Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Eine Studie belegt die Chancen für ein Literaturhaus in Dresden

Eine Studie belegt die Chancen für ein Literaturhaus in Dresden

Die öffentliche Gesprächsrunde liegt ziemlich genau zwei Jahre zurück. Ihr Thema: ein Literaturhaus für Dresden. Sie war das Podium, auf dem die zuvor schon geführte Auseinandersetzung in ihrem Pro und Contra noch einmal zementiert wurde.

Damals setzten sich die Skeptiker durch, unter anderem mit dem Verweis, lieber mit schon vorhandenen Strukturen zu arbeiten statt Luftschlösser zu bauen.

Die damalige Debatte hatte vor allem das Manko, emotional geführt zu werden. Fakten, wie sich ein solches Literaturhaus in der Stadt auswirken könnte, gab es nicht. Das ist seit gestern anders. Nun liegt eine knapp 50 Seiten starke Studie vor, die den Titel "Möglichkeiten und Bedingungen der Literaturvermittlung in Dresden" trägt. Auftraggeber sind die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und die Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank. Die hiesigen Initiatoren der Studie setzten mit dem Autor Claudius Nießen, der am Deutschen Literaturinstitut Leipzig arbeitet, dezidiert auf einen unverstellten Blick.

Das Wort, das gestern am Sitz der Kulturstiftung Sachsen in Hellerau mehrmals fiel, war "Nulllinie". Die vorgestellte Studie solle auf jenen virtuellen Startpunkt zurückführen, sagte Stiftungsdirektor Ralph Lindner.

Zwei Hauptergebnisse konnten jedenfalls schnell herausgefiltert werden. Erstens: Die Literatur spielt in Dresden, gemessen an anderen Kunstsparten, nicht die erste Geige. Zweitens: Ein Literaturhaus würde sich lohnen - das zeigt der Vergleich mit anderen Städten.

Denn genau das macht der Verfasser Nießen vor allem: er vergleicht. Er stellt den Ist-Zustand der Literaturvermittlung in Bremen, Leipzig, Hannover, Nürnberg und Stuttgart vor. Erst danach widmet er sich dem, was in Dresden ist - und was sein könnte. Ein Blick von außen, der nicht zum ersten Mal die Sicht auf etwas freiräumen könnte, was durch zu viel Nähe ein Übermaß an Emotionalisierung erfährt.

Vor allem Stuttgart führt Nießen als Beispiel ins Feld, wie es ähnlich auch hier funktionieren könnte. Dort habe es ebenfalls eine "ähnlich zersplitterte Szene" gegeben. Dann kam Florian Höllerer. Er ist das, was Nießen als eine "integrative Leitfigur" bezeichnet. Höllerer leitete nicht nur das Stuttgarter Literaturhaus, sondern brachte die vielen Erwartungen (und auch die existierenden Animositäten) unter einen Hut, um - zugegeben binnen 13 Jahren - den Ort als solchen nachhaltig für die Literatur zu etablieren. Dass Höllerer zum Jahresbeginn 2014 an die Spitze des Literarischen Colloquiums nach Berlin wechselt, wundert da kaum noch.

Nießen macht die Bedeutung solch einer Personalie auch im Pressegespräch deutlich. Wichtig sei "ein neuer Kopf von außen, ein Sprachrohr für die hiesige literarische Szene".

Eckdaten für den Betrieb eines solchen Literaturhauses hat Nießen gleichfalls erstellt. Jährliche Einnahmen von gut 350 000 Euro (davon 220 000 Euro Förderung durch Stadt und Freistaat) seien das Minimum, knapp 750 000 Euro (Förderung 450 000 Euro) wünschenswert. Zum Vergleich: Die aktuelle Literaturförderung des städtischen Kulturamtes liegt bei 110 000 Euro.

Dazu kommt ein Haus mit entsprechender Ausstrahlung. "Bisherige Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass die Immobilie großen Einfluss auf das Konzept des Hauses und die Einwerbung von Spenden hat", schreibt Nießen. Wer hier den entscheidenden Knackpunkt für das Nichtzustandekommen eines solchen Ortes in Dresden vermutet, dem hält Lindner entgegen: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass jemand eine solche Immobilie übereignet." Sie müsste laut Studie unter anderem mehrere Veranstaltungsräume in verschiedener Größe haben (so einen Saal für 300 bis 350 Besucher).

Auch wenn der Hebel noch bei Stipendien und längeren Förderzeiträumen angesetzt werden kann, bleibt der Hinweis auf das Literaturhaus doch der zentrale Punkt der Studie. Den existierenden Widerspruch räumt Ralf Suermann, geschäftsführender Vorstand der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank, aber sofort ein: "Wir schlagen ein Literaturhaus vor, können es aber nicht bezahlen. Beim Monetären endet unser Part."

Für Nießen geht es dennoch um mehr: "Ein klares Bekenntnis ist besser als halbherziges Wursteln." Auch Lindner meint mit Blick auf die Stadt, ein Konzept sei das A und O, alles weitere finde sich. Die Diskussion jedenfalls sollte sich nun neu entfalten.

iDie Studie soll in wenigen Tagen unter www.kdfs.de einsehbar sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.10.2013

Torsten Klaus

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr