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Einstige Stadtschreiberin Dorothea Dieckmann beschreibt ihren Sommer in Dresden

Ein Gedicht von einem Gedicht Einstige Stadtschreiberin Dorothea Dieckmann beschreibt ihren Sommer in Dresden

Dresdens Stadtschreiberin von 2009 ging mit wachem Blick durch die Stadt und deren Geschichte. Jetzt ist Dorothea Dieckmanns damals entstandenes Langgedicht „Sommer in Dresden“ noch einmal in bibliophiler Ausstattung verlegt worden.

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Dorothea Dieckmann.

Quelle: DNN

Dresden. Spaziergänge durch Dresden – sie kommen ausführlichen Entdeckungsreisen gleich. Dorothea Dieckmann, 2009 für ein halbes Jahr als Stadtschreiberin hier zu Gast, hat ihre Erlebnisse und Eindrücke in einem Gedicht zusammengefasst. In einem Gedicht!

Erschienen ist es bereits in der Literaturzeitschrift Signum, nun aber hat es der höchst ambitionierte Kleinverlag Ulrich Keicher aus dem baden-württembergischen Warmbronn in einer auf 300 Exemplare limitierten Auflage herausgebracht, die das Zeug hat, rasch zum bibliophilen Liebhaberobjekt zu werden. Das liegt einerseits an der haptischen Anmutung dieser 28-Seiten-Broschur, die aufgrund der langen Zeilen im Querformat zu lesen ist. Andererseits verdient der genaue Blick der Autorin sowie ihre poetische Umsetzung des Geschauten eine unbedingte Wertschätzung und zwei-, drei-, vielfaches Lesen.

Dorothea Dieckmann ist während ihres Dresdner Sommers nicht nur über die Touristenmeilen flaniert, sie hat auch die Vororte inspiziert und sich insbesondere für Dresdens Geschichte interessiert. Kein Wunder also, dass wieder und wieder der 13. Februar eine Rolle in diesem Langgedicht spielt, das wohl nicht zufällig in 13 Kapitel gegliedert worden ist. Die klug analysierende Autorin, bislang vor allem mit Essays und Romanen hervorgetreten, bewegt sich im Genre der Lyrik absolut souverän und meißelt scharf beobachtete Phänomene dieser Stadt in treffsichere Bilder: „Dresden, gleich weit entfernt von Wissen und Nichtwissen.“ Klingt wie eine Kopfnote fürs geschundene Elbtal „der gegenwartsfernen, gegenwartssüchtigen Residenz“.

Dresden als Trümmerstadt und Dresden als „Fantasyreich aus Sandstein“ wird da beschrieben – und mit dem notwendigen Hinweis versehen: „Längst hatte flußabwärts die Elbe gebrannt, bevor / Die verträumte kleine Schwester am Oberlauf hamburgisiert wurde.“ Wem diese Poetologie unverständlich erscheint, der findet Erläuterungen in einem Anhang, der hier und da recht hilfreich, wenn auch leider nicht frei von kleineren Irrtümern ist.

Dorothea Dieckmann bewahrt die Distanz: „Achte auf deine Schritte. Sobald sie sicher werden, tritt von der Bordsteinkante und ändere die Richtung“ – nur dies schärft den Draufblick, das Urteil und ganz offenbar auch die Poesie: „Ein bißchen Moll liegt in der Luft“. Begegnungen, Entdeckungen und Wahrnehmungen machen die Inhalte dieser 13 Kapitel aus, vor allem aber ist es Dorothea Dieckmanns Selbstverpflichtung „sieh nach vorn / Und mach der Erinnerung Platz: deiner“. Mit diesen Zeilen weckt sie auch beim Lesen ein stilles Erinnern.

Dorothea Dieckmann: Sommer in Dresden, Verlag Ulrich Keicher, 28 S., 10 Euro

Von MICHAEL ERNST

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