmern ließen.

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Tanz auf Messers Schneide: "Evita" (Olivia Delauré) und Ché (Marcus Günzel) vereint bei einem Walzer auf Augenhöhe.

Quelle: Kai-Uwe Schulte-Bunert

Genau dreizehn Jahre später feierte dieses Musical seine Erstaufführung in der DDR an der Staatsoperette Dresden, wo es nun in einer glamourösen Neuinszenierung von Winfried Schneider erneut auf die Bühne kommt.

Diese Inszenierung nähert sich der ambivalenten Figur der Eva Perón durchaus mit kritischer Distanz, hat dabei aber alles, was ein unterhaltsamer Musicalabend braucht. Das Stück hat Schmiss, Schwung, ist unterhaltsam und an den richtigen Stellen auch berüh- rend. Die wandelbare Kulisse von Roy Spahn lässt genug Platz für Videoprojektionen mit Originalaufnahmen aus dem Argentinien der Perón-Diktatur, verzichtet andererseits aber auch nicht auf die klassische Balkonszene, in der Eva Perón im weißen Sissi-Kleid (Kostüme: Thorsten Fietze) ihre pathetische Ansprache ans einfache Volk hält. Dazu tanzt das Ballett (Choreografie: Winfried Schneider) argentinischen Tango oder rhythmisch im Militärstechschritt. Ganz und gar nicht süßlich-verklärend ist dagegen der Schluss, als Evita in eine Art Spinnennetz verstrickt zum Himmel fährt, noch immer heiß verehrt von ihren Landsleuten.

In der Premiere gestaltet Olivia Delauré die kontroversen Facetten der Eva Perón mit viel Feingefühl. Mit jugendlichem Schwung fegt sie als noch junge, kaum 15-jährige, Eva Duarte über die Bühne, die in Carmen-Pose einem neuen, aufregenderen Leben in Buenos Aires entgegentanzt. In Mieder und Strapsen erobert sie dort die einflussreiche Männerwelt, wird erst Schauspielerin, dann Radiofrau und schickt einen Kerl nach dem anderen zum Teufel. So verwandelt sie diese Evita schließlich in jene schillernde Lady, die als geschickt taktierende Propaganda-Frau an der Seite von Juan Perón die Gunst der armen Bevölkerung Argentiniens im Sturm erobert - bevor sie mit nur 33 Jahren an Gebärmutterkrebs stirbt.

Wer noch Madonnas "Don't cry for me Argentina" aus der Musicalverfilmung von 1996 im Ohr hat, wird von Delauré nicht enttäuscht, obgleich es ihr vor allem in den schrillen Höhen oft an stimmlicher Kraft fehlt. Überzeugender singt sie die langsamen Partien, auch die am Schluss schwer kranke Evita bringt sie äußerst berührend auf die Bühne. Wie alle Männer wird auch Juan Perón zur Marionette seiner faszinierenden, doch immer auch im eige- nen Sinne agierenden Frau. Bryan Rothfuss hat in dieser eher passiven Rolle nicht viel zu sagen - und zu singen, wobei sein durchdringender Bariton stets überzeugt.

Deutlich präsenter ist die raffinierte Erzählfigur des Arbeiters Ché. Er ist es, der das Leben der Eva Perón im Musical nach deren Tod in der Retrospektive noch einmal aufzeigt. Hier und da mischt er sich als Zeitzeuge auch aktiv ins Geschehen ein. Marcus Günzel gibt diesen kritischen Zyniker, der insgeheim doch irgendwie fasziniert von Evita ist, mit der nötigen Schnoddrigkeit und zeigt großes Talent als Entertainer. Stimmlich fühlt er sich in den Mittellagen spürbar am wohlsten, anders als in den Höhen gelingt es ihm dort auch, das warme Timbre seiner Stimme zu entfalten.

In all dem Glanz, den diese mitreißende "Evita"-Inszenierung verströmt, gehören die musikalisch brillantesten Auftritte in der Premiere dennoch zwei Randerscheinungen. So erntet Hauke Möller in der Partie von Evas frühem Geliebten Agustin Magaldi zu recht den allerersten Szenenapplaus. Ebenso kurz und einprägsam ist der Auftritt von Julia Steingaß als Peróns Geliebte, die kurzerhand von Eva des Hauses verwiesen wird. Ihre Interpretation des Songs "Du nimmst den Koffer wieder in die Hand" ist sicher einer der entzückendsten Momente des Abends.

Peter Christian Feigel führt das Orchester der Staatsoperette Dresden dabei mit gutem Gespür für laute und leise, stimmungsvolle und ruhigere Passagen durch die Partitur. Wirken die ersten Takte noch ein bisschen zu laut und aufbrausend, so findet er bald das richtige Maß für die Dynamik und entwickelt eine angenehm ausgewogene musikalische Interpretation, die auf allzu übertriebene Akzente verzichtet. Die in Argentinien auch heute noch hoch verehrte Eva Perón kommt an der Staatsoperette Dresden damit ebenso schillernd wie streitbar zu neuem Ruhm.

nächste Aufführungen: 8. bis 12. Juli

www.staatsoperette-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.06.2014

Nicole Czerwinka

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