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Dresdens Städtische Museen wollen mit einem dichten Jahresprogramm einem leichten Besucherrückgang begegnen

Dresdens Städtische Museen wollen mit einem dichten Jahresprogramm einem leichten Besucherrückgang begegnen

Die letzten Worte müssen sitzen, denn man kann sie normalerweise nicht noch mal sprechen. Außer man ist Buddhist, hat es aber nicht ins Nirwana geschafft. Goethes letzte Worte waren bekanntlich: "Mehr Licht!" (Vielleicht auch, der Mann war gebürtiger Hesse, "Mer licht hier so schlecht", was aber umstritten ist.

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Willi Zimmermann (1900-1977): Auftritt der Agitpropgruppe Rote Raketen vor der Geschäftsstelle der Internationalen Arbeiterhilfe Dresden, 1930.

Quelle: Stadtmuseum Dresden

)

Nun hat, wohl eher nicht um dieser Forderung Goethes nachzukommen, die Unesco ein internationales Jahr des Lichts ausgerufen, das an die Bedeutung von Licht als elementare Lebensvoraussetzung für Menschen, Tiere und Pflanzen und daher auch als zentraler Bestandteil von Wissenschaft und Kultur erinnern soll. Ums Licht dreht sich auch die eine oder andere Ausstellung der Städtischen Museen Dresden in diesem Jahr. So lautet das Motto ab Ende Juni in den Technischen Sammlungen "Hi Lights! - Neues vom Licht". Technikhistorische Elemente sollen sich mit moderner Science-Center-Didaktik verbinden. Wer will, kann einen eigenen Regenbogen kreieren, mit Licht kickern oder sauber machen (letzteres könnte sogar Männer für Hausarbeit begeistern). Und "Wege zum Licht - Leuchten in Dresden" lautet der Titel der kommenden Weihnachtsausstellung im Landhaus. In ihr wird ein Blick auf die öffentliche wie private Illumination Dresdens in den vergangenen 100 Jahren geworfen, teilte Erika Eschebach, die Direktorin des Stadtmuseums, gestern mit.

170 000 Besucher zählten die Städtischen Museen im vergangenen Jahr. Nachdem die Besucherzahlen davor stetig bergauf gegangen waren, ist nun gegenüber dem Vorjahr ein Minus von sechs Prozent zu verzeichnen, räumte Gisbert Porstmann gestern ein. Nichtsdestotrotz ist der Direktor der Städtischen Museen Dresden zufrieden. Die Lage sei nicht dramatisch, fast alle Museen in Deutschland hätten in diesem Jahr leichte Rückgänge zu vermelden. Die Dresdner Museen hätten sich auf hohem Niveau eingependelt. Auch wenn wohl vermehrt Touristen unter den Gästen sind, in erster Linie werden die Einrichtungen von den Bürgern der Stadt aufgesucht.

Die meisten Besucher sind - auch dank vieler Schulklassen - für die Technischen Sammlungen in Striesen zu vermelden. Etwa 82 000 fanden den Weg dorthin. Auf den Plätzen in punkto Zuschauergunst folgen das Stadtmuseum mit 48 000 und mit rund 25 000 Besuchern die dritte große Einrichtung des acht Museen zählenden Verbundes, die Städtische Galerie. 4700 Menschen warfen einen Blick ins Kügelgenhaus, jeweils etwa 4300 lösten ein Ticket im Kraszewski- bzw. im Carl-Maria-von-Weber-Museum in Hosterwitz. Eine feste, wichtige, weil immer mehr Besucher bringende Größe sind Lesungen, Sonderführungen, Foren, Diskussionsrunden etc.

Der Reigen an Ausstellungen, dem "Kerngeschäft", ist in diesem Jahr wieder breit gefächert, wobei auch die kleineren Einrichtungen große Pläne hegen und zudem einige Jubiläen zu würdigen sind. Die Städtische Galerie Dresden zeigt anlässlich der zehnjährigen Wiederkehr der Eröffnung der neuen Räumlichkeiten auf 800 Quadratmetern, was in 13 Jahren intensiver Museumsarbeit mittels Schenkungen, Spenden und Förderungen durch Stiftungen an Lücken in den Sammlungsbeständen geschlossen werden konnte.

Unter dem Motto "Das Auge des Arbeiters" widmet man sich im Stadtmuseum ab Ende März dem weiten Feld der Erinnerungsfotografie und Bildpropaganda um 1930. Vermittelt werden soll, wie in der Medienmoderne des beginnenden 20. Jahrhunderts erstmals auch Bilder von Arbeitern über Arbeiter entstanden: Amateurfotografien, die das eigene Bild vom Alltag in den Familien und Fabriken vermitteln und sowohl vom Kampf auf den Straßen als auch von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft Zeugnis ablegen. In der Ausstellung werden, so Eschebach, "ihre Aufnahmen aus Sammlungen in Sachsen in Beziehung zu anderen Objekten, Bildern und Symbolen aus dem Arbeitermilieu gesetzt".

Am 1. April wäre - kein Aprilscherz - das DEFA-Studio für Trickfilme in Dresden 60 Jahre alt geworden. In einer Schau mit dem Titel "Ohne Ton kein Bild" will man in den Technischen Sammlungen (TS) den besonderen Einfluss von Musik, Geräuschen und Sprache auf die Wahrnehmung im Animationsfilm aufzeigen. Zahlreiche der mehr als 1500 Trickfilme aus dem DEFA-Studio wurden mit dem seltenen elektronischen Klangerzeuger Subharchord vertont. Von diesem legendären "Teil" wurden ganze sieben Stück produziert. Drei Subharchorde haben sich erhalten, davon eines in Dresden, wie Roland Schwarz verriet, der Direktor der TS.

Im Kraszewski-Museum wird zum einen ab Ende Februar zunächst die polnische Filmregisseurin Agnieszka Holland (u.a. "Hitlerjunge Salomon") gewürdigt, ab Ende Mai dann mit einer Ausstellung an Orte des Ersten Weltkriegs in Polen erinnert: "Und alles ist weg". Beim Thema Erster Weltkrieg denkt man zuerst an die Stahlgewitter an der Somme und um Verdun. Die Kriegsschauplätze im Osten, wo Hindenburg und Ludendorff in Ostpreußen wichtige Siege gegen die russischen Truppen gelangen, erst bei Tannenberg, dann in der Winterschlacht bei den Masurischen Seen, scheinen dagegen vergessen zu sein. Fotos des Berliner Fotografen Eric Pawlitzky könnten da für eine Horizonterweiterung sorgen.

Auch nicht ganz unwichtig: Im Herbst geht die neue Sammlungsdatenbank der Museen der Stadt Dresden online. Laut Porstmann wird sie - dank einer umfangreichen Förderung durch die Commerzbank - nicht nur ein modernes Layout bekommen, sondern gleichermaßen neue Möglichkeiten des "kreativen Stöberns und Entdeckens" bereithalten. Mit der neuen Webdatenbank sollen Digitalisierung und Bereitstellung der Bestände weiter vorangetrieben werden.

Der Gesamtetat des Dresdner Museumsverbundes beläuft sich auf 7 Millionen Euro, von denen die Hälfte auf Personalkosten entfällt, über die man laut Porstmann "keine Personalhoheit" hat. Ganze 70 000 Euro fließen in die Öffentlichkeitsarbeit. Den Technischen Sammlungen stehen beispielsweise 260 000 Euro und dem Stadtmuseum 240 000 Euro zur Verfügung, um Ausstellungen zu stemmen. Diese Summen für "Sachkosten" (so der Verwaltungsbegriff) müssen derzeit genügen, um Transporte, Restaurierungen, Druckkosten für Flyer usw. zu bezahlen. Insofern hofft Gisbert Porstmann, der "Optimismus und Idealismus" als Basis aller Motivation seiner Mitarbeiter ausmacht, dass es im nächsten Doppelhaushalt der Stadt Dresden eine "deutlich Erhöhung gibt".

www.museen-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2015

Christian Ruf

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