Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 5 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Einmal rund um den Globus - "Musik zwischen den Welten" startet in Dresden in die 9. Saison

Einmal rund um den Globus - "Musik zwischen den Welten" startet in Dresden in die 9. Saison

Seine Konzertreihe "Musik zwischen den Welten" hat ihren festen Platz im Dresdner Kulturleben. Bevor die neue Saison am 1. September mit "Soneros de Verdad" losgeht, unterhielt sich Beate Baum mit dem Veranstalter Andreas Grosse über vergangene und kommende Konzerte und seine Auswahlkriterien und Intentionen.

Voriger Artikel
Schwankend fest vor Anker - Das Dresdner Brettl feiert sein 25-jähriges Bestehen
Nächster Artikel
Militärhistorisches Museum Dresden schließt für Wartungsarbeiten

Andreas Grosse

Quelle: PR

Frage: Seit 2005 gibt es die Konzertreihe "Musik zwischen den Welten" nun schon, im September startet die 9. Saison. Eine Erfolg?

Andreas Grosse: Vermutlich ja. Zwar war es meine Hoffnung, aber nicht vorauszusehen, dass eine solche Konzertreihe, die ja von Inhalten lebt weit abseits des popmusikalischen Mainstream, sich behaupten und ein Publikum finden wird. Dass es gelungen ist, einen großen Kreis an interessierten Menschen weit über die Stadt Dresden hinaus für die Reihe zu interessieren, das macht mich schon sehr froh.

Eine Änderung im Verlauf der Jahre ist, dass doch die traditionelleren Künstler häufiger geworden sind. Ist in dem Bereich einfach mehr im Angebot oder wird das vom Publikum eher goutiert/nachgefragt?

Die Frage kann ich so nicht beantworten, da ich in diesen Kategorien "traditionell" gegensätzlich "modern" nicht denke. Für mich sind eher Begriffe entscheidend wie "wahrhaftig" und "authentisch". Diese Begrifflichkeiten mögen durchaus subjektiv sein, für mich aber sind dies die wesentlichen Auswahlkriterien - natürlich vor dem Hintergrund unterschiedlicher kultureller Traditionen der Aufführenden. Insofern ist es für mich nicht wichtig, ob ein Musiker eigene Songs spielt, die er in den vergangenen zwölf Monaten komponiert hat, oder ob ein Ensemble Musik intoniert, die aus vergangenen Jahrhunderten stammt. Wichtig ist mir, mit welcher Intention, welcher Ernsthaftigkeit und Hingabe die Musiker dies tun. Ob es eine billig kopierte Replik an irgendeinen trendigen Zeitgeist ist oder die ehrliche, individuelle Äußerung eines Musikers, der damit ein glaubhaftes künstlerisches Statement abgibt. Und oft genug ist die Musik dann nicht nur traditionell oder nur modern, sondern eine glückliche Verbindung aus beidem.

Welches Konzert in den vergangenen Jahren ist Ihnen selbst am nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?

Unglaublich beeindruckend empfinde ich immer wieder die estnische Sängerin Siiri Sisask. Eine meiner Lieblingsbands ist das polnische Ensemble "Kroke", das im vergangenen Jahr gleich zwei Mal zu Gast war, einmal als Begleitband der mongolischen Sängerin Urna. Großartig war auch der Auftritt der japanischen Mönche des Shintenno-Ji-Tempels, gemeinsam mit den Musikern des Ensembles "Liquid Soul". Es gab tolle Konzerte mit Telmo Pires, mit der blinden Sängerin Dona Rosa, dem bulgarischen Eva-Quartett, Carlos Nunez, Estampie, den georgischen "The Shin" und vielen anderen. Die Frage ist eigentlich nicht erschöpfend zu beantworten, ich erinnere deutlich mehr Konzerte, als hier Platz vorhanden ist.

Gehen wir in die neue Saison: Worauf freuen Sie sich besonders?

Ohje, dasselbe in grün... Womit soll ich beginnen? Ganz ehrlich, ich freue mich auf jedes einzelne der geplanten Konzerte, weil ich kein Konzert organisieren würde, das mich nicht selbst inte-ressiert. Wen soll ich da herausheben? Sonny Thet vielleicht, der in Kambodscha geborene Cellist, den ich als 12- oder 14-Jähriger erstmals gehört habe, damals als blutjungen Musiker der Weimarer Band "Bayon". Jetzt, knapp 40 Jahre später, kommt er zusammen mit seinem Sohn Anthony zu einem echten Vater-Sohn-Konzert in die Dreikönigskirche.

Total gespannt bin ich auf die Russin Inna Zhelannaya, die ich bis vor kurzem gar nicht kannte und erst durch den Kontakt einer Agentur erstmals gehört habe. Sie singt uralte russische Lieder, instrumentiert aber mit einem musikalischen Background aus Art-Rock, Jazz und Trancemusic, der absolut modern klingt. Sehr freue ich mich auch auf das Konzert mit Klaus Hoffmann, dessen Lieder mein Leben seit mehr als 25 Jahren begleiten. Und dann gibt es noch Konzerte mit Arstidir, Paul Armfield, Kroke, Suden Aika, Dikanda...

Was dürfte das ausgefallenste / "exotischste" Konzert werden? Die Herkunft welches Künstlers ist am weitesten von Deutschland entfernt?

Verdammt, wo ist mein Globus? Keine Ahnung ... Soneros de Verdad kommen aus Kuba, Mariachi dos Mundos aus Mexiko, Tango Crash zumindest teilweise aus Argentinien. Sonny Thet aus Kambodscha, Carasol aus Kanada. Sedaa sind mongolische und ein iranischer Musiker... Diese Konzerte werden sicher alle einen gewissen Touch des Exotisch-Ungewöhnlichen tragen. Besonders viel Spannung verspricht sicherlich die mittlerweile 27. Ausgabe des "KlangWelten"-Festivals, das der Musiker und Globetrotter Rüdiger Oppermann zusammenstellt. Er hat diesmal Musiker aus u.a. Borneo, Uganda, Rajastan und Indien zusammengebracht, die für ihr Konzert eine enorme musikalische Vielfalt und darüber hinaus auch einen Riesenspaß versprechen.

Deutschland erlebt nach der brutalen Mordserie der "NSU" deren juristische Aufarbeitung. Dabei wird auch immer wieder deutlich, wie tief der Rassismus bis in die Mitte der Gesellschaft reicht. Gab es schon Bedenken von Künstlern, nach Dresden zu kommen?

Nein, das war Gott sei Dank noch nie der Fall. Aber Ihre Frage gibt mir die Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass ich diese Konzertreihe durchaus als lebendige Form von Völkerverständigung und als klares Statement für Weltoffenheit sehe. "Weltoffen sein und mehr erleben!" lautet das Motto der diesjährigen Interkulturellen Tage der Stadt Dresden, bei denen ich mich auch engagiere. Es könnte auch das Motto dieser Konzertreihe sein. Musik ist eine universelle Sprache, die uns hilft, Grenzen zu überwinden. Musik kann uns neue Horizonte eröffnen, zeigt uns die vielen Farben unserer Welt, baut rassistische Vorurteile ab, macht uns toleranter, verständnisvoller, klüger. In diesem Sinne mitwirken zu können an einer weniger rassistischen Gesellschaft ist wahrscheinlich der eigentliche Erfolg dieser Reihe.

@www.mzdw.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.08.2013

Beate Baum

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr