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19:16 13.05.2018
Die English Baroque Soloists unter Dirigent Sir John Eliot Gardiner und mit dem Monteverdi Choir bei den Dresdner Musikfestspielen in der Frauenkirche in Dresden. Quelle: Oliver Killig
Dresden

Gleich vier Kantaten Johann Sebastian Bachs hatte Sir John Eliot Gardiner am zweiten Tag der Dresdner Musikfestspiele mitgebracht. Mit seinem Monteverdi Choir und den English Barock Soloists ist er derzeit mit einem Projekt „Kantaten-Ring“ in ganz Europa unterwegs. Ein Segment dieses Ringes (BWV 70, 12, 78 und 140) gab es am Freitagabend in der Frauenkirche zu erleben.

Gardiner zeigte sich dabei als detailversessener Dirigent, der jeder Zeile und jeder Begleitstimme Beachtung schenkt, jede Phrase ausformuliert und jede Wendung mit Bedacht setzt. So saßen bzw. standen Chor und Orchester im akustisch glücklicheren Zentrum des Kirchenschiffes, die Solisten nahmen je nach Stück und Szene eine entsprechende Position ein. Oboe und Trompete konnten die prächtigen Eingangschöre an den Außenseiten flankieren oder als Echo von hinten die Arien oder Choräle begleiten. Auf diese Weise ergaben sich sinnige Momente wie in der Arie „Sei getreu, alle Pein“ der Kantate „Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ (BWV 12), zu der die Trompete kommentierend den Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ aufnimmt. Doch schon die Sinfoniettas und Eingangschöre wären mit ihrer Fülle an Pracht und Farbenreichtum ein Konzerterlebnis für sich gewesen!

Das effektvolle Ausleuchten der Zeilen, die Fülle der Affekte wirkte allerdings ein wenig akademisch und bewusst gesetzt, manchmal hätte man sich etwas mehr Freiheit gewünscht.

Der Monteverdi Choir hat viele Solisten in seinen Reihen, die für die Arien und dramatisch gestalteten Rezitative jeweils hervortraten. Bassbariton Matthew Brook fiel besonders durch Gestaltungskraft auf, Ruairi Brown (Tenor) wiederum beeindruckte mit Melodiösität schon in den Rezitativen. Übertroffen wurden beide von Reginald Mobley (Countertenor / Alt-Partien), der mit Himmelsklang ebenso wie mit klarer Diktion überzeugte – wahrhaft schwebend und leicht gelangen ihm die Arien. Berückend, wie sich diese Stimme mühelos über das Orchester erhob! Ähnlich beeindruckend war Sopranistin Mary Bevan, die ihre Partien allerdings schon fast opernhaft gestaltete.

Für jede der Kantaten standen individuelle Solisten zur Verfügung, was zur szenischen Betonung mancher Passagen beitrug. Dies gelang nicht zuletzt dann gewinnend, wenn Instrumentalsolisten die Sänger schlank, aber berührend begleiteten (vor allem die Bläser beeindruckten bis zum Fagott!) – selbst der Basso continuo war von ansteckender Vitalität.

Zu den gestalterischen Mitteln, die Gardiner nutzte, um die Musik auf den Text zu fokussieren, gehörten die dynamischen Wechsel in Tempi und Lautstärke. Immerhin berichten die Kantaten von Verzagtheit, jüngstem Gericht, Hoffnung und Erwachen – Bach hatte also ganz sicher auf mache Wendung und Aha-Momente abgezielt, wie in Kantate 140 („Wachet auf, ruft und die Stimme“), deren Erwachen bereits vom Eingangschor mit eindrucksvollen Aufwärtsspiralen herbeigesungen wird. Solche Momente stellten sich bei den Zuhörern gleich vielfach ein.

Von Wolfram Quellmalz

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