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Regional Ein Hauch von Popgeschichte: Sweet und Smokie in der Jungen Garde
Nachrichten Kultur Regional Ein Hauch von Popgeschichte: Sweet und Smokie in der Jungen Garde
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11:00 04.06.2018
Gründungsmitglied Andy Scott (Gitarre), Peter Lincoln (Gesang, Gitarre) und Tony O`Hara (Keyboards, Gitarre) (L-R) während eines Auftrittes der Glamrock Band SWEET live in der Freilichtbühne Junge Garde in Dresden. Foto © Andreas Weihs [Nur redaktionelle Nutzung. Jede Nutzung ist Honorar- & MwSt. pflichtig! Kontakt: AWPress, A. Weihs, Tel. 0170 55 23 238, www.awpress.eu] Sweet Quelle: Andreas Weihs
Dresden

Ein Stück Rock- und Popgeschichte erlebten die Besucher in der Jungen Garde. Mit Sweet und Smokie teilten sich zwei fast schon legendäre Bands einen Abend lang die Bühne, die jede für sich schon allein ein Konzert nur mit ihren Hits füllen konnte. Der Himmel klarte auf, Regenwolken waren nicht in Sicht, und so konnte ein unterhaltsamer Partyabend mit Hits der Siebziger und frühen Achtziger seinen Lauf nehmen.

Die Garde ist mit 3500 Fans gut gefüllt, und als Sweet die ersten Klänge ihres Openers „Hell Raiser“ ertönen lassen, sammeln sich viele Besucher direkt vor der Bühne. Der stampfende Rhythmus des Hello-Covers „New York Groove“ folgt direkt und schaukelt die Stimmung weiter in die Höhe. Ein Song, der zum Mitsingen, und ein Beat, der zum Tanzen einlädt.

Sweet, die hier ihr 50-jähriges Bestehen feiern, holen vor allem ihre Hits der frühen siebziger Jahre hervor und versprühen mit ihrer Performance einen Hauch von Glamrock, so als wäre die Zeit nie vergangen. Ein gigantischer „We want Sweet“-Publikumschor leitet „Teenage Rampage“ ein, nahtlos folgen „Wig Wam Bam“ und „Little Willie“, die Kracher aus der Hoch-Zeit der Band. Sie lassen die Zuhörer abtauchen in eine andere Zeit, in Erinnerungen aus den Tagen, wo man Musik noch mit analogen Instrumenten machte, aus der „Hand“ sozusagen, so richtig mit Saiten und Holz-Sticks. Sweet waren damals ein wichtiger Teil der britischen Musikszene, gelten sogar als erfolgreichste Band der Glamrock-Ära. Die größten Erfolge feierten sie aber außerhalb ihrer Heimat, nämlich in den USA und besonders in Deutschland, wo zahlreiche ihrer Hits ganz oben in den offiziellen Charts notiert wurden und „Blockbuster“ 1973 sogar die Peak-Position erreichte.

Von der erfolgreichen „Ur“-Besetzung ist heute nur noch Andy Scott dabei. Um die „weiße Eminenz“ herum sorgen Keyboarder und Gitarrist Tony O’Hora sowie Schlagzeuger Bruce Bisland für den Sound, den die Band einst berühmt machte: etwas Glam, etwas Rock und angereichert mit Sirenen und Donnerschlägen. Der „neue“ Frontmann und Gitarrist Peter Lincoln, der Sweet nun auch schon wieder ein Dutzend an Jahren gesanglich vorsteht, ist immer noch der frische Wind, der die Band vorantreibt und auch die früheren Songs im zeitgemäßen Gewand erklingen lässt.

Die Vier gießen alle ihre Noten in einen großen Boxen-Trichter, heraus kommt ein erdiger, druckvoller Sound, der schnell die Körper durchfährt und irgendwie auch gleich wieder raus muss. Vielerorts in der Garde wird jetzt gesungen, getanzt, geklatscht. Die Energie muss ja irgendwo hin. Als Zugabe dann noch die Gassenhauer „Action“ (1975), „Blockbuster“ (1973) und „Ballroom Blitz“ (1973) im Block. Mehr geht nicht.

Nach einer kurzen Umbaupause entern dann Smokie mit „I’ll Meet You At Midnight“ die Bühne. In der ersten Hälfte ihres Auftrittes reiht sich nahtlos Hit an Hit, ohne Pause, ohne wirklichen Übergang. „Something’s Been Making Me Blue“, „Layback In The Arms Of Someone“, „It’s Your Life”, „For A Few Dollars More” und und und. Smokie hasten durch ihre Hits. Und: Erstaunlich, wie viele Melodien doch in den Köpfen verhaftet geblieben sind, auch wenn die Hitehren schon rund vier Dekaden zurückliegen.

Von den einstigen Gründern ist nur noch Terry Uttley dabei, der sich ganz (bescheiden) im Hintergrund hält und seinen Bass bedient. Sänger Mike Craft indes gibt sich alle Mühe, in die riesigen Fußstapfen eines Chris Norman zu treten. Doch dessen Stimme ist immer noch zu gegenwärtig, zu gewaltig und eben eng verknüpft mit den großen Hits der britischen Popband. Craft versucht dennoch einzutauchen in die Lieder, die 20 Jahre vor seiner Zeit zu Hits wurden, lässt seine Gesangsstimme tief und rau klingen. Manchmal auch etwas zu ambitioniert. Angesichts der schönen, bekannten und populären Melodien vergisst man aber irgendwann die Vergleiche und genießt nur noch die Songs. Vor der Bühne wird schon lange beschwingt getanzt. Viele singen die Refrains mit einem Lächeln im Gesicht mit. Ja, das war doch eine schöne Zeit, damals …

Auch Smokie greifen tief bis zum Boden ihrer prall gefüllten Lieder-Schatzkiste und holen Perlen hervor, von denen wirklich jede einzelne aus der Erinnerung abrufbar ist. „Mexican Girl“ und „Wild Wild Angels“, aber auch das Rod-Stewart-Cover „I Don’t Want To Talk About It“ sowie das John-Fogerty-Cover „Have You Ever Seen The Rain”, begleitet von einem Mega-Publikumschor. Mit „Oh Carol” und "Needles And Pins” folgen noch zwei beliebte eigene Gassenhauer, die die Stimmung unter den Zuhörern noch einmal hoch peitschen. Mittlerweile setzt auch die Dämmerung ein, das Licht wird „schöner“, und „alles“ wird stimmungsvoller. Doch da ist der Abend fast schon zu Ende. Was fehlt noch? Richtig! Die „Alice“.

Sweet und Smokie in einem Konzert – auch wenn nur noch jeweils ein Gründungsmitglied auf der Bühne steht – ist auf jeden Fall musikalisch ein Erlebnis. Nur hier kann man einen Hauch von Popgeschichte ungefiltert einatmen, zu einer Reise aufbrechen in die eigenen Erinnerungen, in eine Zeit, die wohl jeder anders erlebte und wahrnahm, aber die auch oft untrennbar verknüpft ist mit der Musik und den Hits dieser beiden Bands.

Von Andreas Weihs

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