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Ein Schrei nach Zukunft - 21. Tanzwoche Dresden beendet

Ein Schrei nach Zukunft - 21. Tanzwoche Dresden beendet

So eine Tanzwoche mit reichlich vielen Vorstellungen ganz unbeschadet an Geist und Körper zu überstehen, ist nahezu unmöglich. Weil sich die Menge der Eindrücke kaum mehr sortieren lässt, es schwierig ist, zwischen diesen so unterschiedlichen Aufführungen eine bilanzierende Balance zu finden - in Anspruch, Verwirklichung, Pro, Kontra, Qualität, Professionalität.

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"Stomping La Luna" der Choreografin Irina Pauls mit dem "Collectif", der Performancegruppe am Carl-Orff-Institut Mozarteum Salzburg.

Quelle: PR

Manche Aufführungen wirken da in den veränderten Kulturräumen zumindest recht merkwürdig, aber sie sind ernst zu nehmen - man spürt das Authentische, das persönlich Gewichtige des Erzählten.

Dazu gehören zum Beispiel die Gastspiele vom Trans-Teatr aus Russland mit "Full Moon Garden" - ein "märchenhaftes Stück über den Geist der Natur" oder aus Los Angeles Hae Kyung Lee & Company mit "Transformacion" im Projekttheater. Selbst, wenn einem die Art und Weise der Aufführung nicht unbedingt zusagt, darüber nachdenken lässt es sich schon. Andererseits kann das für Zufallsbesucher auch ein eher abschreckendes Erleben sein. Was sich bei manchen Beiträgen zu den vier Abenden mit "Kurz und gut" durchaus ebenso vermuten lässt. Da war einiges so gehäkelt und gestrickt, dass sich auch nicht mal mehr das Nachdenken darüber lohnt. Und das Publikum ist im Auswahlverfahren (mit einigen gut besuchten Ausnahmen) mehr spärlich erschienen.

Ziemlich kontroverse Diskussionen hat die Performance "More, More, More... Future" von und mit Faustin Linyekula provoziert. Mit Tänzern, Musikern, Sängern aus der Demokratischen Republik Kongo begann das "szenische Konzert" im Großen Saal vom Festspielhaus Hellerau zunächst reichlich irritierend, ist aber schließlich immer intensiver geworden. Und hat Neugier geweckt, beeindruckte mit eindringlichen Texten, bemerkenswerten Künstlern und Ideen. Wie beispielsweise diese großartige Palaverszene - etwas für Afrika Naheliegendes, für Europa eher Ungewöhnliches. Mit dem politisch-brisanten Gastspiel ist auch der Auftakt gegeben zu "Dance Dialogues Afrika 2012 - 2014", an dem Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden maßgeblich beteiligt ist.

Was die Tanzwoche Dresden in ihrer Eigenart immer wieder auszeichnet, ist eine auffällige Treue zu Ensembles und Choreografen, die stets aufs Neue eingeladen werden. Daraus ergibt sich quasi auch ein Nachfolgeinteresse, ein Gespür für Entwicklungen, und solches ist für Veranstalter, Publikum wie Gastierende gleichermaßen wichtig. Den beiden Aufführungen von Jo Strømgren & Company aus Norwegen in der Scheune mangelte es in keiner Weise an Zuschauern, und ihre Idee, die Welt philosophierend an Ping Pong und dem Meister zu messen, trägt erkennbar gute Früchte.

Zur diesjährigen Tanzwoche haben sich auch wieder gern gesehene, mit skurrilem Humor aufwartende Gäste aus Prag eingefunden. Und im Societaetstheater hat das Cynthia Gonzales Dance Theater mit Johnny Gonzales die neue Produktion "Charged" vorgestellt. Künstler, die längst in Dresden ihre Fanschar haben, doch in diesem Jahr hat es trotz (meist) zweifacher Aufführungen diverse Überschneidungen gegeben, und die Fähigkeit, an zwei Orten gleichzeitig zu sein, ist speziell interessierten Theaterbesuchern wohl nach wie vor nicht gegeben. Dennoch haben genügend Zuschauer zum Beispiel den Weg zum Tanztheaterprojekt von Irina Pauls im Kleinen Haus gewählt, eine Produktion im Rahmen der Städtepartnerschaft Dresden-Salzburg. Und der einmaligen Aufführung von "Stomping La Luna" mit der Performance-Gruppe "Das Collectif" vom Carl-Orff-Institut der Universität Mozarteum hat es auch gewiss nicht an Ideen und Möglichkeiten gemangelt. Dennoch scheint das keine Vorstellung zu sein, die so einfach und unkommentiert in die Tanzwoche eingebunden werden kann. Es sei denn, ein Ensemble mit durchweg professionellen Tänzern würde sich rhythmischer, gestalterischer Mittel bedienen, um diese Geschichte nach "Der Mond" von Orff zu erzählen. So aber übernehmen die Salzburger die eher undankbare Aufgabe, das Ganze als eine Art Rhythmikproduktion à la Orff in der Lesart von Irina Pauls aufzuführen, und das gelingt nur schwerlich vor einem Publikum, das ein Tanztheaterprojekt erwartet. Solcherart Verständigungsschwierigkeiten und Momente der Verunsicherung gab es 2012 einige, aber das ist auch kein Wunder, wenn die Mini-Mannschaft des Veranstalters alles organisieren muss, mit ständigen Finanzierungsproblemen kämpft und für inhaltliche Fragen wenig Zeit bleibt. Die freie Tanzszene, die Tanzwoche in Dresden ist für die Stadt, den Freistaat kein notwendiges Übel, das sich mit milden Gaben abspeisen lässt. Es ist eine Chance und auch ein Schrei nach Zukunft.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2012

G. Gorgas

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