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Regional Dresdner Band Chief in the Garden zum Record-Release im Thalia
Nachrichten Kultur Regional Dresdner Band Chief in the Garden zum Record-Release im Thalia
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17:26 09.09.2015

Vielleicht sogar schon fast zu viel des Guten, so dass man am Ende des Konzertes im Thalia Kino gar nicht weiß, wohin mit der ganzen positiven Energie.

Alle Mitglieder der Band überzeugen an ihren Instrumenten - und die sind in der Tat keine gewöhnlichen. Träumerle. Carina Müller wechselt zwischen Mikrofon, Gitalele und Hang (letzteres ist eindeutig das sogenannte i-Tüpfelchen für den Sound), die Gitarristen Alexander Zahn und Johannes Möser liefern die sphärische Basis für die Lyrics, und Schlagzeuger Michael Gramm lässt neben den Drums auch mal ein Glockenspiel, einen Regenmacher oder sein Flügelhorn erklingen.

Doch das Markenzeichen der Band ist definitiv Carinas Gesang. So zaghaft, wie sie in den durch die Gitarren erzwungenen Stimmpausen mit dem Publikum spricht, so singt sie auch. Zugegeben, bei der zierlichen Figur hätte man auch keine Whiskey-geschwängerte Rock-Röhre oder eine Soulstimme à la Nina Simone erwartet. Carina schwelgt in ganz anderen Sphären. Klar, (manchmal zu) zurückhaltend, sehr bedächtig, aber durchweg intensiv und emotional ist sie.

Wie perfekt aufeinander abgestimmt wirken die Stimmfarben, wenn Carina mit Alexander und Johannes im Trio oder Duett singt. So erinnern "Lying beside you" oder "Heartbeat" an die wunderbaren Talking to Turtles. Wenn Carina ihre Stimme in höhere Lagen wandern lässt, huscht eine Assoziation zu Portishead im Kopf vorüber. Chief in the Garden machen Wohlfühl-Songs, Glücks-Lieder, ehrlich und handgemacht. Folkig, poppig - aber nicht austauschbar. Die vier Musiker beweisen einen hohen Wiedererkennungswert dank Stimme, Instrumentation und durchaus auch dank der nicht starr übernommenen Popsong-Strukturen.

Das einzige Manko der Band ist die Aufregung. Es gibt bestimmt keine Gruppe auf der Welt, die bei ihrem Record-Release-Konzert nicht nervös ist, doch schadet das dem Zusammenspiel innerhalb der Band und der Wirkung der Musik. Wir lernen: Das richtige Maß an Nervosität gibt manchem Musiker den letzten Kick, auf der Bühne sein Können zu zeigen, manch anderem verbaut es das wichtige, vertraute Sich-wohl-fühlen-und-den-Song-spüren-Gefühl. Von daher wünscht man sich die ersten fünf Songs am Ende gleich noch mal. Mit der gleichen Intensität, Homogenität und dem gleichen Mut wie die letzten Stücke des Abends. Denn mit abnehmender Nervosität wächst die durchdringende Musikalität der Band. Bis es alle im Raum fühlen, dieses Glück im Bauch.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.12.2014

Annette Thoma

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