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Regional Eine der Pionierinnen des Ausdruckstanzes: Elza Brandeisz starb mit 110 Jahren
Nachrichten Kultur Regional Eine der Pionierinnen des Ausdruckstanzes: Elza Brandeisz starb mit 110 Jahren
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12:40 08.01.2018
Elza Brandeisz im Sommer 2009  Quelle: Hartmut Schütz
Sopron/Dresden

Am 6. Januar ist in Sopron die frühere Tänzerin Erzsébet „Elza“ Brandeisz im Alter von 110 Jahren verstorben. 1907 in Budapest geboren, studierte Brandeisz von 1923 bis 1928 an der Tanzschule von Lili Kállai (1900–1996) und gehörte zu den Pionieren des Ausdruckstanzes in Ungarn. Um sich künstlerisch zu vervollkommnen, nahm Elza Brandeisz in den 1930er Jahren an Kursen in Wien und bei Mary Wigman in Dresden teil.

Die rigide Kulturpolitik im Ungarn der Nachkriegszeit brandmarkte den Ausdruckstanz als dekadent, was für die Tänzerin 1948 zum Auftrittsverbot führte. In den folgenden Jahren arbeitete Elza Brandeisz als Sport- und Gymnastiklehrerin in Balatonalmádi, wo ihre Familie ein Haus besaß. In diesem Sommerhaus versteckte die Familie Brandeisz 1944 die Budapester jüdische Familie Soros und bewahrte sie so vor der Deportation. Der später in die USA emigrierte Sohn George Soros gehört heute zu den weltweit bedeutendsten Geschäftsleuten.

Nach ihrer Pensionierung 1963 ging Elza Brandeisz nach Sopron und arbeitete noch bis 1978 als Museumsführerin im Soproner Storno-Haus. Die vielseitig interessierte Dame, die als neunjähriges Mädchen in Budapest noch die Krönung des letzten ungarischen Königs miterlebt hatte, war eine leidenschaftliche Humanistin. Sie blieb bis über ihren 100. Geburtstag hinaus politisch interessiert und mischte sich gern bei Podiumsdiskussionen, zu denen man sie als Zeitzeugin einlud, ins öffentliche Gespräch ein.

In den letzten Jahren lebte Elza Brandeisz zurückgezogen in ihrem Haus am Rand der Altstadt von Sopron, wo sie auf Initiative von George Soros durch Pflegekräfte unterstützt wurde. Vom Staat Israel war Brandeisz 1995 mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt worden.

Von Hartmut Schütz

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