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Dresdens erstes Opernhaus wird eröffnet

Heute vor 350 Jahren: Dresdens erstes Opernhaus wird eröffnet

Wer Dresden hört und an Oper denkt, hat diesen Namen im Kopf: Semperoper. Sie ist zum Aushängeschild der Stadt geworden, zu einem Inbegriff des Musiktheaters. Aber das war nicht immer so, in der reichen Musikgeschichte der einstigen Residenzstadt hat es Opernhäuser schon vor den (Achtung, Plural!) Semper-Opern gegeben.

Bernardo Bellotto, genannt Canaletto: Der Zwingerhof in Dresden. 1751-52, Öl auf Leinwand. Das weiße Haus auf der linken Bildhälfte hinter dem Zwingerbau ist das 1667 erbaute Opern- und Komödienhaus am Taschenberg und gilt als Vorgänger der Semperoper.

Quelle: Repro: Elke Estel / Hans-Peter Klut

Dresden. Wer Dresden hört und an Oper denkt, hat diesen Namen im Kopf: Semperoper. Sie ist zum Aushängeschild der Stadt geworden, zu einem Inbegriff des Musiktheaters. Aber das war nicht immer so, in der reichen Musikgeschichte der einstigen Residenzstadt hat es Opernhäuser schon vor den (Achtung, Plural!) Semper-Opern gegeben.

Das erste ist genau heute vor 350 Jahren eröffnet worden, da war an den Architekten Gottfried Semper noch längst nicht zu denken. Doch die Weihen aus Italien, dem Mutterland der Oper, wehten bereits bis ins sächsische Land. Denn seit Claudio Monteverdi, also seit mehr als vier Jahrhunderten, lieben Menschen die Gattung Oper. Weil sie hier – und nur hier – die Kraft der Musik, die Schönheit des Gesangs und die lebendige Darstellung großer Gefühle als berührendes Gesamtkunstwerk erleben können.

Nach ersten Opernaufführungen vor Adelskreisen im Dresdner Schloss ist am 27. Januar 1667 das Kurfürstliche Opernhaus am Taschenberg eröffnet worden, das nach dem Baumeister Wolf Caspar von Klengel auch als „Klengelsches Opernhaus“ bezeichnet worden ist. Zur Eröffnung gab es mit „Il Teseo“ des Florentiner Komponisten Giovanni Andrea Moniglia bereits Italianità. Die erste „Semperoper“, damals noch Hoftheater geheißen, entstand erst knapp zwei Jahrhunderte später im Jahre 1841. Bis dahin sind, freilich an wechselnden Orten, nicht weniger als neun Vorgängerbauten nachgewiesen. Dresden hat damit schon frühzeitig eine besondere Rolle in der europäischen Musiktheaterlandschaft gespielt, ist Romy Petrick überzeugt: „Dresden ist einfach ein Ort, an dem Musikgeschichte lebendig wurde, an dem sie passiert ist. Wir können vielleicht noch Venedig und Wien nennen, die ein so geballtes Potential hatten wie Dresden.“

Romy Petrick? Opernliebhaber kennen ihren Namen - von der Bühne der Semperoper natürlich, deren Ensemble sie bis vor zwei Jahren angehört hat. Derzeit ist sie freiberuflich unterwegs, erst kürzlich war sie als Adele in der „Fledermaus“ der Staatsoperette zu erleben. Die Sopranistin dürfte allerdings eine von nur ganz wenigen Opernsängerinnen mit Doktortitel sein, 2010 promovierte sie zum Thema „Das bürgerliche Musik- und Theaterleben Dresdens im 18. Jahrhundert“. Eine Leidenschaft der Künstlerin, die auch Musikwissenschaften und Philosophie studiert hat?

Sie habe es stets als Geschenk empfunden, mit umfangreichem Hintergrundwissen über Geschichte und Bedeutung des Hauses auf der Bühne zu stehen. „Obwohl das ja eine neue Bühne ist, kann man diesen gewissen Charme schon spüren. Hier haben ein Carl Maria von Weber gestanden, ein Richard Wagner und so viele andere“, kommt sie ins Schwärmen. „Jeder, der Rang und Namen hatte, war in Dresden. Diese Oper hat immer Musiker und auch Literaten angezogen, sie hat Dresden zu der Kulturstadt gemacht, die sie auch heute noch ist.“ Seit 1841 ist „diese Oper“ mit dem Namen Sempers verbunden. Sein erstes Hoftheater ist 1869 abgebrannt, wurde keine drei Monate später durch ein „Bretterbude“ genanntes Interimstheater aus Holz ersetzt.

1878 stand das zweite Hoftheater, das am 13. Februar 1945 zerstört wurde und auf den Tag genau vierzig Jahre später wiederhergestellt war. Die heutige Oper darf also als dritter Semperbau gelten.

Romy Petrick nennt ganz konkrete Gründe für ihre Forschungsarbeit, die sie neben dem Singen ausübt: „Mir geht es da weniger um die Partituren und die Musik, sondern vor allem um Menschen. Warum haben Menschen zu einer gewissen Zeit so eine Musik gemacht? Warum machen wir heute diese Musik, was bewegt uns daran?“

Sie sei davon überzeugt, aus all diesen Recherchen immer eine Lehre zu ziehen und für sich persönlich etwas mitzunehmen. „Wir können doch nur daran reifen, wenn wir wissen, dass Johann Gottlieb Naumann einen speziellen Charakter gehabt hat, Schiller-Freund war, die ‚Ode an die Freude‘ in seinem Kreis entstanden ist und er deshalb die Ideale der Freundschaft ganz hochgehalten hat. Da bekommt man ein anderes Herangehen an sein Opernschaffen. Solche Dinge sind als Wissensschatz enorm wichtig, ich glaube, das kann uns Sängern sehr viel für die Werkinterpretation geben.“

Romy Petrick hat sich mit der Opernhistorie gründlich beschäftigt und wird auch in Zukunft kaum davon lassen. Mehrere Bücher zur Musikgeschichte hat sie bereits vorgelegt, ganz frisch ist ein Band über den Dresdner Nachkriegsregisseur Erich Geiger erschienen. Eine Arbeit neben dem Sängerinnen-Dasein, die nach wie vor so manchen weißen Fleck aufdecken hilft. „Gerade die Barockzeit oder eben auch Naumann – da ist vieles völlig vergessen. Ganz zu Unrecht. Hier waren große Komponisten in Dresden, die heute keine Bedeutung mehr haben. Johann Adolph Hasse hat über 30 Jahre als Hofkapellmeister in Dresden gewirkt, seine Frau Faustina Bordoni-Hasse, eine der größten Primadonnen des 18. Jahrhunderts, hat hier gesungen. Heute sind diese Namen nur noch einem Fachpublikum bekannt. Es ist schade, dass diese Zeit ein bisschen vergessen ist“, resümiert die Kennerin. Überraschenderweise weist auch das Kapitel der jüngeren Geschichte noch reichlich Klärungsbedarf auf, was Romy Petrick nicht zuletzt auf juristische Fragen und Persönlichkeitsrechte zurückzuführen sei. Gut möglich, dass die Nachkriegs- und Wendezeiten noch einiges Potential bereithalten.

Eine ganz andere Überraschung ist der Umstand, dass angesichts des Jubiläums „350 Jahre Oper in Dresden“ an der Semperoper nicht nur kein künstlerisches Feuerwerk gezündet wird, ja nicht mal im Spielplan ein kleiner Hinweis darauf vorkommt. Hat man dieses einmalige Datum etwa verschlafen? Erst Ende kommenden Monats soll es ein Kolloquium zum Thema geben, das die Oper gemeinsam mit dem Dresdner Geschichtsverein ausrichten wird. Romy Petrick ist da als Referentin natürlich mit dabei. Schließlich weiß sie viel zu berichten.

Kolloquium „ 350 Jahre Oper in Dresden“, 25. Februar, 11 Uhr Semper Zwei, Eintritt frei.

www.semperoper.de

Von Michael Ernst

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