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Regional Ekstase auf der Waldlichtung – Das erste „Come to the Woods“-Festival
Nachrichten Kultur Regional Ekstase auf der Waldlichtung – Das erste „Come to the Woods“-Festival
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14:09 11.06.2018
Volles Haus beim ersten „Come to the Woods“-Festival auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch.ö Quelle: Anja Schneider
Dresden

Was lange währte, wurde endlich gut: Seit Jahren hat die Dresdner Erfolgsband Woods of Birnam ein eigenes Festival geplant, nun war es so weit. Gemeinsam mit befreundeten Künstlern luden sie passend zum Motto „Come to the Woods“ auf den Konzertplatz am Weißen Hirsch in die Dresdner Heide ein. Mit dabei: Die gebürtige Australierin Kat Frankie, Geschwisterduo Joco und Singer/Songwriter Enno Bunger.

Kurz nach Eröffnung war das liebevoll dekorierte Open-Air-Gelände bereits gut besucht, das Merchandise der vier Bands und die Resttickets ausverkauft. Bei 28 Grad kam den Besuchern der schattenspendende Waldplatz als Veranstaltungsort sehr gelegen. Pünktlich um 17 Uhr legten die Schwestern Josepha und Cosima der Band Joco mit dem Song „Pilot“ einen sanften Einstieg hin. Durch den Klang der verträumten, frühlingshaften Balladen schienen die Zuhörer wie hypnotisiert. Ihre beeindruckenden Soulstimmen setzten die Hamburgerinnen gekonnt in Songs wie „City Shore“, „Klangkarussell“ oder der Akustikversion von „Over the Horizon“ ein.

Durch den Klang der verträumten, frühlingshaften Balladen schienen die Zuhörer wie hypnotisiert. I Quelle: Anja Schneider

Die Befürchtung, Kat Frankie könnte nach einem solch gelungenen Einstieg von Joco deren musikalische Leistung kaum mehr übertreffen, verflog schnell. Die Sängerin zeigte mit mal rockigen, mal stimmverzerrenden, mal sanften, aber stets kraftvollen Liedern ihre musikalische Varianz. Bei einer Hörprobe ihres neuen Pop-Albums „Bad Behaviour“ wurde sie von Donnergroll unerwartet, aber passend geräuschvoll begleitet. Starker Wind wirbelte den umliegenden Steinstaub auf und kündigte ein Gewitter an. „Don’t worry it’s going to be okay, believe me!“, munterte sie die besorgt gen Himmel blickenden Festivalgänger auf und stimmte zur Beruhigung den Hit „People“ an.

Leider hatten Kat Frankies wärmende Worte nicht wirklich einen Einfluss auf den Wettergott. Prasselnde Tropfen drohten kurzzeitig damit, das Festival sprichwörtlich ins Wasser fallen zu lassen. Doch das Publikum hielt größtenteils stand – mit bunten Regenschirmen und Kapuzenponchos trotzten überraschend viele dem Regen.

„Wenn man die Augen zumacht, klingt der Regen wie Applaus“ – Enno Bunger

Der Schauer war bald vorüber, bot Enno Bunger jedoch mehr als genügend Anlass für seinen Einstiegssong „Regen“. Das melancholische Herzschmerz-Lied sollte nicht das einzige in seinem Programm bleiben. Lieder wie „Wo bleiben die Beschwerden“ und „Pass auf dich auf“ thematisierten offen den Weltschmerz der ostfriesischen Gruppe. Ihrer bedrückenden Stimmung verleiht die Band berechtigterweise Ausdruck, seit die Frau des Schlagzeugers Nils im November 2017 plötzlich verstorben war. Die Musiker wollten zunächst ein Jahr lang Pause einlegen, entschlossen sich aber dennoch dazu, auf dem Festival zu spielen. Die einfühlsamen Lieder berührten die Besucher sichtlich und wurden mit großem Applaus honoriert. Dass die Band trotz allen Unglücks ihren Sinn für Humor nicht verloren hat, zeigte sie mit hrer Ode an die Freundschaft: „Andere bauen Scheiße, Nils du baust ein Regalsystem“.

Woods of Birnam auf der Bühne Quelle: Anja Schneider

Und dann stand endlich die Dresdner Band Woods of Birnam auf der Bühne. Mit alten Klassikern aus „Searching for William“ und Releases vom Album, das am 5. Oktober erscheinen soll, bildeten sie den krönenden Abschluss und bewiesen einmal mehr, dass sie mehr als „nur“ eine Theaterband sein können. Mit der Inszenierung und musikalischen Begleitung von „1984“ am Stuttgarter Theater und den nun über 100 Darstellungen von „Hamlet“ am Dresdner Staatsschauspiel war die Band um Sänger und Schauspieler Christian Friedel zwar gut ausgelastet, steckte jedoch viel Zeit und Kreativität in ihre neueste Platte.

Die harte Arbeit hat sich gelohnt: „No love in, no love out“ ist nur eines von den Beispielen, die zeigen, dass Woods of Birnam ihren Poprock-Songs mit poetischer Ader treu geblieben sind und sich dennoch musikalisch in eine neue Richtung bewegen. „Das Werk dreht sich um einen starken Verlust, der positiv verarbeitet wird, und aus dem Hoffnung geschöpft werden soll“, erklärte Friedel im Backstagebereich. „Wir sind musikalisch experimenteller geworden: ,Grace’ hat Pop-Elemente, ist aber auch elektronisch vertrackt. Es eignet sich gut zum Mittanzen, das war uns sehr wichtig. Wie ich immer bescheiden sage – ,Grace’ ist ein Meisterwerk geworden“, scherzte der sympathische Musiker und ergänzte: „Ohne unsere Dresdner Fans wären wir aber nie so weit gekommen – deswegen ist das Festival ein Geschenk an die Besucher“. Die nahmen dies dankend an: Tanzend und mitsingend, feierten etwa 1.500 Menschen Hits wie „I follow thee Hamlet“, „Doors“ oder „The Healer“.

Das erste eigene Festival war also ein grandioser Erfolg. Gut, dass Christian Friedel und Woods of Birnam bereits das zweite Come to the Woods für 2019 planen.

Von Katharina Jakob

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