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Regional Drittes XJAZZ-Festival in Radebeul steht in den Startlöchern
Nachrichten Kultur Regional Drittes XJAZZ-Festival in Radebeul steht in den Startlöchern
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08:01 07.06.2018
Günter Baby Sommer XJAZZ Festival Radebeul Quelle: Björn Reinemer
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Radebeul

Was zum zweiten Mal stattfindet, hat schon fast Tradition. Ein Jahr später ist daraus eine (feste?) Reihe geworden. Wenn sich die Kleinstadt Radebeul allmählich zum vierten sächsischen Jazz-Zentrum mausert, hat das gewiss mit einem einheimischen Urgestein zu tun. Die Jazz-Legende Günter Baby Sommer ist oberhalb der Radebeuler Weinberge zu Hause und rückt das Lößnitz-Städtchen nun neben Leipzig mit seinen renommierten Jazztagen in eine Reihe mit Görlitz und Freiberg. Denn hier tobt der Jazz! In Radebeul mit einem großen X davor.

XJAZZ im dritten Radebeuler Jahrgang, das ist erst einmal der unermüdliche Baby Sommer als Mitmischer und Schirmherr, der auch in seinem 75. Lebensjahr nicht müde wird, um sich zu schlagen auf alles, was klingt, auf dass ergreifender Klang daraus wird, und zudem Verbindungen mit anderen Musikern einzugehen, um aus persönlichen Eigenständigkeiten unverwechselbare Kleinstkollektive zu schmieden. In denen klingt das Individuelle nach, mischt sich aber in summa zu etwas Neuem. So geschehen im Zusammenspiel des umtriebigen Schlagzeugers mit dem französischen Tubisten und Serpentisten Michel Godard. Dass beide Ismen auf seine bevorzugten Instrumente hinweisen – neben Tuba und Serpent spielt er freilich auch E-Bass –, versteht sich von selbst. Godard, der wie kaum ein anderer Alte Musik und Jazz miteinander verbindet, ist wiederholt gemeinsam mit Sommer aufgetreten, ihre mit Patrick Bebelaar eingespielte CD „Three Season“ ist 2014 von The New York City Jazz Record zur CD des Jahres gekürt worden.

In ihrer Duo-Besetzung wird XJAZZ 2018 am Freitag in der Radebeuler Lutherkirche eröffnet. Dies ist der Auftakt zu einem überquellenden Wochenende, das wie die Vorläufer auf eine gemeinsame Initiative mit den Machern der Agentur Dynamite Konzerte (Eigenwerbung: „Gut für Ihren und Geist“) zurückgeht, die mit XJAZZ nach einer Konzeptpräsentation 2014 in Berlin bereits in Tel Aviv, Istanbul sowie in Reykjavik gastieren konnten.

In Kooperation mit dem Dresdner Jazzclub Tonne gibt es erneut ein kleines, feines Festival mit so namhaften Gästen wie dem Charlie Bucket Trio und Mike Parkers Trio Theory. In besonderer Weise soll der Jazz aber dem jüngeren Publikum nähergebracht werden, so wird am Samstag Nachmittag das Krokodil Trio im Weingut Karl Friedrich Aust zum Mitsingen einladen. Genreübergreifend musiziert das Coucou-Trio einen irren Sound aus Jazz, Pop und Folk, verknüpft akustische mit elektronischen Elementen und setzt vor allem auf die Stimm- und Instrumentalkünste von Janda, Meryem und Steffi. Die drei jungen Jazzerinnen stammen aus Berlin und Leipzig, bespielen ein Sammelsurium diverser Instrumente und becircen mit eher zarten Geschichten.

Mit dem Duo mattimatti in seiner eigenwilligen Konstellation von Sithar und Hang werden ebenso eigenwillige Klangwelten zu erwarten sein, die von perkussiven Improvisationen geprägt sind. Trotz dieser Vielfalt am Samstag soll das Publikum alle Bands hören können, denn sie spielen immer nur halbstündige Sets, die wiederholt werden. Wer geschickt plant, dürfte also nichts verpassen.

Dasselbe gilt für den Sonntag, der im sogenannten Kulturbahnhof Radebeul auffahren lässt: mit Bobby Rausch und DJ Illvibe als eigenwilliges Gespann. Wann kann man aufhören, Letzteren als „Sohn von“ vorstellen zu müssen? Die direkten Einflüsse des Vaters Alexander von Schlippenbach sind jedenfalls kaum mehr zu hören, die musischen Prägungen wohl schon. Traditionen sind schließlich auch dazu da, sie aufzubrechen.

XJAZZ vom 8. bis 10.6., www.dynamitekonzerte.com

Von Aldo Lindhorst

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