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Regional Dresdner Street-Art-Künstler leitet Workshop in Saudi-Arabien
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18:00 03.02.2016
Jens Besser bei seinem letzten Aufenthalt in Saudi Arabien.  Quelle: privat
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Dresden

 Jens Besser, Dresdner Graffiti-Künstler, reist in diesen Tagen im Auftrag des Goethe-Instituts zum Janadriyah Festival nach Saudi Arabien und betreut dort für zwei Tage einen Street-Art-Workshop. Für Besser ist es nicht die erste Reise auf die arabische Halbinsel. Bereits im vergangenen Jahr sollte er am Janadriyah Festival teilnehmen. Doch der Tod von König Abdullah machte ihm einen Strich durch die Rechnung – das Festival fiel aus. Besser fand eine andere Beschäftigung: In der Stadt Jeddah schuf er im nicht sichtbaren Inneren der Skulptur „The Accident“ des spanischen Künstlers Julio La Fuente das Werk „Entrance to Utopia“ – ohne Genehmigung. Die-Zeitung hat meinen Bericht erst aufgegriffen, als ich in Deutschland war“, sagt Besser heute, lacht und schüttelt den Kopf.

In dieser Skulputur in Jeddah schuf Besser sein eigenes Werk. Quelle: Jens Besser

Dass die bekannterweise repressiven Saudis der Street-Art-Bewegung nicht offen gegenüberstehen und „Sprayer jagen“, will der Dresdner so nicht stehen lassen. „Das Sprayen in Abrisshäusern wird in Saudi-Arabien auf ähnliche Weise toleriert wie in Deutschland. Das ist zumindest der Eindruck, der während meiner Zusammenarbeit mit saudischen Kollegen entstanden ist. Darüber hinaus dürfen wir nicht vergessen, dass Street-Art-Akteure in Deutschland genauso Repressalien ausgesetzt sind – es drohen Verurteilungen“, sagt Besser.

Die Saudis scheinen Ihm die illegale Kunst-Aktion aus dem vergangenen Jahr in jedem Fall nicht übel zu nehmen. Das Janadriyah Festival ist in dem Land eine der wichtigsten kulturellen Veranstaltungen des Jahres und der Dresdner Künstler einer der wenigen internationalen Gäste.

Das Wandbild „Entrance to Utopia“ greift auch Elemente der arabischen Kultur, wie etwa die Kaaba, auf. Quelle: Jens Besser

Doch eine zweite Frage drängt sich auf: Sollten Künstler mit ihrer Anwesenheit ein Regime unterstützen, das Kritiker wie den Blogger Raif Badawi auspeitschen und Andersgläubige, wie zuletzt 47 Schiiten, töten lässt? „Ich lehne die Todesstrafe ab – in allen Ländern. Aber bei diesem Festival geht es darum gemeinsam den kulturellen Austausch zu pflegen“, antwortet Besser und verweist auf die Spannungen zwischen weltlichen und religiösen Autoritäten in Saudi Arabien: „Die in Saudi Arabien staatlich geförderte wahabitische Auslegung des Islams verbietet eigentlich das Feiern derartiger Festivals. Hier komme ich nicht mit den Eliten, sondern mit normalen Leuten in Kontakt. Insofern wirke ich gerne an dieser Veranstaltung mit.“

Auch wenn Besser viele Entwicklungen in Saudi Arabien kritisch sieht, ein politisches Statement will er während des Janadriyah Festivals nicht abgeben. „Das verhärtet nur die Fronten“, ist sich der Künstler sicher. „Jedes Graffiti im öffentlichen Raum ist an sich schon ein politisches Statement, denn es stellt bestehende Eigentumsverhältnisse in Frage“, erklärt er. Als „Graffiti-Diplomaten“, wie ihn jüngst eine große deutsche Tageszeitung aufgrund der bald anstehenden Reise betitelte, sieht er sich in jedem Fall nicht: „Graffiti und Diplomatie? Wie soll das denn zusammenpassen?“

Von Hauke Heuer

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