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Regional Dresdner Mimenbühne schließt nach 26 Jahren
Nachrichten Kultur Regional Dresdner Mimenbühne schließt nach 26 Jahren
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22:00 24.08.2018
Schüler und Lehrer - Arne König (24) hat das Handwerk der Pantomime bei Ralf Herzog (66) gelernt und kümmert sich um die Organisation des Pantomimefestivals.  Er ist nach dem Auszug der Mimenbühne als Gastkünstler im August Theater zu erleben. Quelle: Sabine Mutschke
Dresden

Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen“, sagte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki immer am Ende der Sendung „Das Literarische Quartett“. Definitiv zu bleibt nun auch der Vorhang der Mimenbühne, denn der Verein Mimenstudio e.V., der der Träger der Spielstätte ist und seit Jahren den Spielbetrieb weitgehend ehrenamtlich organisiert, zieht die Notbremse.

„Die Kraft ist zu Ende, die Finanzen sind es auch. Zuletzt war es nur noch das Ziel, fristgerecht zu kündigen und ohne Mietschulden heraus zu kommen“, wie Ralf Herzog, Vorsitzender des 1999 gegründeten Vereins Mimenstudio e.V., gestern gegenüber den DNN erklärte. Auch wenn Grigorij Kästner-Kubsch, der Leiter des August Theaters (mit dem die Mimenbühne eine Bühnengemeinschaft eingegangen war) im Pieschener Rathaus, noch mal ein Angebot gemacht hatte, die Miete zu reduzieren. „Es ging einfach nicht mehr, zu wenig Besucher fanden den Weg zu uns“, gesteht Herzog, der alle Fragen beantwortete, nur die zum Etat der Bühne nicht.

Wie auch immer: Damit ist die Mimenbühne, die 1992 vom mittlerweile 66-jährigen Herzog gegründet wurde und eine der wenigen Pantomimenbühnen mit eigener Spielstätte hierzulande war, Geschichte. Das Ensemble zeigt zum Abschluss des 35. Dresdner Pantomime-Festivals seine letzte Vorstellung und löst sich danach auf. Ebenso der Verein, der zuletzt ein Dutzend Mitglieder hatte.

Rund 20 eigene Inszenierungen hat das Ensemble unter Herzogs Leitung in den vergangenen 26 Jahren erarbeitet, darunter etwa das nonverbal obskure Maskentheaterstück „Restaurant Fatal“. Auf mehr als 40 Vorstellungen im Jahr kam man allerdings zuletzt nur noch. „Wir hätten stärker in die Werbung investieren müssen, aber dafür fehlten die Mittel“, sagt Herzog, der bereits in der Schule seine Liebe zur Pantomime entdeckte und entsprechend bald sein 55-jähriges Bühnenjubiläum feiern kann.

1000 Euro hätte man im Monat gebraucht, um Miete und Techniker bezahlen zu können und den Spielbetrieb in einer eigenen Spielstätte aufrecht zu halten. Die hatte die Stadt nicht, wobei Herzog einräumt, dass man in den letzten Jahren auch nicht mehr den Versuch unternahm, nachdem alle Anläufe davor abschlägig beschieden worden waren. Und so einen Förderantrag zu stellen sei „Vollbeschäftigung“, wie Herzog trocken kommentiert. Umzüge prägten die Geschichte der Mimenbühne, erst 2014 war die Mimenbühnen nach drastischen Mieterhöhungen von 300 Prozent im Theater auf der Maternistraße in das Rathaus in Pieschen gezogen.

Während für den Spielbetrieb nie ein Heller abfiel, kam das Internationale PantomimeTheaterFestival durchaus in den Genuss einer finanziellen Förderung. Die 35. Auflage vom 8. bis 11.11. kann ohne Einschränkungen stattfinden. Neben Workshops werden sechs Vorstellungen angeboten, darunter eine Kindervorstellung und die beliebte Improvisationsshow zum Abschluss, wie Arne König gestern erklärte, der die organisatorische Leitung übernimmt. Diese Tradition soll erhalten bleiben. Dafür will sich das August Theater zusammen mit Jan Romberg, einem langjährigen Mitglied des Mimenstudios Dresden e.V., der inzwischen aber in Berlin zu Hause ist, engagieren. Überhaupt will Kästner-Kubsch vom August Theater die Sparte Pantomime fortführen, so plant er regelmäßige Gastspiele. „Diese sind in diesem Genre generell der Trend“, räumt Herzog ein. Wer von der Kunst ohne Worte leben wolle, reise als Solist oder im Duo. Grundsätzlich biete eine Inszenierung mit großem Ensemble zwar „künstlerisch gesehen mehr Facetten – doch alles hat seine Zeit. Also Deckel zu und Blick nach vorn“, sagt Herzog, der übrigens am Begriff Pantomime festhält, aber durchaus weiß, dass heute eher von „Physical Theatre“ die Rede ist – und dieses Bewegungstheater deutlich populärer ist als die gute alte Pantomime.

www.pantomimefestival-dresden.de

Von Christian Ruf

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