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Erinnerungen von Max Asborn

Erinnerungen von Max Asborn

Max Osborn, 1870 in einer jüdischen Bankiersfamilie in Köln geboren, war einer der maßgeblichen Kunstkritiker der letzten Jahrzehnte vor der Machtübernahme der Nazis.

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Max Osborn: Der bunte Spiegel. Erinnerungen 1890 bis 1933 Edition Memoria, Hürth bei Köln 2013 Preis: 29,80 Euro ISBN: 3930353326

Neben rund achtzig Buchveröffentlichungen und einer langjährigen Rezensenten- und Redakteurstätigkeit vor allem für die Vossische Zeitung war er Mitglied der Ankaufskommission der Nationalgalerie und der Kunstkommission von Berlin, Präsident der "Vereinigung der deutschen Kunstkritiker" und wirkte an der Gründung des "Jüdischen Kulturbundes" mit, bis er Berlin 1938 verlassen musste. Osborn emigrierte zunächst nach Paris, später nach New York, wo er am 24. September 1946 starb. Kurz vor seinem Tod war in einem New Yorker Exilverlag sein Erinnerungsbuch "Der bunte Spiegel" erschienen, das nun in der Edition Memoria auch im deutschen Sprachraum zugänglich ist.

Diese Erinnerungen sind alles andere als die eitle Selbstbespiegelung eines Kritikers, denn Osborn konzentriert sich ganz auf den Gegenstand seiner Arbeit: die Kunst und die Künstler, ohne dabei persönliche Verbindungen oder Urteile (wie im Fall des "unverantwortlichen, schwächlich-unwürdigen Verhaltens" Gerhart Hauptmanns seit 1933) zu verschweigen. So entstehen einfühlsame Porträts von Malern wie Adolph Menzel, Max Klinger, Lesser Ury, Max Slevogt oder Max Liebermann.

Osborn gelingen dabei nicht nur knappe und prägnante Analysen einzelner Werke, die sich ganz aus dem Sehen und Erleben speisen und ohne theoretischen Schwulst auskommen, sondern durch eingestreute Anekdoten überaus lebendige Bilder der Künstler. So wird er Zeuge, wie Lesser Ury angesichts eines allzu knausernden Käufers wutentbrannt einen Packen Radierungen in den Ofen stopft, berichtet von den Trinkgelagen Otto Erich Hartlebens und erzählt die schon manchmal kolportierte Geschichte, wie dessen Freunde seinen letzten Willen verwirklichen, nach dem sein Kopf in Berlin, sein Rumpf aber am Gardasee beigesetzt werden soll.

Weitere Kapitel widmen sich der Berliner Theater- und Musikszene, hier vor allem Otto Brahm, dem Leiter des Deutschen Theaters, Max Reinhardt und dem in Dresden geborenen Hans von Bülow, den Tänzerinnen Isadora Duncan, Grete Wiesenthal und Anna Pawlowa, Vertretern der Gelehrtenwelt sowie Erinnerungen an Auslandsreisen von Max Osborn, der einige Facetten der untergegangenen Kunstwelt der Wilhelminischen Ära und der Weimarer Republik lebendig werden lässt . Zu einer Fortsetzung, die "die Entwicklung des eigenen Lebens" umfassen sollte, kam es leider nicht mehr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.12.2013

Jens Wonneberger

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