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Ein packendes Stück über Drogen, Sex und Sehnsüchte im Dresdner Labortheater

Die Unschuld im Rausch Ein packendes Stück über Drogen, Sex und Sehnsüchte im Dresdner Labortheater

Straßenkinder, abgefucktes Gesicht, eine ranzige Großstadtgasse – das Leben der Außenseiter hat viele Facetten. So wie das Mädchen im pinken Kleid, das verträumt Kreidequader auf den Bürgersteig malt.

Die dunkle Bühne des Labortheaters als Spielfeld für „Flucht zu Pferd bis ans Ende der Stadt“, nach dem gleichnamigen Roman von Bernard Marie Koltes.
 

Quelle: PR

Dresden.  Straßenkinder, abgefucktes Gesicht, eine ranzige Großstadtgasse – das Leben der Außenseiter hat viele Facetten. So wie das Mädchen im pinken Kleid, das verträumt Kreidequader auf den Bürgersteig malt und im nächsten Moment nach einer Zigarette fragt, an der sie sich wärmen kann. Szenen wie diese reihen sich im neuen Stück der Dresdner Frei-Spieler wie an einem roten Faden aneinander. In „Flucht zu Pferd bis ans Ende der Stadt“ hat die freie Schauspielgruppe aus Studenten verschiedener Dresdner Hochschulen erneut zwei nachdenkliche Vorlagen zu einem elektrisierenden Theaterstück verwoben.

Jugendliche Antihelden

Die Figuren sind alle samt jugendliche Antihelden, entlehnt aus dem titelgebenden Roman des französischen Autors Bernard Marie Koltes. Im Jahr 1976 skizzierte er in diesem Werk milieuartig die Nachwehen des „War of Drugs“ in den Vereinigten Staaten. Ohne anzuklagen. In der Regie von Christiane Guhr entstand nun ein Bühnenstück, das der Romanhandlung auch Motive aus dem Film „My private Idaho“ von Gus van Sant untermischt, der 15 Jahre später die Thematik erneut aufgriff.

So erzählt das Stück von Begegnungen in der Kälte, von jungen Menschen, die sich leidenschaftlich der Eifersucht, ihren Träumen, aber auch dem Drogenrausch hingeben. In Zusammenarbeit mit den Studenten der Hochschule für Bildende Künste, die für Kostüm (Lena Baumann), Bühne und Maske ((Anne-Kathrin Hartmann, Lieselotte Reuthe) verantwortlich zeichnen, ist daraus ein bewegender Theaterabend geworden, der die Bedrückung aus den dunklen Ecken der Großstadt einfängt, ohne allzu schwer zu wirken.

Intime Kulisse

Lisa Rüger und Sebastian Schrader haben dazu im Labortheater eine intime Kulisse kreiert, mit einem Podest, drei raffiniert gestalteten Mauerstelen (Theatermaler: Viktoria Habel, Vera Lötsch, Antonia Pfitzner und Theresa Schulz) und einer Bar. Ein Raum, in dem die Protagonisten ins Taumeln geraten, tanzen, streiten, hassen, lieben und doch nie am Ziel ihrer Träume anzukommen scheinen.

Im Zentrum: die schöne Baba

Lena Damm, Sophia Haller, Klaus Fischer, Tom Geigenmüller, Marcus Möller und Gabriel Schweinert agieren hier als packendes Ensemble. Hin- und hergeworfen zwischen Träumen und Realität zeigen sie verschiedene Charaktere auf der Suche nach sich selbst. Mit Mikro und im Schwarzlicht rezitieren sie auch Originalstellen aus dem Buch. Es wirkt, als wollten sie ihr Spiel damit unterstreichen, aber nie zu dick. Denn die kleinen Lese-Intermezzi lockern das Ganze eher auf als es zu beschweren.

Die düstere Atmosphäre wird außerdem immer wieder durch die untergelegte Musik von Arystan Petzold verfeinert. Und die darstellerische Leistung trägt, die jungen Laien servieren in dieser Inszenierung ein intensives eineinhalbstündiges Theatererlebnis ohne Längen. Schnell führt der Dramaturg Josef Zschornack die Fäden der Handlung, die Figurengeschichten, zu einer zusammen. Im Zentrum steht dabei immer die schöne, blonde Baba, der alle Kerle nachlaufen und die von Lena Damm so lebendig gestaltet wird, dass man im Publikum auch sofort ahnt, warum das so ist.

Höllentore statt Idyll

Baba will ein Haus, sie träumt von Idyllen, öffnet aber nur ein Höllentor nach dem anderen – und sie tanzt. Doch von Tanz zu Tanz wird der Rausch, in den sie sich begibt, größer. Ein Rausch, dem sich am Ende der Zuschauer nur schwer entziehen kann. Einmal in die Geschichten eingetaucht, würde man gern noch weiter schauen, weiter lesen. Man möchte tiefer einsteigen, in diese Milieustudie, die die Sehnsüchte junger Leute im Wechselspiel von Eifersucht, Drogenrausch und Sex beleuchtet – und die Protagonisten dabei doch als Unschuldige zeigt. Immer auf der Suche nach dem Glück, doch stets am Abgrund.

„Flucht zu Pferd bis ans Ende der Stadt“, Frei-Spieler Dresden,

nächste Aufführungen: 18.1., 19.1., 25.1., 26.1., 27.1., jeweils 20 Uhr im Projekttheater Dresden

www.projekttheater.de

Von Nicole Czerwinka

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