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Regional Dresdner Initiativen pochen auf Gemeinwohl
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07:00 22.06.2018
Mit einem Flashmob an der Rosenstraße machten die Beteiligten auch visuell auf ihre Initiative aufmerksam. Quelle: Bastian Löhrer
Dresden

Hinter den Dingen vermuten einige spirituell Größeres. Meist liegen hinter den Dingen aber wieder „nur“ andere Dinge, oft miteinander verflochten, kleine wie große. Für die kleinen Dinge steht in dieser Geschichte die angespannte Raumsituation der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft (DNN berichteten), für die großen Begriffe wie Stadtentwicklung, Vorstellungen eines modernen urbanen Zusammenlebens – und nicht zuletzt Gemeinwohl. All das waren Schlagworte beim Pressetermin der Initiative „Na dann machen wir mal“, die sich sehr bewusst an den Dresdner Slogan „Na dann mach doch“ zur Kulturhauptstadt-Bewerbung anlehnt, ihn sozusagen aufgreift, beantwortet, weiterführt.

Unter dem Titel „Na dann machen wir mal“ haben sich Dutzende Dresdner Netzwerke, Vereine und Einrichtungen aus dem weiten Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft zusammengetan. Federführend ist der Verein Konglomerat, der an der Rosenstraße/Ecke Jagdweg sein Domizil in einer eher gewerbegebietähnlichen Nachbarschaft gefunden hat, wo er vor allem eine ganze Reihe offener Werkstätten zur Verfügung stellt. Von heute bis zum Sonntag richtet der Verein außerdem vor seinen Toren das Straßenfest Konstruktival aus.

„Kultur des Miteinanders“ umriss Felix Rüdiger von Konglomerat das Credo seines Vereins und dockte damit ebenfalls an einem jüngst von Stadtseite, genauer von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ausgerufenen Slogan an. Diese Kultur könne aber nur umgesetzt werden, wenn es dafür Räume gebe. Dabei sind gerade verschiedene Rezepte gegen die sich in dieser Hinsicht wieder verschärfenden Engpässe für die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Diskussion.

Einerseits weitet die Stadt ihr Programm der Kreativraumförderung weiter aus. 25 neue Projekte werden mit insgesamt 100 000 Euro unterstützt, wie die Stadt mitteilte. Zudem eröffnet die Kreativraumagentur von Torsten Rommel, der auch Geschäftsführer des Künstlerbundes Dresden ist, am Montag ein Büro in der Neustadt, im Hinterhaus auf der Louisenstraße 9. Rommel bezeichnete den Standort als sehr wichtig. Er weiß, was auf ihn zukommt. „Es ist ein seit Jahren drängendes Problem.“

Ähnlich sieht das auch Stadtrat Torsten Schulze (Bündnis90/Die Grünen). Das Thema sei schon 2011 im 1. Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht der Stadt benannt worden. Mittlerweile spricht er aber von einem Umdenken in der Stadtverwaltung. Es sei jedoch noch nicht gelungen, „ein städtisches Grundstück für Kultur- und Kreativschaffende einzurichten“. Dafür machte Schulze die Grundstückspolitik des Liegenschaftsamtes verantwortlich. In der Vergangenheit sei viel in Gewerbegebiete und Innovationszentren investiert worden. „Ein ähnliches Engagement braucht es auch im Kultur- und Kreativwirtschaftsbereich.“

In dieses Horn stieß ebenfalls Anja Osiander von der Initiative „Wohnen am Leipziger Bahnhof“. Sie sprach von einem neuen kreativen Entwurf für die Stadt. „Das ist der historische Moment, wo wir die ganzen Nöte, die hier beschrieben worden sind, aufgreifen können“, sagte sie – und verwies vor allem auf das nördliche Areal der großen Fläche in der Nähe des Neustädter Bahnhofs, für die die Weichen noch nicht gestellt sind. Dort könnten, mit Hilfe des Stadtrates, unkonventionelle Lösungen entstehen, die den Mangel an kostengünstigem Wohnraum beheben sollen – aber nicht nur den.

Für Paul Elsner vom Verein Geh8, der einen Kunstraum und Ateliers umfasst, ist das alles „längst überfällig“. Die Kulturhauptstadt-Bewerbung sieht er als Chance, dass sich freie Kulturakteure in die Diskussion um die städtische Zukunft besser einbringen können. Außerdem plädiert er für bessere Unterstützung der Kultur- und Kreativszene, ähnlich der Wirtschaftsförderung. Beim Problem bezahlbarer Räume ist für ihn auch eine Zusammenarbeit mit privaten Immobilieneigentümern vorstellbar, mit denen die Stadt Zuschüsse vereinbaren könnte.

Carsten Ungewitter vom Verein Elixir fasste seine Vorstellung so zusammen: „Die Stadt muss ihre Flächen behalten, um damit weiterhin Stadtentwicklung betreiben zu können.“ Kulturhauptstadt sei zwar ein schönes Thema, fügte Ronald Kämmerer von Think Tank Music an, aber nur ein einmaliger Titel. Hier aber gehe es um mehr, um die Zukunft und die Frage: Wie soll die Gesellschaft aussehen? Dafür hoffen die Beteiligten, in Dresden neue Wege gehen zu können. Und dafür braucht es Räume, drinnen wie draußen.

www.konglomerat.org

Von Torsten Klaus

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