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Regional Dresdner Kunstsammlungschef: Dresdner Barock undenkbar ohne Weltoffenheit
Nachrichten Kultur Regional Dresdner Kunstsammlungschef: Dresdner Barock undenkbar ohne Weltoffenheit
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17:12 09.09.2015
SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer Quelle: dpa
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Dresdens berühmte Museen hüten Schätze aus aller Welt. Vor allem die ethnografischen Bestände müssen im Dialog mit den Kulturen erschlossen werden, aus denen sie stammen, sagt der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen, Hartwig Fischer, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur:

Frage: Was sind Ihre Vorstellungen und Pläne für die SKD?

Antwort: Wir befinden uns in großen Entwicklungen, die Frage der Weltoffenheit steht dabei im Mittelpunkt. Unsere Sammlungen sind ja zu ganz erheblichem Teil entstanden, weil man an diesem Ort neugierig war auf die Welt, auf die Anderen. Und diese Anderen haben hier tiefe Spuren hinterlassen: Der Dresdner Barock ist ohne italienische und französische Architekten, ja ohne die Einflüsse aus China und Japan undenkbar. Die Sammlungen sind auch undenkbar ohne Interesse und Leidenschaft für Indien, das Osmanische Reich, Afrika, Südamerika, Ozeanien. Darauf sollten wir uns besinnen: Dresden ist eine Stadt der Weltkulturen.

Ist das auch ein Anspruch als Forschungseinrichtung?

Ja, für alle Museen. Was die Ethnografischen Sammlungen betrifft, so haben wir einen wichtigen Entwicklungsschritt vor uns. Sie müssen sich neu orientieren und neu ausrichten. Auf der Grundlage großartiger Bestände, den zweitgrößten in Deutschland, gilt es, zwischen den Sammlungen der SKD einen Weltdialog zu führen. Und auch einen Dialog mit der Welt, durch langfristige Kooperationen mit Partnern in Indien und China, und hoffentlich bald auch in Ländern Afrikas. Die Welt wird größer für die SKD.

Was bedeutet Neuausrichtung der Ethnografischen Sammlungen?

Ihre historischen Bestände stehen für einen markanten Abschnitt in der Entwicklung der Globalisierung, denn sie sind nicht denkbar ohne die problematische Geschichte des Kolonialismus und der Ausdehnung vor allem der europäischen Staaten und der USA mit imperialistischer Beherrschung großer Teile der Welt bis ins 20. Jahrhundert. Viele Kulturen sind dabei verändert und auch zerstört worden. Die zigmillionenfach von dort nach Europa gelangten Kulturobjekte zählen oft auch zu den wichtigsten erhaltenen Zeugnissen dieser Kulturen. Man muss sich dieser historischen Umstände bewusst sein. Dazu gehört, dass man erklärt, woher die Dinge kommen. Die Sammlungen müssen im Gespräch mit Menschen aus diesen Kulturen erschlossen werden, aus denen sie stammen. Vor allem müssen die Museen den Dialog zwischen den europäischen und den Kulturen anderer Kontinente fördern, um eines Tages wirklich von einem Museum der Kulturen der Welt sprechen zu können.

Worauf freuen Sie sich 2015?

Am meisten auf die intensive Zusammenarbeit in unseren Museen, in Stadt und Land und darüber hinaus, weltumspannend. Sie wird in neue geistige und künstlerische Territorien führen. Dabei werden wir die Sammlungen bewahren und pflegen, erneuern und zum Strahlen bringen. Das ist das Besondere an Dresden: Es hat große und ehrwürdige Sammlungen höchsten Ranges, aber auch eine unglaubliche Vielfalt von Kulturen, die es zu entdecken gilt. Damit sind wir mitten in den brennendsten Frage der globalisierten Welt: Wie artikuliert man die Verständigung zwischen Kulturen, wie führt man das Gespräch „von Haus zu Haus“. Wir werden über die etablierten Grenzen unserer traditionellen Fächer hinausgehen müssen, um eine Antwort zu finden. Die Herausforderung ist, mehr als ein Museum zu werden.

dpa

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