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Eckpunkte der Spätromantik: Konzert der Dresdner Philharmonie

Eckpunkte der Spätromantik: Konzert der Dresdner Philharmonie

Wie nur wenige Komponisten blieb Jean Sibelius zeitlebens der emotionsgeladenen romantischen Tonsprache treu, auch wenn sein 1903 entstandenes Violinkonzert d-Moll in neuen harmonischen Anklängen bereit auf das Ende der Spätromantik blickt.

Inmitten von Werken Robert Schumanns, der zu den Ideengebern dieser Epoche gehörte, stand Sibelius' Violinkonzert damit im richtigen Kontext, als es die Dresdner Philharmonie mit Julia Fischer als Solistin im 3. Konzert im Schauspielhaus spielte. Die Ausmaße eines solchen Werkes sprengen nicht nur in der Besetzung die Dimensionen dieser Bühne, und so war es Dirigent Michael Sanderling hoch anzurechnen, die Balance von Orchester und Soloinstrument sehr gültig umgesetzt zu haben. Den Beginn im überaus feinen Pianissimo entwickelten Julia Fischer und das Orchester ganz allmählich zu größerer Kraft. Wie die Solistin mit vollem, körperhaftem Ton dabei alle Zartheit zu vermitteln vermochte, war beglückend, ebenso jedoch die Leichtigkeit, die sie in alle virtuosen Passagen legte.

Dass es der Geigerin dabei nie um ein Ausstellen ihres Können ging, muss man kaum noch erwähnen. Denn in der sinnlichen Ausdeutung, der klanglichen Nuancierung selbst extremster Schwierigkeiten überzeugte sie vor allem musikalisch. Dazu gehörte die intensive Korrespondenz mit der Bratsche (Hanno Felthaus) im ersten Satz ebenso, wie die Vereinigung des langsamen Satzes unter einem großen Spannungsbogen. Und Julia Fischers tief atmendes Spiel hier war nicht weniger berührend, wie der tänzerische Schwung im Finale mitreißend war. Dass man bei derart lebendigem Zusammenspiel von Solistin und Orchester ruhig sitzen sollte, wurde schon fast zu einer Herausforderung bei Hören.

Alle Versuche mit größeren, auf literarischen Vorlagen fußenden Werken brachten Robert Schumann wenig Erfolg. So blieb auch die Vertonung des Dramas "Die Braut von Messina" Fragment. Die Ouvertüre zu der nach Schillers Theaterstück geplanten Oper, wie ähnliche nur selten im Konzert zu finden, eröffnete das Philharmoniekonzert. Michael Sanderling zeichnete den dramatischen Gehalt straff und gab ihm entschlossenen Nachdruck. Ein nicht geringer Anteil an der dichten Wirkung dieser Aufführung des kurzen Stückes kam den vorzüglich spielenden Holzbläsern zu.

Als neu und wegweisend darf Schumanns Idee gelten, die Teile seiner Sinfonie Nr. 4 d-Moll als Abschnitte, nicht als einzeln stehende Sätze zu begreifen. Damit war der Abend nach Sibelius' Konzert wieder beim Ursprung spätromantischer Klangwelten angelangt. Die frische und klare, auch in den rechts sitzenden zweiten Violinen klassisch gedachte Deutung Sanderlings hatte in ihrer Geschlossenheit große Überzeugungskraft. Doch neben der vielgestaltigen Arbeit mit den Tempi kam eine größere Differenzierung der Stärken zu kurz, aus der sich mehr Spannung und Tiefe im Ausdruck hätten gewinnen lassen. Solche gebündelte Intensität gab es in den letzten Abschnitten, dem quasi vierten Satz, die dann vollendet dicht und wirkungsvoll zu klingen vermochten. Michael Sanderlings Sinn für Details aber, die Hervorhebung der Holzbläser etwa und die des Violinsolos der Romanze (Wolfgang Hentrich), war ebenso beispielhaft, wie die Beachtung klanglicher Feinheiten in der Verwendung kleinerer (vorzüglich gespielter) Pauken für Schumann.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.01.2014

Hartmut Schütz

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