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Dresden steht international im Fokus - Ein Interview mit Martina de Maizière und Hans-Ulrich Seidt

Dresden steht international im Fokus - Ein Interview mit Martina de Maizière und Hans-Ulrich Seidt

Ende April wurde die Urkunde ausgehändigt, die sozusagen die Geburt von Dresdens jüngster Stiftung bezeugt. Die "Stiftung Kunst und Musik für Dresden" hat sich vor allem der zeitgenössischen Kunst verschrieben.

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Auf der Dresdner Ostrale 2013 zu sehen: Sebastian Hempel. Rubikon.

Quelle: Ostrale

Deshalb ist die Ostrale auch ein passender Ort, um mit Martina de Maizière (Vorstand) und Hans-Ulrich Seidt (Stiftungsratsmitglied) zu sprechen. Vom Thema Stiftung bewegt sich das Gespräch aber schnell in die Richtung, welche Potenziale Dresden eigentlich hat.

Frage: War, ist bei der zeitgenössischen Kunst in Dresden eine Lücke zu schließen - quasi mit nicht öffentlich bereitgestellten Mitteln?

Martina de Maizière: Es geht nicht nur um private Förderung, sondern auch darum, in der Dresdner Öffentlichkeit das Interesse für zeitgenössische Kunst zu stärken und zu etablieren, neben den anderen Höhepunkten der bildenden Kunst, die die Stadt hat. Und es geht um Projektförderung, entweder in der Musik oder der zeitgenössischen Kunst - oder auch in der Bildung bei beiden Bereichen.

Wie kam es dazu?

Hans-Ulrich Seidt: Mein Anknüpfungspunkt zur Stiftung ist die Bekanntschaft mit Jan Vogler, einem der bedeutendsten Cellisten der Gegenwart. Wir saßen zusammen in New York, an einem verregneten Morgen, in einem Fast Food-Restaurant, vor 13 Jahren. Jan Vogler hat mich sofort beeindruckt, weil er die große Tradition des Dresdner Kultur- und Musiklebens verbindet mit neuen Impulsen, die von Städten wie New York, Singapur, Shanghai ausgehen und in die Welt wirken. Jan Vogler schaut als Künstler ins 21. Jahrhundert. Und ich habe wie er den Eindruck, dass die Kunststadt Dresden ein enormes Potenzial hat: als Standort von Wissenschaft, Kunst, Kultur. Dieses Potenzial kann genutzt werden, nicht nur im Interesse der Stadt oder des Freistaats Sachsen, sondern auch im Interesse der ganzen Bundesrepublik Deutschland. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt zu sagen: Bei der Stiftung mache ich mit.

Wo sehen Sie das von Ihnen angesprochenene Potenzial denn am stärksten brachliegen in Dresden?

Seidt: Zum einen wohl bei der globalen Vernetzung der Stadt. In den letzten 20 Jahren wurde in Dresden unglaublich viel erreicht, nun aber kommt es darauf an, den Schritt hinein in die Weltgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu vollziehen, Internationalisierung zu leben. Als deutscher Botschafter in Seoul wurde mir erstmals klar, dass für den VW Phaeton, der in Dresden gefertigt wird, Südkorea weltweit einer der größten Absatzmärkte ist. In der Musik ist das ganz ähnlich. Viele Studenten an der Dresdner Musikhochschule kommen aus Korea und anderen Ländern der ganzen Welt. Hinzu kommt: In der Wissenschaft gibt es in und um Dresden eine erstklassige TU, Max-Planck-, Helmholtz-, Fraunhofer-Institute - all diese Einrichtungen sind weltweit vernetzt. Das ist ein enormes Potenzial.

Sie haben in Dresden die aktuelle Ostrale besucht. Zählen Sie sie auch zu diesem Potenzial?

Seidt: Ja, durchaus. Auch in der Gegenwartskunst hat die Stadt noch erhebliche Chancen und Reserven. Entscheidend ist, dass eine Stadt wie Dresden sich an den richtigen Maßstäben orientiert.

Welche wären das denn?

Seidt: Die Frage ist doch: Wo stehe ich, wo will ich hin? Ich meine, Dresden kann beim Musikleben durchaus mit München mithalten. Das gilt zwar nicht bei der Zahl der DAX-Firmenstandorte oder noch nicht beim Fußball. Aber was die Staatlichen Kunstsammlungen angeht, da kann Dresden mühelos mithalten. Und die TU Dresden und die TU München spielen beide in derselben Liga der Exzellenz-Universitäten. In der Gegenwartskunst ist München vielleicht konservativer als Dresden. Da kann Dresden selbstbewusst die eigene Richtschnur höher legen.

Münzen wir das kurz auf das genannte Beispiel Ostrale. Woran müsste sie sich Ihrer Meinung nach orientieren?

Seidt: Da sage ich mal ganz verwegen: an der Biennale in Venedig. Das ist natürlich als Maßstab sehr hoch gegriffen. Im siebenten Jahr ist die Ostrale sicher noch im Versuchsstadium. Ich würde mir deshalb weltweit noch andere Standorte anschauen. Hier würde ich wieder das Beispiel Korea nennen: Dort gibt es in Gwangju eine asiatische Biennale der Gegenwartskunst, auch mit deutschen Ausstellungsmachern. Die Stadt profitiert davon, im Tourismus zum Beispiel. Schauen wir uns in Deutschland um, da haben wir natürlich in Kassel die documenta. Ihr Ruf lebt davon, dass sie nur alle fünf Jahre stattfindet. Vielleicht sollte die Ostrale nur alle zwei oder drei Jahre durchgeführt werden? Nichts ist in Stein gemeißelt. Und möglicherweise kann die Ostrale neue Akzente mit Parallelveranstaltungen setzen, zum Beispiel im Dialog mit den Naturwissenschaften, für die Dresden ein herausragender Standort ist.

Die Umsetzung dieses Potenzials aber basiert auf einem ganz anderen Fakt: dem Geld. Wer soll das bezahlen und aus welchen Töpfen?

Seidt: Die Frage nach den Töpfen ist berechtigt. Andererseits ist es gerade bei Kunst, Bildung und Kultur wichtig, eine Vision zu haben. Ein Beispiel: In Berlin gab es die Diskussion um den Wiederaufbau des Stadtschlosses, des Humboldtforums. Anfangs gab es viel Gegenwind, jetzt wird gebaut. Die Vision stand am Anfang, die Bereitschaft, dafür Mittel zu geben, entwickelte sich über Jahre. Jetzt entsteht ein neuer Anziehungspunkt für Berlin und auch für Deutschland.

Das ist aber der Sonderfall Berlin...

Seidt: Richtig, dort sieht sich der Bund mit in der Pflicht. Dennoch ist es wichtig, mit der Gründung unserer Stiftung Anstöße zu geben. Es geht dabei nicht primär um Sponsorensuche, obwohl auch das wichtig ist. Jede Stiftung, die dauerhaft fördern will, muss ihr Vermögen vergrößern, wir auch. Aber uns geht es vor allem darum aufzuzeigen, dass Dresden aus eigener Kraft noch unglaublich viel erreichen kann.

de Maiziére: Wir wollen über die Stiftung Verbindungen herstellen zu interessanten Leuten, die bereit sind, sich zu engagieren. So könnten wir zum Beispiel die Ostrale Menschen vorstellen, die mit ihren Netzwerken und Perspektiven das Projekt bereichern. Und wir möchten in der Stadt widerstreitende Positionen zu zeitgenössischer Kunst zusammenbringen. Um sachlich zu streiten für ein gemeinsames Ziel.

Seidt: Es gibt einiges, wozu es keines Haushaltstitels bedarf, zum Beispiel Expertise. Guter Rat ist normalerweise sehr teuer. Aber vielleicht gelingt es uns, Menschen nach Dresden zu bringen wie Susanne Gaensheimer, die 2011 und 2013 den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig betreut hat. Sie wäre eine erstklassige Ansprechpartnerin für die Ostrale.

de Maizière: Natürlich wird die Stiftung auch finanziell daran mitwirken, die zeitgenössische Kunstprojekte in Dresden auf den Weg zu bringen. Wir schauen uns die Ostrale so genau an, weil wir überlegen, ob eine Förderung durch unsere Stiftung möglich ist, vielleicht mit Blick auf einen besonderen Künstler, den wir damit nach Dresden holen können. Dazu werden wir weiterführende Gespräche mit den Verantwortlichen vor Ort und in unserem Stiftungsrat führen. Letzterer entscheidet über die strategische Ausrichtung der Stiftung und damit auch über die Projekte, die wir als Stiftung umsetzen.

Es hieß, 2014 könnte zum ersten Mal über die Zinserträge Förderung ausgereicht werden. Die Stiftung wolle dabei auf Leute zugehen, Bewerbungen seien unnötig. Bleibt es dabei?

de Maizière: Ja, dabei bleibt es. Über absehbare Dinge will ich noch nicht im Detail sprechen. Aber eine Teilung der Förderung ist bereits absehbar, sowohl für die Musik als auch für die zeitgenössische bildende Kunst werden wir uns engagieren. Genaue Beschlüsse darüber werden im ersten Quartal 2014 gefasst.

@www.kunst-musik-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2013

Torsten Klaus

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