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Dresdner Ausstellung zeigt Olympia-Plakate von München 1972

Dresdner Ausstellung zeigt Olympia-Plakate von München 1972

Drei Mal in den letzten 100 Jahren war Deutschland Gastgeber Olympischer Sommerspiele - zuletzt 1972 in München. Damals richteten sich alle Augen gespannt auf die noch junge BRD.

36 Jahre zuvor von Hitlers Haus- und Hof-Filmmeisterin Leni Riefenstahl in martialischen Propaganda-Streifen verwurstet, verblassten die sportlichen Leistungen hinter dem deutschen Überlegenheitsanspruch. 1972 sollte alles anders werden: Weltoffen und modern wollte man sich zeigen - und stürzte in die schwarzen Abgründe politischer Verwerfungen.

Wie stark 1972 der Wunsch nach einem Kontrapunkt zu jenen unseligen Spielen von Berlin '36 war, lässt sich in einer Ausstellung der Dresdner Valerie Madoka Naito und Luc Petri-Boddien ablesen, die heute in der Oschatzer Straße 7 öffnet. Der dunkle Schatten des Olympia-Attentats, bei dem elf israelische Sportler von einem palästinensischen Himmelfahrtskommando getötet wurden, überlagert die Wahrnehmung bis heute. Zu Unrecht, wie die Architektin und der Diplomingenieur finden. 43 Plakate, die die Spiele 1972 bewerben sollten, haben sie zusammengetragen. Für 27 steuerten seinerzeit namhafte Künstler aus der ganzen Welt wie David Hockney, Friedensreich Hundertwasser oder Oskar Kokoschka Werke bei, auf deren Grundlage großformatige Kunstdrucke entstanden.

"Bei uns ist jeder willkommen", so die Botschaft, die das Nationale Olympische Komitee aussenden wollte. Fast jeder. Der Kalte Krieg warf seine Schatten. So befand sich unter den Künstlern damals kein einziger aus der DDR, und auch für den russischen Part konnte man sich allenfalls zum Exil-Russen Serge Poliakoff durchringen, der die Sowjetunion bereits 1923 gen Frankreich verlassen hatte. Ergänzt werden die internationalen Kunstwerke durch eine 16-teilige Edition des Grafikers Otl Aicher, der das Vermarktungskonzept für die Spiele schuf.

Die Drucke trotzte Luc Petri-Boddien seinen Eltern ab. Pünktlich zum Start der Spiele in London am 25. Juli wurden sie nun "ausgemottet": "Es ist der richtige Zeitpunkt, sie 40 Jahre nach München noch einmal zu zeigen", so die Aussteller einhellig. Gerade die Grafiken Aichers seien wegweisend in Sachen "Corporate Identity" großer Sportevents gewesen. Aicher, dessen Frau eine Schwester Sophie Scholls war, arbeitete dabei mit Fotografien, die er verfremdete und anschließend mit Farbe unterlegte. Mit seinen zumeist in kräftigen Grün-, Blau- und Orangetönen gehaltenen Motiven, die die olympischen Disziplinen zeigen, entwickelte er ein Werbekonzept, das prägend werden sollte für die Werbegrafik der 70er. Vom Flyer bis zur Kleidung der Hostessen erstrahlte alles in besagter eindrücklicher Farbgebung: "Derartiges hatte es zuvor nie gegeben", ist sich Naito sicher. Die schlichten Piktogramme für jede Disziplin, mit denen Aicher seinen "Olympia-Fahrplan" gestaltete, fanden sich noch Jahrzehnte später in den Medien wieder.

Ein wahrer Schmelztiegel der Stilrichtungen sind die 27 Kunstdrucke. Auch sie teilen den Drang zu Farbenfreude und Vielfalt - auch wenn manches erst auf den zweiten Blick seine Assoziation mit Olympia preisgibt. Manch eines macht sogar staunen: "Oskar Kokoschkas Akt etwa ist mehr als ungewöhnlich für den Künstler", konstatiert Luc Petri-Boddien. Schemenhaft, in wirrem Farbspiel auf cremefarbenem Untergrund, wirkt seine Darstellung eines Nackten, in dem man nur mit viel Fantasie einen Athleten erblickt. Nur so sprühend vor Lebendigkeit dagegen der Ausflug in den Futurismus bei Marino Marini, der Wettkampfszenen in kräftigem Rot mit Blau im Bild festhielt. "Es war damals ruckzuck ausverkauft", verrät Valerie Madoka Naito - ein Grund, warum es in der Ausstellung zu den höherpreisigen Exponaten gehört.

Die Vielfalt der Stile und die Absicht der Organisatoren, ein in der Erinnerung weitgehend negativ belegtes Ereignis von einer grundlegend anderen Seite zu beleuchten, machen die Ausstellung besonders. Für dreistellige Beträge sollen die Werke an den Mann gebracht werden. Was nicht verkauft wird, wird zur Finissage am 12. August unter Moderation von Mario Thiel versteigert.

Jane Jannke

"Dabei sein ist alles", Projektraum Oschatzer Str. 7, Vernissage: Heute, 19 Uhr. 9.8., 19 Uhr: Sportfilmsoirée, 12.8., 19 Uhr: Finissage und Auktion mit Mario Thiel. Besuchszeiten: 7.-12.8. 14-18 Uhr u. nach VB unter Tel.: 0179/7 75 23 09.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.07.2012

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