Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Eva Baumgart stellt ihre Arbeiten auf Seide im Dresdner Kulturrathaus aus

Eva Baumgart stellt ihre Arbeiten auf Seide im Dresdner Kulturrathaus aus

Von bodenloser, ja schwindelerregender Leichtigkeit sind die zarten, atmosphärischen Farbbildorgien von Eva Baumgart, die man im Kunstfoyer des Dresdner Kulturrathauses bestaunen kann.

Voriger Artikel
Amerikanische Künstler eröffnen Jubiläumsjahr der Städtepartnerschaft Dresden - Columbus
Nächster Artikel
Freitag öffnet die Dresdner Künstlermesse Dresden ihre Türen

Eva Baumgart. Impressionen aus der Toskana V, 1997. Repro: Galerie

Die Künstlerin hat ihre Mitte in ihrem Paradies in Schöneiche bei Berlin gefunden und ihr künstlerisches Medium bereits 1983 entdeckt: Seide. Und sie hat dieses Material dem Nischendasein des Kunsthandwerks entzogen und Seide als transparenten Bildträger hoffähig gemacht. Sie arbeitet unabhängig von künstlerischen Leitbildern, und dennoch könnte man die stilistischen Eckpunkte zwischen Konstruktivismus und Surrealismus ansetzen.

Eva Baumgart ist von einer wahrhaftigen Farbpoesie beseelt. Die Harmonie wird erlebbar im Wechselspiel von warmen und kalten, fliehenden und ins Auge springenden Farbtönen. In schwebender Balance gehalten, entsteht dabei ein abstrakt-figuratives Bildgefüge, in dessen Farbschmelz diffizile Erfahrungen der Künstlerin einfließen. Von Spielarten lyrischer Abstraktion zu körperhaften Farbträgern, vom Strukturellen über das nuanciert Monochrome bis hin zu figurativen Archetypen schlägt das Pendel der Bildschöpfung in beständigem Wechsel.

Jedoch vereinzelt Eva Baumgart nicht ihre Motive, sondern schichtet diese übereinander, so dass sich eine faszinierende Räumlichkeit ergeben kann, ein Illusionismus, der die Fantasie der Betrachter dazu anregt, eigenen Welten zu folgen. Es können zwei bis drei Seidenschichten übereinander liegen und darunter sich noch eine strukturierte Papiercollage befinden. Alle diese Elemente verwachsen dann zu diesem Mikrokosmos, der auf den vier Elementen zu beruhen scheint: Feuer, Wasser, Erde, Himmel und dazwischen das eigenen Erleben, das eigene Leben.

Das vordergründig erkennbare, wahrnehmbare Realitätsrelikt hat Eva Baumgart immer mehr zurückgedrängt, bis es zum Vorwand eines autonomen Farbgeschehens geworden ist. Serien zeichnen sich ab von Landschaften, Schrift- und Kreuzzeichen, rätselhaften Architekturen. Aber letztlich hat sich doch alle konkrete Materie in die irreale Substanz verwandelt, die Eva Baumgart in die Farben ihrer Fantasie hüllt, und die jeder von uns auf seine Weise deuten kann. Titel sind Anhaltspunkte. Sie wählt zunächst den Farbakkord, der dem Thema entspricht, die Farbe wird zart variiert, nuanciert. Die Einzelform kristallisiert sich heraus. Geometrische Flächen, die sich über- und ineinanderschieben, kristallin gebrochen sind. Darüber oder darunter Strukturen, die an Baum, Haus, Berg, Pflanze, Stein, Erde und Himmel denken lassen.

Eva Baumgart erarbeitet keineswegs neue Erkenntnisse von Farbwirkungen und Farbensinn, im Gegenteil, sie stützt sich auf Grunderfahrungen, die spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts gemacht wurden. Ihre unkonventionelle Frische, ihre Experimentierlust, ihr kompromissloser Sensualismus, ihre Lebensfreude sind Bestandteil ihrer Kunst.

Es handelt sich um die erste Ausstellung der gebürtigen Dresdnerin in Elbflorenz. Ihr Weg führte sie aus einem kunstsinnigen Elternhaus an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Sie wurde Diplom-Textildesignerin und arbeitete zwei Jahrzehnte für die Mode- und Textilindustrie.

Eva Baumgart hat die Seidenmalerei zur kunstvollen Vollendung getrieben. Sie selbst gibt Auskunft darüber, warum sie das Material wählte: "Für den Ausdruck meiner Bilder hat die Seide als Malgrund eine wesentliche Bedeutung, weil sie mit ihrer glän- zenden Oberfläche die wechselnden Veränderungen des Lichts reflektiert und dadurch den Farbtönen eine besondere Tiefe und Brillanz gibt. Die Transparenz dieses Materials ermöglicht es zusätzlich, die Hintergründe durchscheinen zu lassen. Reisen nach Lanzarote, Bali, Italien und Mexiko inspirierten mich zu Bildern. Aus den Erinnerungen an durchwanderte Landschaften oder urbane Räume, Tempelanlagen und exotische Natur wuchsen Schicht auf Schicht meine Bildkompositionen."

Eva Baumgart entwickelt ein "Fest für die Augen". Man hat den Eindruck, als stünde man Momentaufnahmen, Traumbildern, Fata-Morganen gegenüber. In einer lyrischen Abstraktion werden aus Flächen und Linien, aus Farbspuren und Geometrien Landschaftseindrücke vermittelt - als schnitte die Künstlerin Stücke aus Abendhimmeln, als ginge sie über tauenden Schnee im Gebirge, als flüchte sie durch Wüstensand. Die Bildwelten atmen und sind in Bewegung, Farben ziehen wie Nebel auf und verschleiern den Blick, sie verwirren und fordern heraus. Die Künstlerin liebt das Spiel mit unbestimmten Ahnungen, mit in sich changierenden Farbverläufen von Rosé bis Hellblau, Sonnengelb bis Dunkelblau, das Spiel mit gebrochenen Farben und Zwischentönen, das Spiel mit Überlagerungen und dem Zufall, mit collagierten und bezeichneten Papieren, die der Seidenschichtung unterlegt werden, das Spiel mit Strukturen und Kalligrafien. Sie verwendet Pongé- und Chiffonseide. Jede Handhabung muss fixiert werden. Die Technik ist sehr aufwendig und jede Arbeit demzufolge ein Unikat.

Bis 24. Januar, Kunstfoyer im Kulturrathaus, Königstraße 15, Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 9-17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.01.2012

Karin Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr