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Elif präsentierte neues Album in der Jazztonne

Seichte Welten Elif präsentierte neues Album in der Jazztonne

Ferne TV-Shows wirken über Jahre und sogar publikumsfördernd bis hinein in die Gefilde quasiheiliger Musiktempel wie jene der Dresdner Tonne. Dort gastierte zum „Valendienstag“ Elif Demirezer, die sich auf der Bühne nur beim Vornamen nennt, Eisenhüttenstadt als Geburtsort im Ausweis stehen hat und in Moabit aufwuchs.

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Elif.

Quelle: Anja Schneider

Dresden.

Ihr großer Auftritt war vor nunmehr acht Jahren und ging immerhin im Wochenstress über ein Vierteljahr bis ins Finale. Bis zur ersten Scheibe mit erfolgreicher Single namens „Unter meiner Haut“ dauerte es dann allerdings noch knapp vier Jahre. Nun ist sie 24 und hat bald wieder ein Album am Start, das rasch eingespielt und verbreitet gehört – auf einer Ost-West-Halbstreckentour, die in Dresden offenbar recht ungeprobt begann.

Mitgebracht hat sie Fayzen, einen Hamburger Poprapper, der Farsad Zoroofchis heißt, gern allein ist, aber es auch ernsthaft und reflektiert sein kann, hier als Starter performt und sie später noch einmal begleitet – an Mikro und Piano. Seine Biografie auf der Präsenz einer großen nationalen, fast schon universellen Plattenfirma endet so: „Fayzens Musik ist wahrhaftig. Und näher kann ein Künstler der Wahrheit vielleicht gar nicht kommen.“ Das vielleicht nicht, aber der Musik – und so hofft man auf die Künstlerin, die immerhin auch schon mit einer neuen Version von „Als ich fortging“ auffiel und deren Biografiewurzeln eine spannende Reflexion der Lebenswelt erzeugen könnten.

Doch davon war in Dresden nichts zu spüren. Sie spult in beeindruckender Leichtigkeit mit sanfter Stimme und nur bekleidet von zwei Akustik-Gitarren ihr Repertoire ab, das zwar komplett in deutscher Sprache, aber selten von Relevanz jenseits von jugendlicher Befindlichkeit geprägt ist und nur im Schlagermilieu noch trivialer daherkommt. Dass sich dabei nicht nur der Endreim ringelt, liegt vor allem an der musikalischen Darbietung, der es ohne Bass und Schlagwerk nicht nur an Kraft wie Dynamik, sondern auch an den Saiten an Filigranität in Komposition wie Spiel mangelt. Ihr Gitarrist, nur Tim E. genannt, der sich mehrfach verspielte, wobei die Frontfrau sogar zweimal den Song abbricht und ihn darob tadelt, hat als Schauspieler angeblich für die Platte ein Zwölf-Tage-Arrangement als Oberarztdarsteller und damit 24 Riesen sausen lassen. Immerhin hat sie den passend holpernden Song dafür: „Nichts tut für immer weh.“

Dafür verschwatzt sie ungefähr ein Drittel der Zeit, wobei man erfährt, dass sie gerade im großen Umschwung und offenbar Single ist, kürzere Haare hat und auch ihre Mitstreiter abhanden kamen. Und es wurde so massiv für das neue Album geworben, dass einem vor Schreck der Titel entfällt. Vielleicht konzentriert sich Elif bei der nächsten Tour als Erwachsene einfach aufs Wesentliche, nämlich das Musikmachen, holt sich dazu eine schlagkräftige Band auf die Bühne und besinnt sich auf eine echte Show mit mehr Musik statt Geplapper.

Von Andreas Herrmann

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