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Dresdner Komponist Friedbert Streller gestorben

Verlust Dresdner Komponist Friedbert Streller gestorben

Noch im Herbst nahm der Dresdner Komponist Friedrich Streller Anteil am hiesigen Musikgeschehen. Nun ist er kurz nach seinem 86. Geburtstag nach einer Krankheit gestorben. Ein Nachruf.

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Friedbert Streller

Quelle: Komponistenlexikon

Dresden. Fleißig war er sein ganzes Leben. Friedbert Streller hat es nahezu vollständig in den Dienst der Musik gestellt. Fleißig geblieben ist er bis fast zuletzt. Noch bis in den Herbst hinein nahm er Anteil am Musikgeschehen in seiner Heimatstadt, zu der dem 1931 in Hohnstein Geborenen Dresden über die Jahrzehnte geworden ist, und schrieb über „Trojaner in Nöten“ (Berlioz’ „Les Troyens“ an der Semperoper), über „Smetanas Stromschnellen“ (einem Philharmonie-Konzert mit der „Moldau“ und Beethovens 8.) und „Leben in Einsamkeit“ (Mahlers 8. mit der Staatskapelle) bis hin zum letzten „Gloria“ des Fördervereinsorchesters der Dresdner Philharmonie.

Geschrieben hat Friedbert Streller sein ganzes Leben lang. Bis es wirklich nicht mehr ging. Die letzten Monate dürften eine Qual gewesen sein – weil es mit dem Schreiben nun vorbei war, da die Krankheit ihn vollständig im Griff gehabt hat. Wenige Tage nach seinem 86. Geburtstag ist Friedbert Streller gestorben.

Für die Familie stehen nun die Trauerarbeit sowie der Umgang mit dem reichhaltigen Nachlass an. Für die Nachwelt steht die Frage, was bleibt?

Da in unserer atemlosen Zeit kaum etwas kurzlebiger ist als Zeitungsartikel, dürften die unzähligen Rezensionen, die Friedbert Streller in all den Jahren für die Sächsische Zeitung verfasst hat, heute kaum mehr ins Gewicht fallen. Dabei hat er hellhörig und wachen Auges kritisch verfolgt, was sich an den Bühnen und auf den Konzertpodien zwischen Dresden, Leipzig und Chemnitz abgespielt hat. Seine Kommentare dazu sind stets von einem profunden Wissen gespeist worden, klangen aber nie besserwisserisch. Auch in etablierten Monatszeitschriften wie Theater der Zeit hat er publiziert, vor allem aber sind seine biografischen Annäherungen an geschätzte Vorbilder wie Aram Chatschaturjan, Paul Hindemith, Sergej Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch von bleibendem Wert. Als Mitglied der Schostakowitsch-Gesellschaft verfolgte er kenntnisreich, wie das Schaffen des großen Vorbilds im Wechsel der Zeitläufte bewertet und gepflegt worden ist, insbesondere bei den Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch zählte Streller mit zu den Stammgästen.

Da der streitbare Musikkritiker sein Wissen bis 1990 auch als Dozent an der Dresdner Musikhochschule jüngeren Generationen weitergegeben hat, ist anzunehmen, dass sich viele der heute in diesem Fach Tätigen auf ihn und seine Erfahrungen berufen. Vor allem aber steht ein umfangreiches kompositorisches Werk zu entdecken. Friedbert Strellers Œvure umfasst Kammermusik und Motetten, Titel wie die „Thomas-Müntzer-Suite“ von 1989 und „Ich sah die heilige Stadt“ (1996) verraten inhaltliche Bezüge. In den vergangenen Jahren forcierte der bei Fred Lohse ausgebildete Komponist sein sinfonisches Schaffen und schuf zwischen 2004 und 2012 sechs Sinfonien, deren erste er Schostakowitsch gewidmet hat. Zuletzt ist noch im vergangenen Jahr das Konzert „Versatzstücke“ für Klavier und Orchester entstanden.

Von Michael Ernst

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