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Regional Dresdens Schauspielintendant Wilfried Schulz ist fürs Wiener Burgtheater im Gespräch
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17:33 09.09.2015
Wilfried Schulz Quelle: Matthias Horn
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Die Neubesetzung der erstrangigen, aber in Österreich und international unter hoher Beobachtung stehenden Position war notwendig geworden, nachdem Intendant Matthias Hartmann im März 2014 durch den österreichischen Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) entlassen worden war. Hartmann wurde eine Mitschuld an der finanziellen Schieflage des Hauses gegeben, für die Spielzeit 2012/13 verzeichnete die Bühne ein Bilanzminus von 19,6 Millionen Euro.

Daraufhin hieß es, das Burgtheater suche angesichts seiner Finanznöte einen Intendanten, der Kunst und Kasse unter einen Hut bringe. Kandidaten seien aufgefordert, ein „auch die wirtschaftlichen Verhältnisse berücksichtigendes künstlerisches Konzept anzuschließen“, wurde im April verkündet. Spätestens zum 1. September 2016 werde der Posten für bis zu fünf Jahre neu besetzt, sagte damals ein Sprecher von Kulturminister Ostermayer. Erwartet werde auch Engagement bei der Erschließung von Drittmitteln.

Der Ex-Intendant ist inzwischen vors Arbeits- und Sozialgericht Wien gezogen. Er hält seine Entlassung für unberechtigt und unwirksam. Die Leitung des Burgtheaters liegt interimistisch in den Händen von Kulturmanagerin Karin Bergmann. Sie war schon von 1999 bis 2010 mit Führungsaufgaben unter der Intendanz Klaus Bachlers befasst.

Anfang dieser Woche nun haben die sechs eingeladenen Persönlichkeiten vor der Findungskommission ihre Konzeptionen für die künftige Führung des Burgtheaters vorgestellt. Mit dabei waren laut österreichischen Medienberichten außer Wilfried Schulz (62) auch der deutsche Regisseur Michael Thalheimer (49), der Kärntner Martin Kusej (53), Intendant am Münchner Residenztheater, der Intendant des Deutschen Theaters Berlin Ulrich Khuon (63), der Regisseur und frühere Intendant der Münchner Kammerspiele Frank Baumbauer (69) und – als einzige Frau in dieser illustren Runde – die amtierende Interimsdirektorin in Wien Karin Bergmann (61), die man, wie es heißt, hausintern gern behielte.

Er sei für die Position angesprochen worden, sagte Wilfried Schulz gestern den DNN, und zeigte sich voller Freude, dass „man solcherart geachtet und an nicht gerade unwichtiger Stelle wahrgenommen“ werde, aber vor allem deshalb, „weil es eine hohe Anerkennung unserer Arbeit in Dresden bedeutet“. Das Wiener Burgtheater befindet sich zwar gerade in Schwierigkeiten, aber es sei ja vor allem ein Haus mit großer Geschichte, Renommee und künstlerischem Anspruch. Ob und wann die Vorgespräche in ernsthafte Gespräche über Strukturen und Angebote münden werden, sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt trotz der bereits erfolgten Treffen völlig offen, erklärte Wilfried Schulz.

„Das Burgtheater ist ein Mythos, aber es funktioniert nach den selben künstlerischen Prinzipien wie andere Häuser“, meinte Schulz auch, dessen Frau aus der Alpenrepublik stammt. „Meine Wünsche, Theater und dessen Wirksamkeit und künstlerische Ausstrahlung sowie die Resonanz des Publikums betreffend, erfüllen sich in Dresden“, betonte der Intendant. „Für mich am wichtigsten ist, dass ich gesellschaftlich wichtige und spannende Aufgaben habe und dass das Publikum das auch annimmt. Ich mache meine Arbeit in Dresden und mit meinem Ensemble sehr, sehr gern.“

Der Vertrag von Wilfried Schulz als Intendant des Staatsschauspiels läuft bis 2018. Ernsthaft erwogen werden könne ein Wechsel nach Wien ohnehin erst, wenn dort auf politischer Ebene entschieden worden ist, sagte er.

Die Findungskommission soll nun einen Dreiervorschlag generieren, heißt es aus Wien, dann entscheidet Kulturminister Ostermayer selbst. Eines ist aber jetzt bereits sicher: Die Neubesetzung des Intendantenpostens wird unter hoher öffentlicher Aufmerksamkeit stattfinden. Und das bedeutet jetzt: Auch in Dresden.

Kerstin Leiße

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