Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Schneeregen

Navigation:
Google+
Eine Ausstellung des Dresdner Malers Hans Christoph in der Kunstausstellung Kühl

Eine Ausstellung des Dresdner Malers Hans Christoph in der Kunstausstellung Kühl

Mit Hans Christoph stellt die Kunstausstellung Kühl einen Dresdner Künstler aus, dessen Lebenszeit das 20. Jahrhundert beinahe ausfüllte. Anfang September 1901 geboren, bekam er natürlich die Kunstentwicklung bis zum ersten Weltkrieg nicht bewusst mit.

Voriger Artikel
Christine Traber und Ingo Schulze erfinden "KunstGeschichten"
Nächster Artikel
Kulturschiff "Nike" legt erst im Mai in Dresden an

Hans Christoph: Komposition VIII C 72/74. 1972/74. Acryl auf Hartfaser. 76 x 100 cm

Quelle: Repro

Aber gleich nach dem Abitur 1921 begegnete er in der Kunsthandlung Richter dem Maler Carl Lohse und dessen Bildern. Von diesen restlos begeistert, befreundete er sich mit dem Älteren und malte zwei, drei Jahre Landschaften in dessen Stil. Die Brücke-Künstler, Franz Marc und Marc Chagall waren Idole. Und - zwar nicht ganz am Ende des Jahrhunderts im Sommer 1992 gestorben - er erlebte das Ende der für die Ostkunst nachhaltigeren Diktatur, aber nicht die Verwirrungen danach. Seine bildnerische Entwicklung war trotz aller Wandlungen kontinuierlich und von ideologischer Beeinflussung fast unberührt. Ganz anders die öffentliche Wirksamkeit seines Werkes: In zwölf Jahren Nazizeit hat sein Frühwerk das Atelier auf der Ostbahnstraße kaum verlassen, wo es dann auch fast vollständig verbrannte. Und nach der erneuten Verfinsterung ab 1948 konnte es sich bis weit in die siebziger Jahre hinein nur im Schutz des Ateliers entwickeln.

Nach dem Abitur macht Hans Christoph bis 1924 an der Dresdner Kunstgewerbeakademie eine Ausbildung zum Zeichenlehrer und Kunsterzieher. Hier begegnet er dem Lehrer Carl Rade und hört bei Paul Ferdinand Schmidt Kunstgeschichte. Zusammen mit seiner späteren Frau, der zwei Jahre älteren Kommilitonin Erna Lincke, macht er ausgedehnte Studienwanderungen an der Nord- und Ostsee. Gleichzeitig lernt er Hildebrand Gurlitt und Arnold Vieth von Golssenau, den späteren Ludwig Renn kennen, mit dem er lebenslang befreundet bleibt.

Engagement für Kunst bewahrt

1925 bis 1927 ist er Lehrer am Realgymnasium in Zittau, welche Tätigkeit er zugunsten seiner freien Malerei wieder aufgibt. Inzwischen hatte sich seine Malerei auch unter dem Einfluss von Otto Dix zu einer sozialkritischen Lasurtechnik gewandelt, die er bis 1929 betrieb. Der erste, der sein Potenzial als Maler wirklich erkannte, war der von der Avantgarde begeisterte Hildebrand Gurlitt, der 1928 in seinem Zwickauer Museum eine erste Einzelausstellung mit Werken von Hans Christoph veranstaltete. Zwei der wenigen erhaltenen Bilder aus dieser Zeit waren 2012 in der großen Ausstellung "Neue Sachlichkeit in Dresden" der Galerie Neue Meister zu sehen.

1929 wird Christoph Mitglied der "Dresdner Sezession - Gruppe 1919", wo er nähere Bekanntschaft mit Will Grohmann schließt. Fritz Löffler lernt er kennen, als er 1931 Schriftfüh-rer der "Neuen Dresdner Sezession" wird. Inzwischen wieder der Prima- Malerei zugewandt, wurde sein Stil nach 1933 stark abstrahierend bis rein abstrakt. Von 1941 bis 1945 ist Christoph Soldat. Die Gefangenschaft bleibt ihm erspart, so dass er noch im Mai 1945 nach Dresden zurückkehrt. Zusammen mit Erna Lincke findet er zunächst eine Wohnmöglichkeit auf der Wägnerstraße in Blasewitz, bevor sie später eine Atelierwohnung am Nürnberger Ei beziehen können. Beide haben sich ihr Engagement für Kunst bewahrt.

Auf Initiative von Hansheinrich Palitzsch wird am 11. November 1945 im "Grünen Haus" auf der August-Bebel-Straße in Strehlen die erste Kunstausstellung nach dem Krieg eröffnet. Neben Palitzsch, Christoph und Lincke sind Karl von Appen, Hermann Glöckner, Edmund Kesting, Gerda Müller-Kesting und Helmut Schmidt-Kirstein beteiligt. Sie bilden die Künstlergruppe "der ruf". Hier, in zwei folgenden kleineren Ausstellungen und besonders in der im August 1946 in der Nordhalle eröffneten "Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung Dresden 1946" konnte Hans Christoph einige der wenigen geretteten Arbeiten aus den dreißiger Jahren zeigen.

Keine Befriedigung an der Zwangsmalerei

Im Jahr 1946 malt Christoph eine Serie von Aquarellen, die sich am Duktus von Lyonel Feininger orientiert. Mit dem Aquarell "Mistelwerder II 1046 g" ist eines dieser Blätter hier bei Kühl erhalten. Doch schon 1947/48 verlässt er diesen Weg wieder und knüpft an seine in den dreißiger Jahren erreichten Ergebnisse an. Diese Ausstellung enthält zwei gerettete Vorkriegsbilder. Damit wird deutlich, wie sich die größere Gruppe von Arbeiten aus den Jahren 1947/48 daran anschließen. Freie kreisende Bewegungen werden mit starken Farben zum Zeichen gebannt. Das Zeichen kann auch das geliebte Dresden sein.

Eine zweite Ausstellung der Gruppe "der ruf", die Hans Christoph 1948 mit Beteiligung einer Gruppe von Künstlern aus dem Kreis der Berliner galerie gerd rosen organisierte, wurde von Dresdner Künstlern unter Führung von Eva Schulze-Knabe massiv bekämpft. Die Ausstellung konnte nur dank Wolfgang Balzer ohne Katalog gezeigt werden. Damit war die Gruppe "der ruf" Geschichte, und Christoph trat in die konkurrierende Gruppe "Das Ufer" ein.

1949 berief Mart Stam Christoph zum Dozenten an die Kunsthochschule, wo er sich unter anderem bemühte, "den Forderungen des sozialistischen Realismus gerecht zu werden". "Doch", wie Fritz Löffler es 1976 ausdrückte, "konnte er keine Befriedigung an dieser Art Zwangsmalerei finden." Als dann noch Formalismus-Vorwürfe aufkamen, verließ er 1955 die Hochschule wieder. Zu Beginn seiner Lehrtätigkeit war Helga Knobloch eine seiner Schülerinnen. Gemeinsam mit dieser übernahm Christoph seit 1952 zunehmend gebrauchsgraphische Gestaltungsarbeiten auf der Leipziger Messe.

Es ist auch an dieser Ausstellung bei Kühl ablesbar: Solange Hoffnung auf ein Publikum war, also bis 1948, entstanden Arbeiten in dichter Serie. Dann besonders in den fünfziger Jahren nur noch wenige sporadische Zeichnungen und Gouachen - man meint zum Teil Testläufe für neue formale Ideen zu sehen. Akte werden zu picassoid-vereinfachten Super-Zeichen und Hafen-Welten mit deren Spiegelungen zu Kontinua aus Masten und Schiffskörpern.

In völlig freiem Formenspiel

Die frühen sechziger Jahre beherrschen flächige Kompositionen mit seltenen zurückhaltend gegenständlichen Andeutungen, meist aber rein abstrakten Flächen in farbig ausgewogenem Gleichgewicht. Dann entdeckt er gegen Ende der Sechziger für sich die informelle Malweise, in der er fortan arbeitet. Es entstehen wieder zahlreiche Tafelbilder und noch mehr Blätter in Gouache, Acryl und Lack. In völlig freiem Formenspiel werden Gefühlsbewegungen, Erkenntnisse und Erlebtes in Farbe und Form eingefroren. Die Dripping-Technik des abstrakten Expressionismus ermöglicht ihm zahllose Bildfindungen immer eigenen Gesichts und individueller Ausstrahlung.

Im Juni und Juli 1976 stellte die Kunstausstellung Kühl nach nahezu drei Jahrzehnten wieder einen breiten Überblick des Werkes von Hans Christoph der Öffentlichkeit vor. Zu seinem 75. Geburtstag werden fast ausschließ- lich gegenstandslose Arbeiten gezeigt. Zur Eröffnung sprach Fritz Löffler. In den folgenden fünfzehn Jahren gab es einige kleinere Ausstellungen bei Kunst der Zeit, Galerie Comenius, Wort und Werk in Leipzig und ähnlichem, aber Hans Christoph musste neunzig Jahre alt werden, um eine zweite Museumsausstellung zu realisieren. Nach-dem am Vorabend seines 90. Geburts-tages die galerie am blauen wunder ihre Räume am Körnerplatz mit seinen Werken einweihte, konnte am Tag nach diesem Geburtstag Reinhild Tetzlaff in den Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus seine Zweite Museumsausstellung seit 1928 eröffnen. Das war 1991 ...

Am Ende seines 91. Lebensjahres starb Hans Christoph, seitdem hält die Gefährtin des Alters und Betreuerin seines Nachlasses Helga Knobloch sein Andenken wach. Im Jahr seines 100. Geburtstages 2001 zeigte das Stadtmuseum Dresden eine Retrospektive seines Werkes.

Die Ausstellung in der Kunstausstellung Kühl auf der Nordstraße 5 ist bis zum 28. Februar Di bis Do 11 bis 18, Fr 11 bis 19 und Sa 10 bis 14 Uhr zu besichtigen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.02.2015

Gunter Ziller

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr