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Regional Element oft Crime machen die Junge Garde zum „Mittelpunkt der Welt“
Nachrichten Kultur Regional Element oft Crime machen die Junge Garde zum „Mittelpunkt der Welt“
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12:45 31.08.2018
Bevor am 5. Oktober ihr neues Album „Schafe, Monster und Mäuse“ erscheint, spielte die Band um Frontmann und Autor Sven Regener am Donnerstagabend in der Jungen Garde auf. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der Donnerstag verhieß bis dahin nicht viel Gutes, der Sommer scheint sich für dieses Jahr in seinen redlich verdienten Urlaub zu verabschieden. Open Air bei Regen? Mit Element of Crime hätte sich das durchaus aushalten lassen, immerhin trägt Frontmann Sven Regener den Niederschlag im Namen und ist als gebürtiger Bremer jegliche Auswüchse von „Schietwetter“ gewöhnt. Aber nichts da: Pünktlich zum Konzertbeginn hat sich das ungemütliche Schmuddelwetter verzogen. Die Sonne weiß eben, was gut ist. Regener freut sich über deren Sinneswandel und kommt kurz auf die Bühne, um selbst den Support-Act anzusagen: Florian Sievers a.k.a. Das Paradies. Der Leipziger hat just sein Album „Die Giraffe streckt sich“ auf den Markt geworfen und ist wie kein anderer geeignet, die eingeschworene EoC-Fangemeinde auf den Konzertabend einzustimmen. Melancholisch verzaubernde Melodien und wundersam schöne Textzeilen wie „Der Morgen graut, es gibt schönere Farben/Hier flackern Neonlichter schon seit Tagen/Unter den Dielen quietscht und knarzt es/Mir wird schwindlig ich mag es“ dürften völlig zu Recht einen raketenartigen Fanzuwachs für Das Paradies bedeuten. Wer das verpasst (oder sich direkt in die Musik verliebt) hat, kann kommendes Wochenende beim Sound of Bronkow Festival nochmal in die Klangwelt des Leipzigers und seiner Band eintauchen.

Nach rund einer halben Stunde weicht Das Paradies dann zunächst aber der Hauptband Element of Crime, die mit „Damals hinterm Mond“ dann direkt auch ein nicht mehr enden wollendes Feuerwerk an Evergreens zünden. Es folgt „Draußen hinterm Fenster“, eine der typisch Regenerischen Wortkettenreaktionen, für die auch seine Romanfigur „Herr Lehmann“ bestens bekannt ist. Regener selbst ist offenkundig bester Laune, zwischen den Songs gibt er den Entertainer, lässt in charmant-rotzigem Bremer Schnack äußerst unterhaltsame Kommentare vom Stapel und fordert immer wieder zu mehr Romantik auf. Spätestens an dieser Stelle möchte man sämtliche Kandidaten der aktuellen „Bachelorette“-Staffel (und eigentlich auch RTL) mit einem riesigen Rosenstrauß zu einem EoC-Konzert prügeln, auf dass sie ihr antiquiertes Rollenbild und diese sehr seltsame Vorstellung von „Liebe“ ein für alle Mal begraben mögen und sich gebührend dafür schämen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Es folgt ein bunter Reigen von Klassikern, ein fulminanter Streifzug durch die großen Alben aus fast 30 Jahren Bandgeschichte. Dann kündigt Regener „ein Lied von jemand anderem“ an, denn „immer nur die eigenen Lieder spielen ist asozial“. Die Stimmung im Publikum ist angesichts dieser Ansage schon annähnernd auf dem Zenit, aber die Band setzt tatsächlich noch eins drauf, denn was nun folgt, ist Udo Lindenbergs „Leider nur ein Vakuum“ - Gut 4.500 Menschen in der fast ausverkauften Jungen Garde singen begeistert mit, mit Show-Einlagen wie „Umz-Umz-Umz“-Techno- Imitationen und einem furiosen Trompetensolo Regeners machen sich Element of Crime den Song zu Eigen. „UDO!“ ruft Regener und die Menge fällt begeistert ein.

Mit dem neuen Song „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ gibt es endlich auch wieder „ein neues Sonntagslied“, das nicht nur vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse in Chemnitz respektive Sachsen für einen von vielen intensiven Gänsehautmomenten an diesem Abend sorgt. Kein Wunder, denn diese Band ist einfach auch live unfassbar gut. Nach einer Reihe weiterer Evergreens wird mit „Michaela sagt“ und einem trockenen „Danke!“ das vorläufige Ende des Konzerts eingeläutet. Es dauert aber nur wenige Sekunden, bis die Band erneut auf der Bühne auftaucht und sie zum „Mittelpunkt der Welt“ macht und mit „Am Ende denk ich immer nur an dich“ sowie dem „beliebten Hybrid aus Sozial- und Erdkunde, in dem vor allem viele bedeutende Flüsse vorkommen“ (Regener), einer Ode an „Delmenhorst“ nachlegt. Dass Regener dabei in den Textzeilen springt „interessiert hier keine Sau“, im Gegenteil nimmt das Publikum das eher zum Anlass für spontane Liebesbekundungen. Um 21.56 Uhr gibt es die nächste Zugabe, Regener gibt unumwunden zu, aufgrund des „zarten Dresden-Bezugs“ darauf spekuliert zu haben und die Band brettert der Garde „4 Stunden vor Elbe 1“ vor den begierigen Latz. Auf „Straßenbahn des Todes“ folgt „Weißes Papier“, die Liebeskummer-Hymne schlechthin. „Die ist so alt, da war das Internet ganz neu“ ordnet Regener den Hit zeitlich trocken ein und schenkt sich schäumend Bier nach. Und nach „Alten Resten eine Chance“ und einem neuerlichen Abgang von der Bühne folgt dann noch Zugabe Nummer drei. Da kann eine Band wie 30 Seconds To Mars sich gar nicht genug Asche auf das sprichwörtliche Haupt streuen. Oder: Das Herz, das Jared Leto gebrochen hat, konnte Element of Crime binnen weniger Minuten wieder reparieren und damit einen alten Lindenberg-Hit Lügen strafen. Auch wenn „Lieblingsfarben und Tiere“ es an diesem Abend zur Enttäuschung vieler nicht auf die Setlist geschafft hat, geht nach gut zwei Stunden ein grandioser Konzertabend zu Ende. Und „diesmal, mein Herz, diesmal fährst du mit“.

Von Kaddi Cutz

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