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11:09 21.06.2018
Bisherige Ostrale-Heimstatt: die Futterställe im Dresdner Ostragehege. Quelle: Archiv
Chemnitz/Dresden

Die bislang in Dresden angesiedelte Ostrale kann auf eine Zukunft in Chemnitz hoffen. Der dortige Stadtrat hat am Mittwoch darüber eine knappe Stunde lang beraten und sich anschließend mit deutlicher Mehrheit für Verhandlungen mit der von 2007 bis 2017 jährlich im Dresdner Ostragehege durchgeführten Ausstellung zeitgenössischer Kunst ausgesprochen.

Die Stadtverwaltung Chemnitz soll nun beauftragt werden, „die vertraglichen, räumlichen, organisatorischen und finanziellen Erfordernisse“ für eine Zukunft der Ostrale zu klären. Sollte über die Eckdaten Einigkeit hergestellt sein, wird dem Stadtrat im Herbst eine entsprechende Beschlussfassung vorgelegt. Die Ostrale ist ihrerseits gefordert, ein Finanzierungskonzept für 2019 „und fortlaufend“ zu erarbeiten.

Die Ostrale hatte den Kontakt nach Chemnitz gesucht, um die Chancen eines Weggangs aus Dresden auszuloten. In der Landeshauptstadt gibt es anhaltende Querelen wegen der Sanierung der sogenannten Futterställe im Ostragehege, wo die Ostrale seit ihrer Premiere zu Hause ist. Für den adäquaten Umbau der Futterställe sind laut einer Konzeptstudie rund 13,75 Millionen Euro nötig (DNN berichteten). Die Ostrale-Macher wollten für den Standort Dresden langfristige Planungssicherheit. Ein bereits im November 2016 vom Stadtrat ausgesprochener Auftrag, Konzepte zu entwickeln, die der Ostrale eine Zukunft im Ostragehege garantieren, war aber lange ignoriert worden. Schließlich wurde ein fraktionsübergreifender Antrag zur Zukunft der Ostrale in Dresden auf den Weg gebracht, nach Bekanntwerden der Ostrale-Wechselabsichten gen Chemnitz aber wieder auf Eis gelegt.

Die Ostrale ist im vergangenen Jahr in einen Biennale-Modus gewechselt. Deshalb ist die Ausstellung 2018 auf Reisen und wird gerade in Valletta auf Malta gezeigt, Kulturhauptstadt Europas. 2019 deutet nun, erfolgreiche Verhandlungen vorausgesetzt, einiges auf den Wechsel nach Chemnitz.

Dort hatte sich gestern im Stadtrat deutliche Fürsprache für das Ansinnen der Ostrale gefunden. Aber auch der Hinweis, es sei erst einmal „ein Prüfauftrag“ erteilt worden, fehlte nicht. Für Thomas Lehmann (Bündnis90/Die Grünen) ist es jedoch deutlich mehr, „wie eine Verlobung“. Almut Patt (Fraktionsgemeinschaft CDU/FDP) entgegnete: „Verloben heißt festhalten und weitersuchen.“ Trotz dieser Diskrepanz blieb der grundlegende Tenor fast einhellig: Die Ostrale wurde als Chance für Chemnitz gesehen. Wichtig sei unter anderem, Vertreter der Kultursparten in Chemnitz in den nun angestoßenen Entscheidungsprozess stark mit einzubeziehen.

„Wir sollten der Ostrale eine Chance geben, Chemnitz und die Chemnitzer zu entdecken“, wurde Lehmann etwas prosaisch. Den jetzt gestarteten Prozess bezeichnete er als „großes Experiment“. Auch für die Ostrale sei ein möglicher Wechsel nach Chemnitz die Chance zur Entwicklung. „Es geht nicht darum, Dresden etwas abzujagen. Das haben wir gar nicht nötig“, stellte Patt klar. Die Ostrale soll ihrer Ansicht nach „auf Augenhöhe mit den hier ansässigen Kunstschaffenden“ in Austausch treten. Ulf Kallscheidt (SPD) machte es kurz: „Die Ostrale passt genau zu uns.“ Chemnitz und Dresden konkurrieren übrigens auch um den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2025.

Die Dresdner Ausstellungsmacher hatten im Vorfeld bereits eine jährliche institutionelle Förderung von 250 000 Euro „zur Deckung der Verwaltungskosten“ als Richtwert genannt. Das Gesamtbudget wurde mit rund 750 000 Euro beziffert. Die Ausstellung soll auch eine passende Immobilie in Chemnitz erhalten. Das ist eins der nun zu klärenden Kriterien.

Die Ostrale 2017 in Dresden, die hier die letzte gewesen sein könnte, hatte rund 30 000 Besucher gehabt. Gezeigt wurden 1120 Arbeiten von 165 Künstlern und Gruppen aus 26 Ländern.

Von Seiten der Ostrale kam gestern Abend nur ein wenige Zeilen umfassendes Statement, das nicht überraschte. „Wir freuen uns, dass der Chemnitzer Stadtrat die großen Chancen erkannt hat, die eine Verknüpfung der großartigen lebendigen lokalen Kulturszene mit der internationalen Vernetzung einer in Chemnitz etablierten Ostrale Biennale bieten würde“, heißt es darin. Das kann natürlich auch als Understatement gelesen werden. Denn die eigentlichen Verhandlungen stehen ja erst noch bevor.

www.ostrale.de

Von Torsten Klaus

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