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Ehemaliger Dresdner Hofkapellmeister: "Lob der Musik" im Silvesterkonzert des Sächsischen Vocalensembles

Ehemaliger Dresdner Hofkapellmeister: "Lob der Musik" im Silvesterkonzert des Sächsischen Vocalensembles

Unspektakulär im Konzertleben blieb die Ehrung des Komponisten und Dresdner Hofkapellmeisters Joseph Schuster (1748-1812) zu dessen 200. Todestag bis ans Ende des Jubiläumsjahres.

Zu mächtig wirkt das folgende Wagner-Jubiläum schon vorab, und Schuster war bislang nur Fachleuten überhaupt noch ein Begriff. Immerhin durfte am letzten Tag des Jahres mit der Kantate "Lob der Musik" (in Dresden vermutlich 1783 erstmals aufgeführt) eines von Schusters ehedem populärsten Stücken das Jubiläum feierlich beschließen. Dirigent Matthias Jung, das Sächsische Vocalensemble und die Batzdorfer Hofkapelle hatten das umfängliche, zweiteilige Werk für das schon traditionell den Raritäten vorbehaltene Silvesterkonzert in der Annenkirche ausgewählt.

Anders als in thematisch vergleichbaren Werke früherer Epochen spricht das Libretto des Schriftstellers August Gottlieb Meißner (1753-1807) eine an der Lebenswirklichkeit geschulte Sprache, die das aufkommende historische und nationale Bewusstsein ebenso einschließt, wie romantische Ideen. Selbst der biblische König Saul ist als bloße mythologische Gestalt dem Gedankengebäude eingefügt. Ein moderner, säkularer Zug, der von Haydns "Jahreszeiten" bis zu Schillers "Ode an die Freude" bei Beethoven reicht und freimaurerischen Hintergrund verrät. Doch Meißner fand keine ähnlich eindeutige Dramaturgie wie andere, sondern war bemüht, den ganzen Kosmos in seinen Versen zu vereinen. Schusters mit großem dramatischem Effekt komponierte Musik, die dabei oft einen naiv freundlichen, gar lieblichen Ton anschlägt, kann diesem Mangel an inhaltlicher Stringenz nicht ausweichen, und so hat das Werk einige Längen.

Die Batzdorfer Hofkapelle verbreitete dank kräftiger Aufstockungen mit klassischem Instrumentarium den ungewohnten, nicht wenig begeisternden Klang eines sinfonischen Orchesters und verfügte dank Klarinetten und durchweg doppelten Bläsern über ein herrliches Farbspektrum, das Schuster in seinem Werk bemerkenswert genutzt hat. Letztlich gelang ihm, wovon im Barock meist nur der Text kündete: Alle Gefühlsregungen auch musikalisch zu beschreiben und entsprechende Stimmungen zu schaffen. Matthias Jung arbeitete die dynamische Spanne wie die lyrischen Feinheiten der Musik auf fesselnde Weise heraus. Die in Schusters Arien verlangten Schwierigkeiten waren bei den Solistinnen gut, wenn auch nicht immer mit ganzer Mühelosigkeit aufgehoben. Das Werk verhehlt die Vorliebe des Komponisten für Sopran (Barbara Christina Steude, Maria Perlt) und Alt (Annekathrin Laabs) nicht: Tenor (Tobias Hunger) und Bass (Tobias Berndt) betraute Schuster vor allem mit Rezitativen. Die emotionale Wucht der Basspartie wurde von Tobias Berndt auch mit entsprechender stimmlicher Dimension großartig umgesetzt.

Das ausgezeichnet singende Sächsische Vocalensemble durfte anschließend bei Georg Friedrich Händels "Ode auf den St. Cäcilientag" (in Mozarts Fassung) auch noch sein Können in polyphonen Sätzen beweisen. Die Kantate sprengte als zweites Werk allerdings nicht nur in Länge und inhaltlicher Verwandtschaft den Rahmen des Programms. Es war auch als musikalisches Meisterwerk ein unverdient scharfer Kontrast zu Schuster. Grandiose Arie mit obligaten Instrumenten (virtuos: Bernhard Hentrich, Violoncello) und ein dramaturgisch schlüssiges Ensemble, das alle Mitwirkenden stark und detailreich umgesetzten, beschlossen dieses beachtenswert musizierte Silvesterkonzert.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.01.2013

Hartmut Schütz

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