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Dresdner Schriftsteller Norbert Weiß und Jens Wonneberger präsentieren Buch über die Gartenstadt Hellerau

Dresdner Schriftsteller Norbert Weiß und Jens Wonneberger präsentieren Buch über die Gartenstadt Hellerau

Über die Geschichte von Hellerau, der ersten deutschen Gartenstadt, gibt es inzwischen eine ganze Reihe Bücher. Erschöpft scheint das Thema damit aber immer noch nicht.

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Das Cover des neuen Buches.

Quelle: PR

Eine Lücke klaffte bislang: die Literatur. Die wird nun mit einem neuen Buch geschlossen: "Am Grünen Zipfel und Auf dem Sand", so sein sachlich-bescheidener Titel. Verfasst haben es die beiden Dresdner Schriftsteller Norbert Weiß und Jens Wonneberger, die sich mit Lexikon, Literatenstadtplan, vor allem ihren "Dichterhäuser"-Publikationen als erfahrene wie gründliche Rechercheure in Sachen regionale Literaturgeschichte ausgewiesen haben.

Ein dichtes, sehr profundes Vorwort bringt die Bedeutung der Gartenstadt in Erinnerung als "Einheit von Wohnen und Arbeit, Kultur und Bildung", wie es Ideengeber Wolf Dohrn formulierte. Wer mehr über Architektur, Möbelproduktion, Tanz, Festspiele wissen möchte, den verweisen die Verfasser auf andere Bücher. Das ihre verstehen sie als Ergänzung, wie Jens Wonneberger zur Buchpremiere in der vollen Villa Augustin betonte.

Wer aber die Literatur betrachtet, habe natürlich all die anderen Kunstformen mit drin, ergänzte Norbert Weiß. Die ja die Autoren in ihren Erzählungen und Romanen beschreiben. Und zwar mit skeptischer, bisweilen spöttischer Distanz. In den "Erinnerungen an meinen Vater Emil Strauß" beobachtet dessen Sohn Konrad Strauß die Lebensreformer beim Tanz auf der Wiese und meint zu seinem Vater: "Wie im Kindergarten." Der entgegnet: "Lass sie, sie fühlen sich glücklich." Eine Passage, die vielleicht noch aussagekräftiger gewesen wäre als die abgedruckte über Gerhart Hauptmanns verzärtelten Sohnemann Benvenuto. Köstlich ist aber auch die.

Es war ja ein ehrgeiziges Kulturprojekt von Weltverbesserern. So was gelingt nur mit einer gewissen Ideen-Besessenheit. Deren Begleitsound ist immer pathetisch. Welch quasi-religiöse Züge das annehmen konnte, hat Josef August Lux treffend beschrieben: "Sie saßen da wie die Jünger des Herrn, über die der Heilige Geist gekommen war."

Während Künstler, Kunstgewerbler und Philosophen von einer "neuen Lebensgemeinschaft" träumen, registriert Max Barthel indes mit sozialkritischem Scharfblick die Unterschiede zwischen den prächtigen Villen und den kleinen Häuschen der Arbeiter. Erblickt keine verheißene "neue Welt", sondern einen "Abklatsch der alten mit all ihren Schönheiten und Niederträchtigkeiten, ihren Grotesken und Tragödien". Solche Sätze, die das Ganze ernüchternd erden, gehören zu den Entdeckungen, von denen dieses Buch etliche bereit hält.

Wie viele Schriftsteller es waren, die tatsächlich kürzer oder länger in Hellerau lebten, verrät es uns auch: 40. In Kurzporträts lernen wir sie kennen, einige auch mit Auszügen aus ihren Texten. Bemerkenswert, wie bunt diese Schar der Literaten war. Das reicht von namhaften Autoren wie Theodor Däubler, Alfons Paquet oder dem als Thomas-Mann-Biograf bekannt gewordenen Peter de Mendelssohn bis zu dem Oberlausitzer Mundartdichter Rudolf Gärtner oder dem Arbeiterschriftsteller Max Barthel. Letzterer ein Beispiel für kurvenreiche Lebenswege, die man hier findet, inklusive abrupter ideologischer Richtungswechsel: erst KPD, 1933 diente er sich dem Naziregime an. Oder Alfred Kurella: von der Wandervogelbewegung zum Hardliner der DDR-Kulturpolitik. Zum bunten Gemisch der Ideen gehörten auch Antisemitismus und Völkisches - lange vor Hitler, wie man hier sehen kann. Im Kapitel über Verlage in Hellerau taucht zum Beispiel der "Hakenkreuzverlag" Bruno Tanzmanns auf.

Welche Literaten die Gartenstadt tatsächlich besuchten, darüber klärt uns das letzte Kapitel auf. Jens Wonneberger hat es verfasst. Wofür ihm sein Koautor Weiß Hochachtung zollte: "Eine Sisyphosarbeit. Man läuft andauernd in Fallen. Findet Leute, die hier gewesen sein sollen, es aber nicht waren."

Norbert Weiß, Jens Wonneberger: Am Grünen Zipfel und Auf dem Sand. Neisse Verlag, 244 S., 18 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.04.2013

Tomas Gärtner

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