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Ein Weltbürger am Notenpult - Vocal Concert Dresden würdigt Hans Leo Haßler zum 400. Todestag

Ein Weltbürger am Notenpult - Vocal Concert Dresden würdigt Hans Leo Haßler zum 400. Todestag

Die Wirkungszeit, die ihm seine schlechte Gesundheit am Dresdner Hof beschied, war zu kurz, als dass sich der Name nachhaltig im Dresdner Geschichtsgedächtnis festzusetzen vermochte: Hans Leo Haßler - geboren 1564 in Nürnberg - verdient nicht weniger das Attribut eines Komponisten von europäischer Bedeutung, als sein hier weitaus bekannterer Kollege Heinrich Schütz.

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Hans Leo Haßler

Die Kapelle des Dresdner Residenzschlosses, an deren Rekonstruktion noch einige Jahre gearbeitet werden wird, und auch die Fritzsche-Orgel, deren geplanter Nachbau der Schlosskapelle eines der fantasievollsten und bedeutendsten Instrumente seiner Epoche wiedergeben soll, bringt man heute überwiegend mit Schütz in Verbindung. Dabei wird meist übersehen, dass nicht nur die Orgel ihren Ursprung in der Zusammenarbeit des damaligen Hoforganisten Haßler mit dem Hoforgelbaumeister Fritzsche hatte, sondern auch wesentliche Anregungen für die zeitgenössisch von Italien beeinflusste Musik durch Hans Leo Haßler an den Dresdner Hof kamen.

In Nürnberg wurde Haßler in ein kraftvoll fortschrittliches Umfeld von internationaler Ausstrahlung hineingeboren: Die Stadt war ein Zentrum der Handwerkskünste und des Musikinstrumentenbaues, Knoten verschiedener Handelsstraßen und eine Hochburg des lutherischen Glaubens wie des Humanismus. Der musikalisch begabte Knabe erhielt seine erste Ausbildung bei Leonhard Lechner und kam wohl gleichfalls in seiner Heimatstadt schon in Jugendjahren mit der modernen italienischen Musik in Berührung. Als außergewöhnlich fähiger Organist hatte Haßler bereits Bekanntheit erlangt, als er im Alter von 20 Jahren nach Venedig ging, um an San Marco bei Andrea Gabrieli zu studieren. Damit erhielt Haßler als einer der ersten deutschen Musiker Gelegenheit, die Musik Italiens aus erster Hand kennen zu lernen.

Zurückgekehrt, begann er für die Augsburger Familie Fugger zu arbeiten, was für die noch existierende Toleranz zwischen den Konfessionen spricht, denn die Fuggers waren katholisch. Nicht nur als Komponist und Orgelspieler machte sich Haßler europaweit - Kaiser Rudolph II. wurde auf ihn aufmerksam - einen Namen. Er betätigte sich auch als Kaufmann, Unternehmer und Mechaniker, woraus zu ersehen ist, dass sich seine Ausbildung kaum auf die Musik beschränkt haben kann. Haßler beteiligte sich an Bergwerken, fertigte auch beim Kaiser begehrte mechanische Musikwerke und vertrieb seine Kompositionen in aufwendig gedruckten Ausgaben. Als er später Musikdirektor von Nürnberg geworden war, waren seine Kontakte selbst in höchste Kreise von so freundschaftlicher Art, dass er es sich erlauben durfte, den Kaiser ganz privat zu seiner Hochzeit einzuladen.

Auch Sachsens kunstsinniger Kurfürst Christian II. war an einem von Haßlers Spielwerken interessiert, weswegen der weltläufige Musiker im Frühjahr 1608 nach Dresden reiste. Doch noch mehr müssen Haßlers Orgelkünste überzeugt haben, denn nur wenige Monate später erhielt er für das außerordentlich hohe Jahresgehalt von 1000 Gulden die Anstellung als Organist am Dresdner Hof. Zugleich war er als Verwalter des Instrumentariums der Hofkapelle und ihres Notenfundus tätig. Da Haßler bis dahin als Orgelkomponist viel weniger in Erscheinung getreten war, als mit seinen weit verbreiteten Vokal- und Instrumentalwerken oder als Musikdirektor in Augsburg und Nürnberg, verwundert es, dass der Kurfürst ihm nicht den Posten des Hofkapellmeisters antrug. Peter Kopp, der am Sonntag das Gedenkkonzert von Vocal Concert Dresden und Cappella Sagittariana zum 400. Todestag Hans Leo Haßlers dirigieren wird, vermutet, dass dies aus persönlicher Rücksicht auf den verdienstvollen, greisen Hofkapellmeister Rogier Michael geschehen sein könnte, der das Amt seit 1587 bekleidete. Daran änderte auch der Regierungswechsel von 1611 nichts, durch den Johann Georg I. sächsischer Kurfürst wurde.

Im folgenden Jahr begann Haßler schließlich gemeinsam mit Gottfried Fritzsche, eine neue Orgel für die Dresdner Schlosskapelle zu planen, deren Vollendung er nicht mehr erleben sollte. Im Sommer reist er mit dem Kurfürsten zu den Feierlichkeiten anlässlich der Wahl des ungarischen und böhmischen Königs Matthias zum deutschen Kaiser nach Frankfurt am Main. Gesundheitlich offenbar schon länger durch die "Schwindsucht" schwer angeschlagen, starb Hans Leo Haßler am 8. Juni 1612 in Frankfurt. Mit ihm verlor Dresden einen Musiker, der als ein Weltbürger seiner Zeit gelten darf und mit seinen zahlreichen Interessen und Fähigkeiten geradezu ideal ein humanistisch gebildetes, protestantisches Künstlertum verkörperte, wie es die Jahrzehnte vor dem Dreißigjährigen Krieg hervorgebracht hatten.

Die Bedeutung Haßlers für seine letzte Wirkungsstätte im Jubiläumsjahr in Erinnerung zu rufen, haben sich der Dresdner Hofmusik e.V. und die beiden Ensembles für das Konzert in der Loschwitzer Kirche mit einem interessanten Programm innerhalb der Reihe "Konzerte in der Schlosskapelle" vorgenommen. Eine Auswahl aus seinen Vokal-, Instrumental- und Orgelkompositionen wird das vielgestaltige Werk in allen Facetten präsentieren.

Sonntag, 19.30 Uhr, Loschwitzer Kirche: Haßler in Dresden - eine Auswahl seines Werkes zum 400. Todestag, Vocal Concert Dresden / Cappella Sagittariana Dresden, Leitung: Peter Kopp

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.03.2012

Hartmut Schütz

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