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Dresdner Studenten von Hans-Christoph Rademann musizieren Bach-Kantaten

Musik im Marcolini-Palais Dresdner Studenten von Hans-Christoph Rademann musizieren Bach-Kantaten

Die Konzertreihe im Marcolini-Palais des Städtischen Klinikums Dresden-Friedrichstadt feiert 2016 ihr 25. Jubiläum. Seit 1991 besteht eine Kooperation des Hauses mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Das nächste Konzert mit Bach-Kantaten findet am 7. Juni statt.

Prof. Hans-Christoph Rademann bei der Arbeit mit seinen Studenten

Quelle: HfM

Dresden. Die Konzertreihe im Marcolini-Palais des Städtischen Klinikums Dresden-Friedrichstadt feiert 2016 ihr 25. Jubiläum. Seit 1991 besteht eine Kooperation des Hauses mit der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden. Dafür stellte die Hochschule anfangs ein Cembalo zur Verfügung (mittlerweile kann ein Flügel genutzt werden), an zwei Tagen in der Woche gab es Unterricht und Probestunden vor Ort, alle zwei Monate war ein Konzert geplant. Anfangs lag der Schwerpunkt vor allem auf der sogenannten „Alten Musik“, durch Prof. Dr. Wolfgang Steude vom Heinrich-Schütz-Archiv der Hochschule betreut, dessen Arbeit heute Prof. Ludger Rémy und Prof. Uta Schmidt fortsetzen. Seit diesen Anfängen ist die Konzertreihe gewachsen. Zwar steht die Alte Musik weiterhin im Mittelpunkt (für den das historische Marcolini-Palais mit seinem rekonstruierten Festsaal einen passenden Rahmen bietet), doch sind Flöten- oder Violinklassen heute ebenso zu Gast wie Korrepetitoren. Darüber hinaus hat Sabine Hunger, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit am Krankenhaus Friedrichstadt, das Programm um Konzerte mit anderen Musikern ergänzt. Neben Barockensembles war sogar schon ein Saxophonquartett zu erleben, ebenso hat der Mitarbeiterchor des Städtischen Klinikums Dresden Auftritte, etwa in der Vorweihnachtszeit.

Seit über zehn Jahren sind Aufführungen von Bach-Kantaten nicht nur ein fester Bestandteil der Reihe, sondern ein ausgesprochener Höhepunkt. Dreimal im Semester erarbeiten Studenten von Hans-Christoph Rademann, der die Professur für Chordirigieren innehat, jeweils mindestens zwei Werke. Meist sind es solche aus dem „BWV“, dem Verzeichnis der Werke Johann Sebastian Bachs, aber auch jenes Georg Philipp Telemanns, Jan Dismas Zelenkas oder eines der Bach-Söhne wurde schon durchstöbert. Neben seiner momentan vielleicht bedeutendsten Aufgabe, der Leitung der Internationalen Bachakademie Stuttgart, betreut Hans-Christoph Rademann an der Dresdner Musikhochschule Studenten, die sich in das Chordirigieren nicht nur vorübergehend vertiefen, sondern es zu einem Lebensinhalt machen wollen. Sechs sind es derzeit – über alle Jahrgänge. Chordirigieren, so Rademann, bedeute nur zu 25 Prozent Umgang mit Musik. Dreiviertel der Arbeit befasse sich mit der notwendigen Organisation und vor allem Kommunikation, das sei überhaupt das wichtigste. Das lernen auch seine Studenten: Für sie ist die Konzertreihe Teil des obligaten Unterrichts, für alle anderen Teilnehmer – Solisten, Choristen und Instrumentalisten – dagegen nicht. Da heißt es also, Kommilitonen anzusprechen, Gäste zu finden, wenn in den eigenen Reihen Lücken bestehen, Notenmaterial auszuwählen, Proben zu organisieren etc.

Der Beruf eines Chordirigenten ist erstrebenswert, aber nicht jeder ist dazu befähigt. Darüber hinaus ist es auch ein hartes Geschäft – das erklärt die geringe Anzahl an Studenten und die kritische Auswahl. In der Vergangenheit hat die Klasse von Hans-Christoph Rademann aber immer wieder Dirigentinnen und Dirigenten hervorgebracht, die heute fest im Berufsleben stehen. Christiane Büttig leitet den Universitätschor Dresden und hat bereits am Staatsschauspiel gewirkt, Manuel Pujol arbeitet als Chordirektor an der Oper Dortmund, Martina Stoye leitet den Chor der Musikschule Meißen, Cornelius Volke ist nach einem Engagement als Chordirektor und Kapellmeister am Theater Hof nach Dresden zurückgekehrt und wurde als stellvertretender Chordirekter an die Semperoper berufen. Vitaly Aleshkevich arbeitet neben anderen Chorleitertätigkeiten als Kantor einer Gemeinde, Michael Käppler leitet seit Oktober vergangenen Jahres den Kammerchor der Universität Erfurt. Karl Hänsel und Robert Schad studieren derzeit bei Rademann, übernehmen aber schon Aufgaben bei Chören wie der Dresdner Singakademie. Nur ein paar Beispiele der letzten Zeit…

Anfang des Jahres stellte sich neben dem bereits erfahrenen Philip Townley aus England ein neuer Dirigent dem Publikum im Marcolini-Palais vor: Justus Merkel hat im vergangenen Herbst sein Dirigierstudium begonnen und im Januar Kantate 4 aus dem Weihnachtsoratorium (BWV 248) aufführen dürfen. Während der Generalprobe vor dem Konzert unterbricht Hans-Christoph Rademann nicht, greift nicht ein, lässt die Dirigenten das Tempo ebenso wählen wie die Entscheidung treffen, ob eine Arie ganz gesungen oder an einzelnen Ausschnitten gearbeitet wird. In den Pausen dazwischen gibt er Hinweise, wird aber von den Studenten auch gezielt gefragt.

Ob beim Organisieren oder in der Auseinandersetzung mit den Werken – man lerne nie aus, es sei ein „ewiger Weg“, so Rademann. Immer wieder eröffnen sich neue Sichtweisen, kann die dezidierte Auseinandersetzung aber neben der Erkenntnis auch zu Zweifeln führen – das Suchen und Hinterfragen gehören essenziell zur Arbeit eines Dirigenten. Justus Merkel steht am Beginn dieses Weges, Philip Townley ist ihn schon ein Stückchen vorangeschritten, hat er das Berufsziel bereits etwas konkreter vor Augen. Er nutzt seine Zeit außerhalb des Studiums an der Hochschule, um beispielsweise bei Besuchen in der Heimat zu hospitieren, und übernimmt bald eine halbjährige Assistenz beim Windsbacher Knabenchor. Die Kantaten-Reihe der Hochschule im Marcolini-Palais ist auf diesem Weg ein kleiner, aber wichtiger Pflasterstein – in musikalischer wie organisatorischer Hinsicht. Dem Publikum werden Aufführungen in hoher Qualität geboten, und manche der Studenten von heute könnten uns schon morgen beim Dresdner Kammerchor, der Staatskapelle oder der Philharmonie begegnen. Kein Wunder, dass die Konzerte stets ausverkauft sind.

Nächstes Kantatenkonzert: 7.Juni, 19 Uhr, Festsaal im Marcolini-Palais, Friedrichstraße 41. Es erklingen Johann Sebastian Bachs „Wer weiß, wie nahe mir mein Ende“ BWV 27, „Es wartet alles auf dich“ BWV 187 u.a. Mit Studierenden der Gesangs- und Instrumentalklassen, Dirigenten: Karl Hänsel (BWV 187), Friedrich Sacher (BWV 27), Robert Schad
Karten 4 Euro Tel. 0351/4803170 und an der Abendkasse. Für Patienten des Krankenhauses Dresden-Friedrichstadt und Studierende der HfM Dresden ist der Eintritt frei.

Weitere Informationen:http://www.khdf.de/cms/Veranstaltungen/Kammerkonzerte.html
http://www.hfmdd.de/veranstaltungen/

Von Wolfram Quellmalz

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