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"Dresdner Ballettgala" in der Semperoper in Dresden

"Dresdner Ballettgala" in der Semperoper in Dresden

Was für Tänzer! Welch Freude! Und wie auch immer die Gäste der Dresdner Ballettgala in der Semperoper das eine oder andere Werk aufgenommen haben - sie sind sich einig darin, Herausragendes erlebt zu haben, feiern die Mitwirkenden enthusiastisch.

Und dabei die Tänzer vom Semperoper Ballett gleichermaßen wie die außergewöhnlichen Gäste - erstrangige Solisten aus Berlin und Hamburg, die Dresden und dem Ensemble auf besondere Weise verbunden sind.

Als Ballettchef Aaron S. Watkin zu Beginn der Gala bemerkte, seine Vision sei es, die Grenzen zwischen dem Klassischen und Zeitgenössischen Tanz aufzuheben, hat er das nicht von ungefähr gesagt. Wie ernst es ihm mit dem Anspruch ist, beweisen er und seine neu formierte Company mit Kontinuität seit dem Start 2006 in Dresden, und dieser ist ebenso spürbar in der Ballettgala zum Abschluss der vielseitigen Ballettwoche. Auch die kontrastreiche Programmaufstellung dokumentiert auf sympathische Weise, dass hier mit berechtigtem Selbstbewusstsein und aus eigener Kraft durchweg Qualität geboten wird.

Es hätte zu besagter Vision und zum Auftakt der Gala wohl kaum ein besseres Beispiel geben können als "The Vertiginous Thrill of Exactitude" von William Forsythe zu Schuberts Großer C-Dur Sinfonie, uraufgeführt 1996 mit dem Ballett Frankfurt. Er selbst hatte es als "perfekte Stilübung in Sachen neoklassisches Ballett" bezeichnet, und nach wie vor spürt man, zumal von Laura Graham einstudiert, diese pure Tanzirritation, lustvoll und gekonnt herübergebracht.

Dass Aaron S. Watkin irgendwann mal noch seinen Durchbruch als choreografische Begabung haben könnte, ist wohl auch nach dem jüngsten Versuch mit dem Pas de Deux zu "Romeo und Julia" eher nicht zu erwarten, dafür zeigt er einfach zu wenig eigene Bewegungsfantasie. Aber immerhin fügt er manches zusammen, und mit Natalia Sologub und Istvan Simon stehen ihm so gute Tänzer zur Seite, dass sie die Schwächen der "choreografischen Uraufführung" fast schon vergessen lassen.

Das Grand Pas de Deux aus "Le Corsaire" von Marius Petipa ist ein allseits beliebtes Gala-Stück. Aber das besondere Glück an diesem Abend ist: Wir haben es mit Polina Semionova und Dmitry Semionov erleben können. Die beiden Gäste vom Staatsballett Berlin (Semionov war und ist immer wieder in Dresden) tanzen es ganz ohne Tutu und Trara, mit einem so schönen Selbstverständnis und natürlicher Eleganz, als wären sie geradewegs zum "Frühstück bei Tiffany" geladen. Ein Tanz-Geschwisterpaar der Extraklasse, eine Tänzerin, die jeden Ruhm verdient.

Beim nachfolgenden Finalstück "Diamanten" aus dem "Juwelen"-Zyklus von George Balanchine ist Glanz und Glimmer Programm, und das Ensemble schreitet zu Tschaikowski-Musik, musiziert von der Staatskapelle Dresden unter Leitung von David Coleman, bekanntermaßen effektvoll über die Bühne.

Da geht es nach der Pause glücklicherweise kontrastreich mit einem Ausschnitt aus dem Ballett von Mats Ek "Sie war schwarz" zur drangvollen Musik von Henryk M. Gorecki (als Einspiel vom Tonträger etwas laut) weiter, und in dieser verknappten Form lässt das 1995 entstandene Stück des schwedischen Choreografen kaum mehr Besinnung zu, verliert sich aber auch nicht in der "Weite". Es ist von einer kraftvollen, dynamischen Bewegungssprache, und da kann es schon zum Ereignis werden, wenn Tänzer den Höhenunterschied von Stufen zum teuflisch hinkenden Auftritt nutzen.

Immer wieder eine Entdeckung auch "Vertigo Maze" (ebenso als Ausschnitt) von Stijn Celis, mit einer irren Bewegtheit der Tänzer. Und dann das großartige Pas de Deux aus "Giselle" von David Dawson - mit Yumiko Takeshima und Raphael Coumes-Marquet! Das mag man oder auch nicht; es ist eine spezielle, temporeiche, fast schon ausgeklügelte Herausforderung an die Darsteller, und diese sind hervorragend. Wie auch in "Canon in D-Major" das unglaubliche Männertrio mit Jiri Bubenicek, von dem die Choreografie stammt, seinem Zwillingsbruder Otto Bubenicek als Gast vom Hamburg Ballett sowie Jon Vallejo. Tanz vom Feinsten und irgendwie auch nicht mehr in Worte zu fassen - eine Kunst zum Schauen, Hören, Erspüren. Bezeichnend auch, dass zur Gala Studierende der Palucca Hochschule für Tanz mit einer eigenwilligen Choreografie von Anabelle Lopez Ochoa dabei sind. Da muss es einem um nachwachsende Qualitäten nicht bange werden.

Zum Abschluss der Gala gibt es als Ausschnitt das vom Semperoper Ballett in "3 Farben Weiß" uraufgeführte Stück des italienischen Tänzers und Choreografen Jacopo Goldani, der fast ein Jahrzehnt zum Frankfurt Ballett gehörte. In "Spazio-Tempo" mit der vom Tonträger eingespielten Musik von 48nord Ulrich Müller & Siegfried Rössert spürt man so intensiv die suggestive, eindringliche Zwiesprache zwischen Körper und Raum, dass auch jeder im Zuschauerraum unmittelbar in diesen bewegten Klangrausch einbezogen ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.10.2011

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