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Ein seltenes Tondokument - In Dresden eingespielte Bach-Sonaten Herbert Collums

Ein seltenes Tondokument - In Dresden eingespielte Bach-Sonaten Herbert Collums

Herbert Collum (1914-1982) gehörte zu den weithin bekannten Organisten und Cembalisten. Bereits 1935 hatte er das wichtige Amt des Dresdner Kreuzorganisten übernommen, nach dem Krieg bestimmte er entscheidend den Bau der neuen Jehmlich-Orgel mit und beeinflusste für Jahrzehnte durch sein Bach-Spiel eine ganze Generation von Musikliebhabern.

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Merkwürdig ist, dass nur wenige Schall- plattenproduktionen oder als CD wiederveröffentlichte Aufnahmen Collums um- fangreiche Tätigkeit bezeugen.

Neben der Orgel befasste sich der Organist intensiv mit dem Pedalcembalo, das mit zu den von Johann Sebastian Bach bevorzugten Instrumenten gehört hatte. Wenngleich die frühen Nachbauten der 1930er Jahre - Collum besaß ein Instrument der Münchner Werkstatt Maendler-Schramm - nur dem Prinzip nach den historischen Vorbildern verwandt waren, erlaubten diese großen, aus einem zweimanualigen Cembalo auf 16'-Basis und einem Pedalinstrument mit moderner Pedalklaviatur bestehenden Instrumente das Spiel jener Stücke, die Bach lediglich mit "à 2 Clav. e Pedal" bezeichnet hat. Eine genaue Zuordnung zu Orgel oder Pedalcembalo war dem Komponisten nicht wichtig.

Aus dem Deutschen Rundfunkarchiv stammt die für den Rundfunk der DDR entstandene Aufnahme von vier der sechs Triosonaten Bachs (Es-Dur BWV 525; d-Moll BWV 527; e-Moll BWV 528; C-Dur BWV 529), die Herbert Collum ab 1960 auf seinem Pedalcembalo im Studio Dresden eingespielt hat. Der Dresdner Klavierbauer Gert Gäbler veröffentlicht sie auf CD kurz vor Collums 30. Todestag als Werkstattedition von "Piano Gäbler", nachdem die historische Mono-Aufnahme sorgfältig überspielt wurde. Mit diesem Tondokument wird nicht nur eine vergessene Facette von Collums Konzerttätigkeit neu erlebbar. Die Aufnahme ist auch ein rares Dokument der Bach-Interpretationen jener Musikergeneration, die noch unmittelbar mit der romantischen Orgelschule aufwuchs.

Collum verwendet breite Tempi und entspricht im Verzicht auf gestaltende Aspekte im Spiel ganz den Dogmen der Bach-Renaissance des frühen 20. Jahrhunderts: Expressive Artikulation oder Tempobewegungen, die Suche nach einem emotionalen Gehalt der Musik werden dabei ausgeklammert. Dafür fokussiert Collum seinen Vortrag streng auf die Struktur der Stücke und verdeutlicht sie in neobarocker Klanggestalt. Texte zur Instrumentengeschichte von Gert Gäbler und Cembalobauer Wolf Dieter Neupert sowie von Organist Christian Collum zum Leben seines Vaters ergänzen die Aufnahme.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2012

HS

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Von Redakteur Heike Schmidt

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