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Dresdner Beitrag für die Weltkunst

Ausstellung Dresdner Beitrag für die Weltkunst

In einer Zusammenschau von Kunstwerken der Dresdner geometrisch-konstruktiven Kunst von 1920-2016 zeigt die Galerie Gebr. Lehmann bisher zum Teil noch Unbekanntes. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Mitbegründer der Dresdner konstruktivistischen Kunst Hermann Glöckner

Blick in die Ausstellung.

Quelle: Heinz Weißflog

Dresden. In einer Zusammenschau von Kunstwerken der Dresdner geometrisch-konstruktiven Kunst von 1920-2016 zeigt die Galerie Gebr. Lehmann bisher zum Teil noch Unbekanntes: Objekte und Bilder wurden beziehungsvoll arrangiert, sodass man Verbindungslinien zwischen den einzelnen Künstlern herstellen kann. Die Aussstellung, die bereits im Sommer in Berlin zu sehen war, kuratierte die Dresdner Kunstwissenschaftlerin Susanne Altmann. In einer Info-Mappe erklärt sie die vielfältigen Begegnungsmomente zwischen den einzelnen Arbeiten, Ähnlichkeiten und Unterschiede im Kontext der geometrischen Kunst in Dresden, aber auch die individuellen Befindlichkeiten und Freundschaften der Künstler. Besonders interessant ist ihr Exkurs in die komplizierten Jahre mit der unseligen Formalismusdebatte ab 1951 in der DDR, die es vielen Künstlern schwer machte, von ihrer Kunst zu leben und die sich in Brotberufen verdingen mussten, wenn sie nicht, wie einige wenige, an staatlichen Aufträgen arbeiteten.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Mitbegründer der Dresdner konstruktivistischen Kunst Hermann Glöckner (1889-1987). Gerade in den intimen Schöpfungen und Formenspielen, wie „Zehn Blechbüchsen in zehn Farben“ und den Farbobjekten „Ensemble aus 8 farbigen Baukörpern“ geben die Aussteller Einblick in die Experimentierstube des Künstlers. Im Dialog dazu steht eine Temperaarbeit des Meisters, die 1950 entstand und eine Landschaft mit Fachwerkhäusern zeigt, in der sich Glöckner mit geometrischen Formen auseinandersetzt. Während er bereits in den 20er Jahren konstruktivistisch arbeitete und in der NS-Zeit ausgegrenzt wurde, setzte sich der Künstler in der DDR besonders mit baugebundenen Arbeiten durch. Die beiden in der Genossenschaft „Kunst am Bau“ wirkenden, architekturnahen Künstler Karl-Heinz Adler (geb. 1927) und Friedrich Kracht (1925-2007) entwickelten schon in der DDR praxisnahe, geometrische Konzepte für den öffentlichen Raum. In der Ausstellung sind beide mit freien Arbeiten zu sehen, darunter das aufgesockelte Objekt „Segel mit schwarzen Streifen“ von 1998 und die Wandinstallation mit einer Auffaltung von Edelstahlsegmenten „Räumliche Schichtung mit seriellen Elementen“, eine frühe Arbeit aus dem Jahr 1960 von Karl-Heinz Adler. Friedrich Krachts schwarz-weiße, modulare Formenspiele „Gruppenwandlung, Blatt 1-5“ (1989), die an Arbeiten von Sol LeWitt (amerikanischer Konzeptkünstler) erinnern, ordnen sich in den Raum neben die Scraperboards von Inge Thiess-Böttner (1924-2001), die mit ihrem lyrischen Geometrismus geschwungener Kreis-und Dreiecksformen poetische Akzente setzt.

Manfred Luthers (24 Grundformen der Geometrie = sein „geometrisches Alphabet“) gipfeln in der Auseinandersetzung mit dem Kreis als absolute Form, von denen drei wesentliche Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sind. Der Maler-Philosoph (1925-2004) war Autodidakt und hatte zu DDR-Zeiten, trotz seiner wegbereitenden Formenexperimente, kaum Aufmerksamkeit erfahren. Durch die Vermittlung der Kunstwissenschaftlerin Ingrid Adler, die in Vorträgen, Veröffentlichungen und Ausstellungen die Öffentlichkeit mit der konkreten Kunst bekannt machte, gelangte Manfred Luther in Freundeskreis von Karl-Heinz Adler, zu dem auch der im Brotberuf als Zahnarzt praktizierende Wilhelm Müller gehörte. Man stellte vor allem gemeinsam aus. Müller ist hier durch seine gereihten Löffelstielabdrucke und eine Arbeit mit Farbfeldmalerei vertreten. In der „Galerie Artefakt“ wurden die Arbeiten des Dresdner Konstruktivisten bereits 1988 in der Wohnungsgalerie von Frank und Ralf Lehmann vorrangig präsentiert.

Olaf Holzapfel (geb. 1969) knüpft mit seinen Holzmodulen an traditionelle Bauformen an, die einem Fachwerk ähneln, aber keine andere Funktion haben als nur die intensive Beziehung zum Raum (auch in die Landschaft gesetzt). 2014 hatten er und der mit ihm befreundete Maler Karl-Heinz Adler eine gemeinsame Ausstellung in der Galerie Gebr. Lehmann. Leoni Wirths Konstruktionen (Plastiken aus Draht, Glas, Holz, Blech, Karton und Papier) streben immer in sich ausbalanciert in die Vertikale. Sie sind an floralen Gewächsen und mechanischen Konstrukten orientiert, die sich zu seltsamen Fantasiegebilden steigern. Leoni Wirth (1935-2012) hat in der DDR als Raumplanerin gearbeitet und ist durch ihre zahlreichen Brunnenplastiken bekannt geworden, wie auf der Prager Straße und am Pirnaischen Tor. Günther Hornigs (1937-2016) leicht in den Raum greifende, komplementärfarbigen Sperrholzbilder (Hornigs Werk ist an der Pop Art orientiert) spielen mit der Struktur der bemalten Hölzer und Kartons und vermitteln, nicht leicht zugängliche, emotionale Botschaften.

Stefan Schröder (geb. 1966) pflegt einen geometrischen Minimalismus aus Punkten und zeichenhaften Formen, der an das Piktografisch-Buchstabenhafte der Visuellen Poesie heranreicht. Seine Kunst kommt aus der „avantgardistischen Klarheit Müllers, Glöckners und Adlers (S. Altmann) und beschwört die einfache Form. Schließlich sind ein Objekt (an der Decke hängend) und ein Video der seit 2013 in Berlin lebenden Bildhauerin Ursula Sax (geb. 1935) in der Ausstellung vertreten. Die ehemalige Professorin an der HfBK Dresden vertrat zunächst abstrakte und konstruktivistische Positionen in der Plastik, wie das Video, eine Hommage an Oskar Schlemmer mit Computer animierten geometrischen Objekten zeigt. Als willkommener Gast ist der seit 2003 in Dublin/Irland lebende A.R. Penck (geb. 1939 in Dresden) mit einigen Arbeiten vor Ort präsent: Die informellen Monotypien und auch das 1974 entstandene Temperabild „Kleine dialektische Repräsentation“ bezeugen den unbedingten Willen nach Originalität und Erneuerung der Kunst. Der Ausnahmekünstler wurde 1980 ausgebürgert und ging nach dem Westen. Mit seinen aus der Archaik entwickelten mythischen Bildzeichen und unkonventionellen Pfeil und Strichformen mischte er mutig die deutsche Kunstszene auf.

Bis 21. Dezember. Galerie Gebr. Lehmann, Görlitzer Straße 16, 01099 Dresden. Kontakt: 0351/801 17 83 www.galerie-gebr-lehmann.de geöffnet: Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr

Von Heinz Weißflog

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