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Regional Dresdner Museen in Vorreiterrolle
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13:27 24.10.2017
Kamana’opono Crabbe, CEO des Büros hawaiianischer Angelegenheiten, beim Unterzeichnen der Papiere.  Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Einmal stockt der Ministerin kurz die Stimme. „Nehmen Sie mein persönliches Bedauern und unsere Entschuldigung mit nach Hause“, hatte sie gerade noch gesagt, als sich ihre Ergriffenheit zeigte. Für Eva-Maria Stange (SPD), Sachsens Kunst- und Wissenschaftsministerin, hätte das am Montag im Japanischen Palais dabei ein Termin von so vielen sein können. War es aber nicht.

Bedauern? Entschuldigung? Im öffentlichen Teil der Politik sind das nur selten genutzte Begriffe. Stange hatte sie sehr bewusst gewählt. Denn es war ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswerter Kontext, in dem sie ihre Bitte um Entschuldigung ausgesprochen hatte. Ging es doch um nichts weniger als um menschliche Gebeine, die eine irre posthume Reise hinter sich haben. Vor mehr als 100 Jahren waren sie aus Bestattungshöhlen in Hawaii gestohlen und direkt an das Museum für Völkerkunde Dresden sowie an Arthur Baessler, einen Mäzen des Museums, weiterverkauft worden. Bald darauf wurden die Gebeine Teil der anthropologischen Sammlung des Museums.

Nun jedoch werden die menschlichen Überreste – die „Iwi Kupuna“, die Gebeine der Vorfahren – ihre hoffentlich letzte Reise zurück in Richtung Pazifik antreten. Denn Sachsen hat sich entschlossen, „erstmals in seiner Geschichte menschliche Gebeine aus einem Museum an Vertreter des Ursprungslandes“ zurückzugeben, wie Stange unterstrich. Von hawaiianischer Seite machte vor allem Edward Halealoha Ayau, Verbindungsmann im Büro der hawaiianischen Angelegenheiten für internationale Rückführungen, darauf aufmerksam, wie lange das gedauert hat. „Unser Kampf begann 1991“, sagte er – und wird bei diesem Satz ebenfalls kurz von seinen Gefühlen übermannt.

Damals, vor 26 Jahren, wurden die ersten Anfragen von hawaiianischer Seite gestellt, in denen es um eine Rückführung jener Gebeine ging. Dass eine valide Antwort so lange gedauert hat, dürfte nicht nur an der Komplexität der damit verbundenen Provenienzforschung liegen. Doch die Gäste aus dem Pazifik machten es den Gastgebern leicht und lobten vor allem das nun endlich zustande gekommene Resultat. „Aloha“, dieser so vielfältig übersetzbare Gruß, war im Japanischen Palais eins der meistgehörten Worte.

Am Anfang stand dabei ein Ritual der hawaiianischen Gäste. Umrahmt von einem Sprechgesang, bekamen die Beteiligten auf deutscher Seite – allen voran Stange, Marion Ackermann als Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) und Nanette Jacomijn Snoep als Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen – zwar keine Blumenkette, aber ähnliche Wertschätzungen umgehangen, begleitet von herzlichen Umarmungen. Was dann folgte, war ein Parcours der Dankesreden. Und zwar einer der ganz seltenen seiner Art, der nicht von Langeweile geprägt war.

 Snoep machte den Anfang und sprach von „einem der wichtigsten Tage für unser Museum". Der Moment, als sich die hawaiianische Delegation am Vorabend mit der Museumsführung getroffen hatte und dann darum bat, mit den Gebeinen für eine Weile allein gelassen zu werden, „erinnert uns an unsere enorme Verantwortung“, sagte sie und fügte hinzu: „Heute rehumanisieren wir.“ Damit umschreiben die Fachleute den Prozess, in den Sammlungen befindliche Gebeine nicht mehr als Objekte, sondern als Überreste zu betrachten. Ein grundlegender Perspektivwechsel, der bei vielen anderen Aspekten von in Kolonialzeiten gesammelten Exponaten ebenso Not tut, wie nicht nur die anhaltenden Diskussionen um das Berliner Humboldt-Forum beweisen.

Kamana’opono Crabbe, CEO des Büros hawaiianischer Angelegenheiten, lobte die sächsische Seite für „den Mut, die Heilung auf den Weg zu bringen“ und sprach ihr eine Führungsrolle auf diesem Weg „in einer fortschrittlichen weltweiten Bewegung“ zu. Tief bewegt und sehr glücklich sei sie, sagte Ackermann. Die SKD hätten „ein sehr kritisches Auge darauf, wie einige Objekte zu uns gekommen sind“. Die Rückgabe bezeichnete sie als „einen Akt der Menschlichkeit“ und sprach ebenfalls ihr tiefes Bedauern aus.

Stange ließ nach der Zeremonie in einem kurzen DNN-Gespräch anklingen, dass die erfolgreiche SKD-Provenienzrecherche anhalten soll. Das Daphne-Projekt zur Provenienzforschung werde mindestens so lange finanziert, bis alle Exponate erfasst sind, inklusive der der Staatlichen Ethnografischen Sammlungen, die erst seit 2010 zu den SKD gehören, versprach die Ministerin. Das dürfte sicher auch dazu führen, dass in den kommenden Jahren noch weitere solche Termine anstehen. „Es war aus Sachsen die erste Rückgabe dieser Art – und es wird nicht die letzte sein“, hatte Stange ebenfalls wissen lassen. Ähnliche Forderungen aus Australien und Neuseeland sind jedenfalls in Bearbeitung. Es ist ein Puzzleteil in einem größeren Bild: dem einer Kooperation auf Augenhöhe mit Partnern wie denen in Hawaii.

Von Torsten Klaus

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