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Ergreifendes in der Kreuzkirche

Dresdner Benefizkonzert für Verein „Sonnenstrahl“ Ergreifendes in der Kreuzkirche

Dresdens Kreuzkirche war Ort eines Benefizkonzerts zugunsten des Vereins „Sonnenstrahl“, der sich seit 1990 um krebskranke Kinder und Jugendliche kümmert. Das Junge Sinfonieorchester und der Dresdner Kreuzchor trugen ihren Part dazu bei. Ein Manko gab es dennoch.

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Zeigte Hingabe und Können: die junge Geigerin Samira Dietze beim Benefizkonzert.

Dresden.  Krebserkrankungen in der Familie sind für alle Betroffenen ein schwerer Schlag, der das gesamte Leben auf den Kopf stellt und alle an ihre physischen und psychischen Grenzen führt. Um hier zu helfen, insbesondere dann, wenn es um Kinder und Jugendliche geht, gründete sich 1990 ein Verein mit dem bezeichnenden Namen „Sonnenstrahl“. Durch vielfältige Aktivitäten gelingt es den Mitgliedern, Unterstützung zu geben, wieder Sonne in den Alltag der Familien zu senden.

Tradition sind in diesem Kontext die in der Kreuzkirche stattfindenden Benefizkonzerte. Auch in diesem Jahr waren die Bänke dicht gefüllt. Zu den berührendsten Momenten des Abends gehörte sicher der schlichte Bericht der 18-jährigen Linda Quellmalz, die als Kind von Leukämie betroffen war und noch lange an den seelischen Folgen litt. Wie viel Mut mag es die junge Frau gekostet haben, vor dem großen Auditorium über ihre Krankheit zu sprechen.

Zum Anliegen des Verein passend wurde das Konzert im Wesentlichen durch musizierende Jugendliche und einen tiefen Griff ins romantische Repertoire bestimmt. Da war zunächst einmal das im Sächsischen Landesgymnasium angesiedelt Junge Sinfonieorchester unter der Leitung ihres Chefs Wolfgang Behrend. Man kann den Lehrern (und natürlich den Musikern) des Landesgymnasiums nur gratulieren zu diesem erstaunlichen orchestralen Niveau, das hier präsentiert werden konnte. Präzision und frische Musizierlust prägten das Klangerlebnis. Antonín Dvorák hatte seine Legenden ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiert und sie später selbst orchestriert. In dieser Fassung erklangen zwei der gemütvollen Stimmungsbilder, elegant und farbenreich. Die Violinromanze f-Moll op. 11 von Dvorák, deren Hauptthema aus dem f-Moll-Streichquartett stammt, ist etwas zum genüsslichen Zurücklehnen und Träumen. Die junge Geigerin Samira Dietze spielte sie mit Hingabe und respektablem Können, vor allem aber mit gestalterischem Geschmack (kein Zuviel an Seufzern und Süße). Wenn sie noch mehr an differenziertem Ausdruck und Klanglichkeit einbringen kann, sollte sie auf einem guten Weg sein.

Der Dresdner Kreuzchor brachte zunächst mit der doppelchörigen Bach-Motette „Komm, Jesu, komm“ ein Werk zu Gehör, das man gerade an dieser Stelle schon sehr oft erlebt hat. Auch diesmal erklang sie mit plausibler Textbezogenheit, ebenso durchsichtig wie geschlossen im Klang.

Das zweite Stück, für das sich Kreuzkantor Roderich Kreile entschieden hatte, war mit Carl Maria von Webers Missa Sancta Nr. 2 G-Dur hingegen eine echte Rarität. Er schrieb die „Jubelmesse“ 1819 anlässlich der Goldenen Hochzeit des damaligen sächsischen Königspaares. „Froh und fröhlich kindlich bittend und jubelnd“ schrieb Weber über den Geist der Messe an einen Freund. Und genauso wurde sie hier auch dargeboten – lebendig, ohne aufgesetzten Schnickschnack, klangprächtig und ausdrucksstark, ganz natürlich. Weber bedachte den Solosopran darin besonders ausführlich. Maria Perlt brillierte mühelos in den Koloraturen. Auch die anderen Solisten – Marlen Herzog, Sören Richter, Cornelius Uhle – fügten sich gut in das Gesamtklangbild ein. Alles in allem eine beeindruckende, klanglich ausgewogene Wiedergabe.

Ein Manko gab es freilich: Der Veranstalter hatte es versäumt, den Messetext abzudrucken. Da dieser bei der Mehrheit des Publikums nicht mehr Allgemeingut ist, wurde munter nach jedem Abschnitt geklatscht. Auch verwunderte Blicke des Kreuzkantors und entsprechende Gesten änderten nichts, so dass der Gesamteindruck doch empfindlich gestört wurde.

Von Mareile Hanns

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