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Regional Dresdner HfBK-Studenten stellen Kostüme aus
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08:40 19.04.2018
Kostümplastiken „Science Fiction“ des Studienganges Kostümgestaltung im Palais Großer Garten Quelle: Hartmut Schütz
Dresden

 Wieder zurück im Palais Großer Garten ist in diesem Frühjahr die Jahrespräsentation der Studienrichtung Kostümgestaltung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, deren Studentinnen (Lena Baumann, Lisa Marie Bondzio, Andrea Fippl, Constanze Möller, Anja Rau, Luana Schnasse Andreotti, Luisa Thiel, Romy Viehrig, Neele Löning und die Diplomandin Katharina Korb) in den Räumen des Erdgeschosses ihre Arbeiten unter dem Titel „Zeitsprünge X“ zeigen. Darin wird die breit gefächerte Ausbildung bereits mit Blick auf das Diplom summiert. Die Korrespondenz der Kostümentwürfe und plastischen Gestaltungen mit den im Palais untergebrachten Skulpturen verstärkt die Wirkung für den Betrachter dabei auf bemerkenswerte Art. Schließlich bezieht sich ein Teil der Exponate auf historische Vorlagen mit einer Spanne von rund 400 Jahren.

Die genaue Kenntnis früherer Bekleidung von den Hofgewändern des elisabethanischen England bis hin zur frühen Kletterausrüstung einer Dame um 1900 oder die Neuinterpretation einer antikisierenden Opernfigurine von 1680 zeigt sich an den Gewändern, die in der großen Halle gezeigt werden. Hier trifft sich das im Studium erworbene kunsthistorische Rüstzeug mit Handwerkskunst, denn die Grundlage ist und bleibt eine abgeschlossene Schneiderausbildung. Dennoch geht es nie um minuziöse Nachbildungen musealer Ausstellungsstücke, sondern um bühnentaugliche Ausstattungen.

Um sich nach dem Studium der Kostümgestaltung widmen oder als Gewandmeister am Theater arbeiten zu können – wofür die Chancen dank der Einmaligkeit des international hoch angesehenen Dresdner Studienganges sehr gut sind – müssen alle Kenntnisse und Fertigkeiten auf diesem Gebiet zusammenfinden: Idee, Entwurf, Materialwahl, Kalkulation und Herstellung lagen jeweils in einer Hand. Jede Studentin hat den Werdegang ihrer Arbeit dokumentiert und Fotografien zeigen die Wirkung der Kostüme, wenn sie von Darstellern getragen werden.

Mit viel Fantasie und ausgefallenem Material haben die Studenten die Kostüme gestaltet.

Ein Blick „hinter die Kulissen“ lohnt, denn im Detail wird offenbar, wie stark mit dem Mittel der Illusion gearbeitet wird: Neben Stoffen kommen als Materialien Kunststoffe, Papier und Farben ebenso zum Einsatz, wie Baumaterialien. So verwandelt sich Folie zur Trittschalldämmung durch Zuschnitt und Farbgebung in täuschend echt wirkende Federbüsche und gedruckte oder illusionistisch gemalte Ornamente spiegeln aufwendige Stickereien vor. Dass die ökonomische Seite der Arbeit bei Theater oder Film nie aus dem Blick gerät, verraten die den Kostümen beigegebenen Zahlen: Wenige hundert Euro fürs Material stehen schon einmal 400 Arbeitsstunden für die Anfertigung gegenüber.

Die äußeren Räume sind fantasievollen Entwürfen gewidmet, die ohne eine zeitliche Festlegung auskommen. Gleich am Eingang werden die Besucher von Wesen empfangen, die durch Comics und Science-Fiction inspiriert wurden. Obwohl alle bei flüchtiger Betrachtung den Eindruck lebensgroßer Plastiken erwecken, sind auch dies Kostüme, die für einen Darsteller maßgeschneidert wurden und die volle Beweglichkeit zum Spiel ermöglichen müssen. Entsprechend verarbeitete und bemalte Schaumstoffe wirken hier wie schweres Metall oder eine stabile Panzerung. Die Ausstellung beschließen Arbeiten aus leichten, auch transparenten Materialien vom Tutu für den Tanz bis zum freien Spiel mit Formen. Hier wird eine weitere Ebene hinter der Beschäftigung mit dem An- und Verkleiden oder der Inszenierung von Person und Persönlichkeit präsent. Bildtafeln erlauben als Gegenpol Einblicke in die nötigen Techniken zur künstlerischen Produktion.

Das Wechselspiel von Sein und Schein, die Möglichkeiten, dem Irrealen, dem Fantastischen reale Gestalt zu geben und die Meisterschaft im Handwerklichen wie im Künstlerischen vereint „Zeitsprünge X“ auf anregende Weise. Auch das eingehende Interesse der Besucher zeigt, dass hier mehr als eine studentische Werkschau gelungen ist. Dank des ehrenamtlichen Engagements des Fördervereins Palais Großer Garten e.V. ist die Ausstellung wieder im Palais zu sehen und das an fünf Tagen der Woche.

Bis 29. April, Palais Großer Garten: ZEITSPRÜNGE X – Jahrespräsentation des Studienganges Kostümgestaltung der Hochschule für Bildende Künste Dresden

Geöffnet: Mi-Fr 14-18 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr

Von Hartmut Schütz

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