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Ein Zentrum der freien Szene: Das einstige Wigman-Haus in Dresden soll den Künsten erhalten bleiben

Ein Zentrum der freien Szene: Das einstige Wigman-Haus in Dresden soll den Künsten erhalten bleiben

"Diese, meine Schule gibt es von heute an nicht mehr", schreibt Mary Wigman am 2. April 1942 in ihr Tagebuch und resümiert: "Ich habe sie 1920 gegründet. 22 lange Jahre: Liebe, Mühe, Sorge, auch Freude - Anfang - Aufbau - Ausbau - gute Zeiten, schlechte Zeiten.

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Ein aktueller Blick auf die ehemalige Wigman-Schule auf der Bautzner Straße in Dresden.

Quelle: Gabriele Gorgas

Nun verschwindet nicht nur der Name an diesem Haus, auch der Geist geht fort. Wie mag diese Stätte in einem Jahr aussehen?" Am 23. Februar 1945 spricht sie von den Folgen des Bombardements: "Ich will einen stillen Grabgesang anstimmen. Er gilt dem "gelben Saal", der nun nicht mehr ist. 20 Brandbomben waren sein Tod. So viel habe ich hineingetanzt, hineingeträumt, hineingelebt in "meinen" gelben Saal. Nun stehen nur noch ein paar rauchgeschwärzte Mauern."

Dieses Haus aber, das Berthe Trümpy 1920 auf der damaligen Schillerstraße 17 (später Bautzner Straße 107) kurzentschlossen als Bleibe in Dresden erwarb und welches Mary Wigman sowohl als Wohnstätte wie auch als Schule mit ständig steigenden Schülerzahlen diente, sollte nicht so einfach untergehen. Dank seiner Lage abseits vom Zentrum war es weniger als andere Bauten betroffen und bot auch weiter Raum für die Künste. Hier setzten zunächst die jungen Musiker des Konservatoriums ihre Ausbildung fort und die Tänzerin Dore Hoyer unterrichtete an diesem Ort. Was Mary Wigman übrigens zu bissigen Bemerkungen veranlasste.

Der Tanzhistoriker Ralf Stabel sprach von der einstigen Wigman-Schule als einem künstlerisch-pädagogischen Zentrum des freien Tanzes. Das ist dieses Haus mit seiner wechselvollen Ge- schichte und Nutzung immer wieder gewesen. Vielleicht nicht im heutigen Sinne und wohl auch weniger pädagogisch wie künstlerisch. Dennoch aber mit einer gewissen Freiheit des Geistes - und das wissen noch all jene zu schätzen, die in der "kleinen szene" der Sächsischen Staatsoper unterschiedlichste Produktionen und auch freie szenische Arbeiten erlebten, die sich eingeprägt haben.

Dieses Haus - weltweit als einstige Wigman-Schule bekannt - ist eine kleine, feine Stätte, die dem Tanz und anderen Künsten nicht verloren gehen darf. Noch wird das Haus von der Staatsoper für Proben genutzt. Aber mit dem geplanten und auch notwendigen gemeinsamen neuen Bauprojekt für Oper und Schauspiel geht es der "kleinen szene" in absehbarer Zeit an den Kragen. Dann ist sie "abgeschrieben", "abgewirtschaftet", kann entsorgt werden. Und in Bälde gibt es dann auch die kulturhistorisch relevante Wigman-Schule nicht mehr, zumindest nicht zwingend als kulturell genutzte Stätte.

Damit solches nicht passieren kann, das Wigman-Haus mit seinen Möglichkeiten besonders von der freien Tanz- und Theaterszene für Proben, Projekte oder Aufführungen zu nutzen ist und somit auch im kulturellen öffentlichen Bewusstsein bleibt, dafür haben sich seit 2013 Tanz- und Theaterschaffende wie auch Grüne-Politiker und Kulturmanager zu einer Initiative zusammengefunden, die ebenso von TanzNetzDresden, OFF-Dresden und dem Projekttheater unterstützt wird. Bei einem Pressegespräch informierten die Beteiligten darüber, dass besagtes Gebäude, Eigentum des Freistaates Sachsen sowie verwaltet durch den Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB), nach Aussagen des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie des SIB in ca. zwei Jahren "leergezogen" wird.

Diesen Zeitraum, so Grünen-Stadtrat Torsten Schulze, müsse man dringend nutzen, um rechtzeitig mit konkreten Vorstellungen und Konzepten aufwar- ten zu können. Karl-Heinz Gerstenberg, kulturpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen, bemerkte, dass die seit fünf Jahren für das Publikum nicht mehr zugängliche "kleine szene" immer noch bekannt und mit besonderen Aufführungen im Gedächtnis der Dresdner Theaterbesucher geblieben ist. Aber es sei wichtig, nicht nur Konzepte für die künftige Nutzung zu machen, sondern überhaupt das Interesse für diesen so besonderen Ort zu wecken. Wie es auch erforderlich sei, die freie Theater- und Tanzszene auf Landesebene mehr zu unterstützen. Im Ländervergleich käme der Freistaat Sachsen dabei nicht besonders gut weg. Auch vor diesem Hintergrund, meinte er, ist es notwendig und richtig, ein solches Haus für Produktionen, für Veranstaltungen, mit seiner Geschichte und seinen praktischen Möglichkeiten für die freie Szene zu sichern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.05.2014

Gabriele Gorgas

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