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Emotionaler und freundlicher: Dauerausstellung im Hygienemuseum teilweise neu

Leben und Tod Emotionaler und freundlicher: Dauerausstellung im Hygienemuseum teilweise neu

Die neuen Themenräume „Leben und Sterben“ im Hygienemuseum seien lebensbejahender, ermunternder angelegt als bisher, bestätigt die stellvertretende Direktorin und Kuratorin Gisela Staupe. Der „besonders intensive Diskussionsprozess“ bei der Neugestaltung der Dauerausstellung, so Direktor Klaus Vogel, hat jedenfalls nicht zu einer Akademisierung geführt.

Die neuen Themenräume „Leben und Sterben“ im Hygienemuseum
 

Quelle: Oliver Killig

Dresden.  Ja, die neuen Themenräume „Leben und Sterben“ im Hygienemuseum seien lebensbejahender, ermunternder angelegt als bisher, bestätigt die stellvertretende Direktorin und Kuratorin Gisela Staupe. Der „besonders intensive Diskussionsprozess“ bei der Neugestaltung der Dauerausstellung, so Direktor Klaus Vogel, hat jedenfalls nicht zu einer Akademisierung geführt. „Carpe diem et respice finem“ könnte auch als Motto über diesen fünf neu gestalteten Räumen stehen, die am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Sie folgen auf den Saal vom Gläsernen Menschen und fassen den Weg „von der ersten Zelle bis zum Tode des Menschen“ zusammen. Mehr als 12 Jahre nach der Eröffnung der neuen Dauerausstellung hätten veränderte Sichtweisen und neue technische Möglichkeiten eine Überarbeitung notwendig gemacht, begründete Direktor Vogel noch einmal den Umbau.

Die fünf Räume tragen nicht nur die Handschrift von Gisela Staupe, sondern auch von ihren Mitarbeitern Christian Hunziker und Wolf Unterberger. Wie gewohnt verfolgt das Konzept sowohl historische Entwicklungslinien als auch Kreuzungspunkte von Biologie und Medizin mit Technik, Ethik und Gesellschaftswissenschaften. Der Lebensbogen beginnt beim Embryo und beim Fötus. Wie die schwangere Frau aus der Privatsphäre an die Öffentlichkeit rückte, dokumentieren Zeitschriftentitel mit Fotos von Prominenten wie Demi Moore oder Claudia Schiffer. Ein Paar hat sich sogar bei der Geburt filmen lassen, werdende Väter können hier trainieren, was sie erwartet.

Ein Riesenchromosom im nächsten Raum signalisiert, dass es hier um die Bestandteile des Lebens geht. Aus ihrer Winzigkeit werden sie ins Makroskopische geholt wie etwa verschiedene Zellformen zum Anfassen. Blickfang sind zweifellos Viren im bezaubernden Kristalldesign, sozusagen die Ästhetik des Bösen. Aus der bisherigen Beschreibung von Krankheiten ist im nächsten Raum das „Leben mit Krankheiten“ geworden. Nach wie vor kann man sich über die 28 000 bekannten Krankheiten informieren, und gezeigte Masken und Bilder wecken Empathie. Aber auch der Appell an Eigenverantwortung, an die Selbstsorge ist spürbar, und die kuriosen Hausmittelchen zur Gesunderhaltung aus Vergangenheit und Gegenwart erzeugen sogar Heiterkeit. Ähnlich verhält es sich mit der Rubrik „Älterwerden“, die weniger auf die Gebrechen des Alters denn auf die Gestaltung dieses dritten, stets länger werdenden Lebensabschnitts zielt.

Das Finale, der Tod erscheint ebenfalls so gar nicht düster, sondern wie eine Unvermeidlichkeit, mit der man sich rechtzeitig arrangieren sollte. Natürlich schwingt der Wunsch nach Unsterblichkeit mit, etwa bei Exponaten des vietnamesischen Ahnenkults. Aber auch soziale Aspekte wie die Palliativmedizin bekommen viel Platz. Dieses soziale Moment ist auch beim verbesserten Besucherservice spürbar. Das sächsische Sozialministerium hat Erleichterungen für Behinderte finanziert, Senioren können leichte Klappstühle ausleihen. Wie das Museum ankommt, wird derzeit in einer Langzeit-Besucherbefragung erforscht. Die nächste große Umgestaltung steht im Kindermuseum an, das im Herbst für etwa vier Monate geschlossen werden muss.

Von Michael Bartsch

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