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10:12 27.02.2018
Musikproduzent Tim Wauer aka Sublab – mal ganz ohne Studio.  Quelle: Junes Semmoudi
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Dresden

 In dem 16 Quadratmeter großen Zimmer steht allerlei herum: Eine Kaffeemaschine, eine Mikrowelle, ein altes Sofa, ein Drucker. Sogar Tims Fahrrad steht an der Wand des Studioraums. „Das Bike unten anzuschließen, ist mir zu heikel“, verrät der junge Dresdner, auf den Computerbildschirm starrend. Unter dem Pseudonym „Sublab“ stellt Tim Wauer seit einigen Jahren seine Musik ins Netz. Das Video zu seinem Song „Last Time I Saw U“ wurde auf YouTube mittlerweile fast zwei Millionen Mal angeklickt.

Der Rohentwurf dauert eine Stunde

Sphärisch schwebende Pads, komplexe und doch verträumte Drumbeats, bearbeitete Gesangsfetzen sowie einprägsame Melodien – das ist wohl das Erfolgsrezept des Musikproduzenten. Sublab bedient die eher unbekannten Genres Chillout und Future Garage. Seine Songs klingen fremd und mystisch, mitunter progressiv und futuristisch. Ideen entwickelt Tim unterbewusst, je nach Gefühlslage: „Ich bin traurig, also schreibe ich eine traurige Melodie – selten läuft es nach diesem Muster ab, denn so einfach ist das nicht. Die Melodie kommt vielmehr von selbst, aus der Stimmung heraus.“

Das musikalische Rohentwurf steht meistens nach einer Stunde, die Ausarbeitung dauert wesentlich länger. Zwischen zehn und 30 Stunden sitzt Tim an einem Projekt. „Die Kunst ist, die Musik so zu gestalten, dass die Spannung erhalten bleibt und niemals Langweile aufkommt“, erklärt Tim. „Eigentlich bin ich schon perfektionistisch veranlagt, aber man kann doch immer noch etwas verbessern oder ausfeilen. Man muss sich eben auch zufrieden geben und sagen können: Das reicht jetzt, das ist gut genug.“

Musikproduzent Tim Wauer in seinem Studio. Quelle: Junes Semmoudi

Mit sieben Jahren nahm Tim erstmals Klavierunterricht, später versuchte er sich am Schlagzeug. Mit zwölf Jahren begann Tim, Musik zu produzieren. „Ich habe mich schon immer für Computer und Synthesizer interessiert“, erzählt er. Zunehmend traute sich der Künstler an komplexere Programme heran. Derzeit nutzt der 22-Jährige eine Musiksoftware des Berliner Unternehmens Ableton.

Ein Bürojob für Musiker

Nur von der Musik zu leben ist nicht einfach. Seine Eltern rieten Tim deswegen, er solle doch erst einmal seine Mechatronikerausbildung beenden. „2016 habe ich die Lehre abgeschlossen, mich dann aber der Musik gewidmet und mich selbstständig gemacht“, erzählt Tim. Sein Produktionsstudio hat er sich im fünften Stock des ABB-Hochhauses an der Könneritzstraße eingerichtet. Von 9 bis 18 Uhr er sitzt am Computer und produziert – quasi ein Bürojob, den er mit vielen Musikern teilt, die sich die günstigen Räume auf der Etage angemietet haben. Regelmäßig finden auch Feiern und Produzententreffen in den Räumlichkeiten statt. Der baufällige DDR-Bau soll jedoch abgerissen werden. „Die Kündigung ist für den 30. Juni datiert“, erklärt Tim. „Wir sind dran, eine neue Unterbringung zu finden. Ich bin da recht zuversichtlich.“

In Dresdner Clubs wie dem TBA oder dem Puschkin legt Sublab regelmäßig auf, dann aber schnellere und tanzbare Musik. „In Clubs würde ich es mit meinen Songs ziemlich schwer haben. Die Musik ist nämlich weniger zum Abgehen geeignet, sondern vielmehr um sich treiben lassen. So etwas gibt es einfach noch nicht in der Partyszene.“

Dafür brennen und dranbleiben

Trotz der Auftritte und Videoklicks hat Tim nicht vergessen, wie alles angefangen hat: Vor drei Jahren flatterte eine Nachricht ins Postfach des Produzenten. Eine Nachricht, die sich als Karrieresprungbrett für den damals 19-Jährigen erweisen sollte: Der Betreiber des YouTube-Kanals „MrSuicideSheep“ war auf Sublab aufmerksam geworden und wollte einen Song des Dresdner Musikers auf seinem Kanal hochladen. Mit seiner Abonnentenzahl von über 8,2 Millionen gilt „MrSuicideSheep“ als einer der größten Musik-Kanäle auf der Videoplattform. „Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe, was alles möglich ist. Es war die Gelegenheit, meine Musik unter die Leute zu bringen“, erinnert sich Tim.

Mittlerweile werden seine Songs regelmäßig auf dem Kanal hochgeladen. „Wenn die Leute die schreiben, dass ihnen die Musik gefällt und wenn die Klickzahlen steigen, ist das die beste Motivation für mich. Aber die Klicks kommen nicht vom Rumsitzen, dafür muss man brennen und dranbleiben.“

Das Internet spielt nicht nur bei der Veröffentlichung neuer Songs eine wichtige Rolle, sondern auch bei der Entstehung, wie Tim erläutert: „Man schreibt einen Künstler an und schickt ihm eine Songidee. Der andere Musiker gibt sein Feedback, bearbeitet das Projekt und schickt es wieder zurück. Das geht immer weiter, bis das Lied fertig ist.“ So entstand auch Sublabs aktuelle Single „My Love“, an der er gemeinsam mit dem 18 Jahre alten Produzenten Wistful aus Mexiko zusammenarbeitete.

Ziel erreicht: Musik machen und davon leben

Die Vermittlung nimmt Tim lieber selbst in die Hand, ebenso wie die Veröffentlichung seiner Songs. Diese gelangen nicht über ein Plattenlabel an die Öffentlichkeit, stattdessen schickt der Produzent seine Musik direkt an einen Vertrieb. Dieser verteilt den Song, etwa an Spotify. Auf der Musikplattform werden die Songs des Künstlers monatlich über 160 000 Mal gestreamt. „Spotify finde ich ziemlich cool, weil Künstlern eine einmalige Chance geboten wird: Jedes Mal, wenn jemand deinen Song hört, bekommst du Geld. Vor einigen Jahren noch wurde viel Musik illegal heruntergeladen. Nun erhält jeder für wenig Geld den Zugriff auf ein riesiges Songarchiv. Gerade für Musikfreaks ist es doch spannend, eine gewaltige Musiksammlung zur Verfügung zu haben und parallel die Künstler zu unterstützen“, findet Tim, der Spotify ausgiebig nutzt. „Ich höre gerne elektronische Musik. Die Produzenten Sorrow und Burial inspirieren mich besonders.“

In Zukunft möchte Tim mit neuen Interpreten zusammenarbeiten und ein Album veröffentlichen. „Aber die eigentliche Zielstellung ist, Musik zu machen und davon gut zu leben. Und das habe ich ja jetzt schon erreicht.“

https://sublabmusic.com/

Von Junes Semmoudi

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