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Eine Ausstellung im Schloss Pillnitz widmet sich zeitgenössischem Textildesign

Die Sprache des Textilen Eine Ausstellung im Schloss Pillnitz widmet sich zeitgenössischem Textildesign

38 Projekte von mehr als 20 Designern in sechs Themenkategorien zeigt das Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz in der Ausstellung „Textildesign. Vom Experiment zur Serie“: Tradition, Kulturtransfer, Farbe, Material, Nachhaltigkeit und smart textiles.

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Aus PET-Flaschen recycelter Stoff für Autositz-Stoffbezüge..

Quelle: Matthias Ritzmann

Dresden. 38 Projekte von mehr als 20 Designern in sechs Themenkategorien zeigt das Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz in der Ausstellung „Textildesign. Vom Experiment zur Serie“: Tradition, Kulturtransfer, Farbe, Material, Nachhaltigkeit und smart Textiles. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle konzipiert, liegt der Fokus auf Studien- und Diplomarbeiten von Absolventen des Studiengangs Textildesign der Kunsthochschule Halle. Nach einer ersten Präsentation in Halle und einer zweiten im Bauhaus-Archiv in Berlin wurde die aktuelle Ausstellung in Dresden um einige neuere Objekte bereichert.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Diese These des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick lässt sich ohne weiteres auf Gestaltung übertragen. Noch der banalste Gebrauchsgegenstand erzählt etwas über unseren Lebensstil, die mit ästhetischen Vorlieben einhergehenden Wünsche, Wertvorstellungen und sozialen Einbindungen. Jedes Material wirkt beim Gebrauch über die Sinne unmittelbar auf Körper und Befinden ein. Textilien tun das von der ersten Minute unserer Geburt an dauerhaft. Es lohnt sich also, auf dem Weg zur Selbsterkenntnis, die Beschaffenheit der Stoffe, die uns umhüllen und umgeben, sowie die in neuen Gestaltungsansätzen enthaltenen Visionen genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Schau in Pillnitz liefert dazu einen Einstieg, vorausgesetzt, man ist bereit, sich mit Hilfe des ausliegenden Begleitheftes über die Exponate zu informieren. Besser noch wäre es, das im Vorfeld der Ausstellung erschienene Buch zu lesen; denn nur so erschließt sich die Bedeutung der zwar oft schön anzusehenden, aber unvermittelt und bruchstückhaft nebeneinanderliegenden Stoffe, Gegenstände und Materialproben: Von einem hübsch blauen, aber ansonsten eher unscheinbaren Stoffbezug für einen Autositz erfährt man, dass er zu 34 Prozent aus recycelten PET–Flaschen besteht, das macht umgerechnet 53 Plastikflaschen pro Auto. Ein scheinbar aus Grobstrick gefertigtes Kleid entpuppt sich als ein im 3D–Druck hergestelltes Hightechprodukt des finnischen Designers Janne Kytannen. Und einige papieren anmutende, unterschiedlich bedruckte und gefärbte Arbeitsproben sind – wie man liest – keine Spielereien mit Pappmaché, sondern zeugen von ersten studentischen Versuchen, Fasern aus Kiefernnadeln oder Stroh für die Stoffproduktion zu nutzen.

„Zunächst wollten wir ein Buch machen“, bemerkt Bettina Göttke-Krogmann, Professorin im Fachbereich Textildesign der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle und Kuratorin der Ausstellung. Auf gut 230 Seiten informiert die Publikation über das vielfältige Potenzial des Textilen, die Entwicklungstendenzen und Technologien des 21. Jahrhunderts und über Versuche, Traditionen aufzugreifen und neu zu interpretieren. Grundlage dafür sind immer konkrete Projekte, deren Ergebnisse zum großen Teil in der Präsentation im Kunstgewerbemuseum Pillnitz zu sehen sind. Dazu erfährt der Leser einiges über die Wandlungen der Ausbildung im Fach Textil an der Kunsthochschule, die vor gut 100 Jahren mit einer „Fachklasse für kunstgewerbliche Frauenarbeiten“ begann und nun in einem Masterstudiengang für Textildesign mündet. In den mit neuester Technologie ausgestatteten Werkstätten soll frei experimentiert werden. Bei aller künstlerischen Freiheit ist die Lehre anwendungsorientiert – Ziel ist es, Stoffe für die Serienproduktion zu entwickeln.

Wie sehr Textildesign manchmal den Zeitgeist spiegeln kann, zeigt ein ebenfalls in der Ausstellung liegender, zum Ring verschließbarer Stoffschlauch, der unter dem Label „Tex-lock“ in den Medien bereits Kultstatus erreichte und Dank eines geglückten Crowdfundings nun in Serienproduktion geht. Der feuer- und schnittfeste Schlauch dient als Fahrradschloss und wurde von den von der Burg stammenden Leipziger Designerinnen Alexandra Baum und Suse Brand in Zusammenarbeit mit einem auf textile Kabel­ und Leitungsschutzprodukte spezialisierten Unternehmen entwickelt. Das Schloss wiegt wenig, ist schmiegsam und verblüffend robust und damit ein perfektes Äquivalent zum modernen Selbstbild des Stadtmenschen, zu dessen Idealen Leichtigkeit, Flexibilität und eine auf Intelligenz fußende Widerstandsfähigkeit gehören.

Bei einigen in klassischen Techniken und Materialien hergestellten Exponaten erschließt sich ihr Mehrwert auf den ersten Blick, weil eine mit vergleichsweise simplen Mitteln erzeugte raffinierte Ästhetik im Vordergrund steht: In einem Teppich, den die niederländische Designerin Hella Jongerius für die Firma Danskina entwickelte, sind die Kontrastfarben Magenta und Grün ganz einfach in Kette und Schuss miteinander verwebt. Während man von nahem die beiden miteinander verflochtenen Farben deutlich erkennen kann, vermischen sich diese bei größerem Abstand zu einer einfarbigen Fläche. Als humorvolles Detail laufen zwei Enden in grasgrünen Fransen aus. So ein Stück Stoff ist einfach nur schön.

Schloss Pillnitz, Wasserpalais, bis 5. November, geöffnet 10-18 Uhr (außer Mo)

Publikation: Textildesign – Vom Experiment zur Serie, Bettina Göttke-Krogmann (Hrsg.), University Press, Hochschulverlag der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, ISBN 978-3-86019-120-0 

Von Kirsten Jäschke

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