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Regional Dresdens Galerie Baer, die sich der zeitgenössischen Kunst widmete, existiert nicht länger
Nachrichten Kultur Regional Dresdens Galerie Baer, die sich der zeitgenössischen Kunst widmete, existiert nicht länger
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23:51 09.09.2015
Kein Kunst-Ort mehr: Patrick-Daniel Baer vor den (Ex-)Galerieräumen auf der Louisenstraße. Quelle: Dietrich Flechtner
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Sie deuten auf ein abgeschlossenes Kapitel hin - und genau das ist auch der Fall. Die am 20. März beendete Ausstellung in den Galerieräumen auf der Louisenstraße 72, eine Doppelschau von Caroline Günther und Matti Schulz, wurde somit im Nachgang zu einem stillen Abschied. Günthers Part trug übrigens den Titel "Welcome to the gloss", Schulz' hieß "The facts of life". Es liest sich aus dem Wissen um das Ende der Galerie wie ein doppelter Kurzkommentar dazu.

Denn der Galerist Patrick-Daniel Baer macht für den Schlussstrich vor allem eine Tatsache verantwortlich. "Ich habe die Leidenschaft verloren", erzählt er freimütig am Telefon. Auch eine Suche nach neuen Räumlichkeiten und neuen Strategien führte nicht dazu, die Energie fürs Weitermachen wiederzufinden, im Gegenteil. "Über diese Suche habe ich mitbekommen: Das ist alles nicht mehr mein Ding." Tag für Tag in der Galerie, abends vielleicht noch der Besuch irgendeiner Veranstaltung - "das war Stillstand".

Die Räume auf der Louisenstraße, die 2007 bezogen worden waren, habe man noch bis Ende Juni, sagt Baer. Es soll aber keine Abschiedsparty oder Ähnliches geben. "Wir wickeln gerade ab", fügt er nüchtern hinzu. 14 Künstler hat die Galerie vertreten, darunter Ekkehard Fuchs. Die Zusammenarbeit mit Baer sei lange Jahre sehr fruchtbar gewesen, erzählt Fuchs. "Er betreute interessante Künstler und hat versucht, für sich und diese Künstler etwas aufzubauen, durchaus mit Erfolg", resümiert Fuchs. "Als Baer anfing, als Galerist zu arbeiten, gab es das Gefühl, als Künstler in Dresden ein kleines bisschen besser leben zu können." Das sei ein Verdienst des Galeristen, den man "nicht kleinmachen kann". Das Ende der Galerie sei aber schon seit geraumer Zeit absehbar gewesen.

Für Fuchs ist das dennoch "eine sehr traurige Angelegenheit". Etwas zu versuchen, das im Kunstmarkt Lokales und Internationales vereine, dafür könne es gar nicht genug Leute geben, gerade in Dresden. Ähnlich sieht das auch der Galerist Ralf Lehmann, dessen Räume nur ein paar Steinwürfe entfernt von denen Baers an der Görlitzer Straße untergebracht sind. Für die dünn gesäte Galerie-Landschaft Dresdens bei zeitgenössischer Kunst sei Baers Rückzug "eine Katastrophe", sagt Lehmann. Die Stadt habe zwar eine relativ große Dynamik, was sogenannte Projekträume für Kunst angehe. "Der nächste Schritt hin zu einer Galerie fehlt aber fast immer."

Was nun auch in den Sternen steht, sind die regelmäßigen Rundgänge des Publikums, wenn - oft zeitgleich - in den Galerien neue Ausstellungen eröffnet wurden. Sie zogen ein kunst- und lauffreudiges Publikum vor allem durch die Neustadt. Mit dem Wegfall Baers bleibt mit Blick auf das Viertel außer der Galerie Gebr. Lehmann fürs Zeitgenössische nun fast nur noch die Galerie M2A an der Königsbrücker Straße. Allein diese Feststellung sagt alles über die "Dichte" der Dresdner Mitspieler im Markt für zeitgenössische Kunst aus.

Für Patrick-Daniel Baer aber ist das Kapitel Galerie wohl endgültig abgeschlossen. Manche der von ihm bislang betreuten Künstler seien bei anderen Galeristen untergekommen, "aber nicht alle". Mehr könne er dazu nicht sagen. Was dagegen klar wird: dass sich das Ende seiner Galerie tatsächlich schon lange abgezeichnet hat. Er habe eigentlich bereits Ende Juni 2014 aufhören wollen, sagt Baer. "Aber dann haben wir doch noch ein Jahr draufgelegt." Etwas anderes im Leben auszuprobieren, "dafür habe ich jetzt noch die Kraft", meint der Mittvierziger. "Da muss noch was Anderes kommen im Leben." Es klingt nicht so, als würde er in Zukunft viele Gedanken an den Kunstmarkt verschwenden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2015

Torsten Klaus

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