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Eine Liebe am Elbhang - Zauberhafte Ausstellung über Johanna und Josef im Hegenbarth-Haus Dresden

Eine Liebe am Elbhang - Zauberhafte Ausstellung über Johanna und Josef im Hegenbarth-Haus Dresden

Die einstige Wohn- und Arbeitsstätte Josef Hegenbarths (1884-1962) in Dresdens Calberlastraße 2 hat ihren ursprünglichen Charakter weitgehend bewahrt. Man kennt dies im heimischen Umfeld eigentlich nur noch vom Robert-Sterl-Haus in Wehlen/Naundorf.

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Johanna und Josef beim Fasching, 1951. Kupferstich-Kabinett, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.

Quelle: SKD/Dirk Gedlich

Nicht wenig zu verdanken ist die Weiterexistenz des Loschwitzer Künstlerdomizils der Weitsicht Johanna Hegenbarths (1897-1988), die bereits zu Lebzeiten ihres Mannes und erst recht nach dessen Tod für Jahrzehnte zur "Agentin" seines Werks wurde. Schon 1962 hatte sie das Josef-Hegenbarth-Archiv gegründet, das entsprechend testamentarischer Verfügung nach ihrem Tod als Wirkungsstätte des Künstlers mit allem Inventar dem Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zufiel. Als dessen Dependance ist es seit geraumer Zeit der Öffentlichkeit zugänglich und hält mit Ausstellungen aus dem Bestand des Hauses, teils auch in Verbindung mit anderen Themen - hingewiesen sei auf die auf Grohmann bezogenen Expositionen 2012 sowie die früheren Präsentationen von Arbeiten zeitgenössischer Dresdner Künstler wie Wolfgang Petrovsky und Jana Morgenstern -, die Erinnerung an das Schaffen Josef Hegenbarths wach. Vor allem aber passiert ein Großteil kunstwissenschaftlicher und archivierender Arbeit hinter den Kulissen. So konnte mittlerweile ein Verzeichnis der Zeichnungen des nicht nur zu Lebzeiten hochgeschätzten Künstlers erarbeitet werden. Dabei ist man noch bei dem für die Grafiken.

Bisher noch kaum im Blickfeld waren die 15 laufende Meter umfassenden schriftlichen und fotografischen Dokumente, die geeignet sind, die Persönlichkeit des Künstlers sowie seiner Frau Johanna und die Zeitumstände, die ihr Leben prägten, weiter auszuleuchten. Dies wiederum dürfte geeignet sein, manche der bisherigen Aussagen zu Leben und Werk Josef Hegenbarths zu untermauern, zu präzisieren, vielleicht auch zu korrigieren.

Sich-Finden zweier Menschen

Einen kleinen, aber sehr reizvollen Blick auf das, was in dieser Beziehung bisher erarbeitet wurde, bietet die Ausstellung "Johanna und Josef Hegenbarth - Eine Liebe am Elbhang". Sie lässt die Besucher teilhaben am schwierigen Sich-Finden zweier nicht mehr ganz junger Menschen in einer Zeit, als man mehr als heute darauf zu achten hatte, "was die Leute sagen könnten", als es noch einen anderen Begriff davon gab, was "sich schickt". Reizende Briefe, wie sie Josef Hegenbarth an Johanna Aster schrieb, die im Nachbarhaus (wer unterzöge sich heute der Mühe, einer Angebeteten ins Nachbarhaus Briefe zu schicken?) wohnte, aber auch solche, wie er sie noch nach zwei Jahrzehnten Ehe an seine Frau schrieb, erzählen von einer sich zwar wandelnden, aber andauernden Liebe.

Die Ausstellung führt in fünf Abschnitten, ausgehend von der Familie Johanna Asters, vom ersten Verliebtsein - Amors Pfeile hatten Hegenbarth auf einem Kostümfest 1931 getroffen - über die junge Ehe, als Johanna begann, die ersten "geschäftlichen" Aufgaben zu erledigen, wenn Josef in Böhmisch-Kamnitz war, bis in die späten Jahre, als sie zur bei Kuratoren, Kunsthändlern und Museumsleuten anerkannten "Hegenbarth-Expertin" geworden war - eine Berufung, der sie sich auch nach Hegenbarths Tod mit voller Hingabe widmete - innerhalb der DDR und darüber hinaus, etwa in der Bundesrepublik, in Österreich und der Tschechoslowakei. Dass gerade bei den grenzüberschreitenden Aktivitäten manche DDR-spezifische Hürde zu nehmen war, kann man sich denken, zumal Hegenbarth eben nicht "nur" Mitglied der Deutschen Akademie der Künste, sondern der (West)Berliner Akademie der Künste und Bayerischen Akademie der Schönen Künste war und - nicht zuletzt wegen seiner Buchillustrationen - darüber hinaus bekannt und verehrt. Bemerkungen in Briefen lassen in dieser Hinsicht manches ahnen.

Was man in der Ausstellung nicht erfährt: Was Jahrzehnte zuvor das Fräulein Aster auf Hegenbarths Werbungen antwortete. Diese Briefe sind nicht mehr existent. Nur ein Entwurf, der darauf schließen lässt, dass die junge, selbstbewusste, zugleich durch Erfahrungen bezüglich einer Bindung skeptische Frau so viele Zweifel hatte, dass es fünf Jahre dauerte, bis 1936 schließlich geheiratet wurde.

Natürlich gibt es auch in dieser Ausstellung mehr als Erinnerungen in Briefen zu sehen. So werden die Phasen der Bindung der beiden begleitet durch Josef Hegenbarths Zeichnungen von Johanna sowie einigen fast etwas karikaturistischen Exkursen wie jenem, der beide "Auf der Bank unter der Akazie" zeigt, wo sie sich häufig trafen. Sichtbar werden bei den präsentierten Arbeiten die vielen Facetten, die Johanna Aster/Hegenbarth hatte: Manchmal wirkt sie ernst, ja fast verhärmt, dann wieder - mit Schleierhütchen, das Josef Hegenbarth geliebt haben muss - sehr elegant und etwas spitzbübisch; anderswo - in einem Maskenballkostüm - ganz wie eine Frau, die "die Hosen anhat" ("Mimi im Fasching"), was Hegenbarth aber meist wohl eher gut fand, wollte er doch in Ruhe arbeiten, reiste äußerst ungern, überließ dies Johanna. Er "reiste" in der Nähe - in Zoo und Zirkus, wohin sie ihn unzählige Male begleitete, worüber sie später auch einen Text schrieb. Zu den schönen, vor allem seiner Frau gewidmeten Arbeiten des Künstlers, darunter mehrere Aktzeichnungen, gesellen sich eine Reihe bisher nicht publizierter Fotografien, die den Weg dieser "Liebe am Elbhang" unterstreichen. Letzteres tun auch die vielen von Hegenbarth mit Inbrunst gesammelten und dann gepressten "Glücks-Kleeblätter".

Das Schöne ist, dass diese Ausstellung von einer zauberhaften kleinen Publikation (Sandstein Verlag) - sie soll der Beginn einer Reihe sein - begleitet wird. Verantwortlich für beides waren Daniela Günther und Claudia Schnitzer, Mitarbeiterin beziehungsweise Oberkonservatorin des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Bis 27. Oktober, Calberlastra§e 2, Sa/So 15 bis 18 Uhr, Do nur nach Voranmeldung unter 0351/49142111,

Katalog 12 Euro (Buchhandel 15 Euro),

Führungen durch die Wohn- und Atelierräume: jeder erster So im Monat 15 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2013

Lisa Werner-Art

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