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Drei bekannte Herren aus Dresden stellen den neuen Chemnitzer Spielplan vor

Drei bekannte Herren aus Dresden stellen den neuen Chemnitzer Spielplan vor

Drei neue Gesichter gab es bei der gestrigen Jahrespressekonferenz der Städtischen Theater Chemnitz - allesamt Dresdner Provenienz: Christoph Dietrich, Carsten Knödler und Rainer Feistel.

Sie geben ab der Spielzeit 2013/2014 tragende Rollen - nämlich die von Generalintendant, Schauspieldirektor und Chefchoreograf.

In Summe verkündeten sie, gemeinsam mit Generalmusikdirektor Frank Beermann, 31 Premieren - im Vorjahr waren das noch 24 - und zehn Sinfoniekonzerte. Die Premieren untergliedern sich im Fünf-Sparten-Haus auf sechsmal Oper, 17-mal Schauspiel, dreimal Ballett und fünfmal Figurentheater. Die Hauptaufmerksamkeit galt Christoph Dittrich, seit einer Woche und damit ein Vierteljahr vorfristig als neuer Generalintendant im Dienst. Die erste und sicher auch schwierigste Aufgabe des bisherigen Intendanten der frisch fusionierten Elbland Philharmonie Sachsen mit Sitz in Riesa ist nicht die Spielplanpräsentation, sondern die Vorbereitung auf das Auslaufen des Haustarifvertrages Ende 2013.

Die jüngsten öffentlichen Kerndaten sind jene der Spielzeit 2011/2012: Mit knapp 28 Millionen Euro Etat (davon fast ein Zehntel Eigeneinnahmen) und 450 Mitarbeitern wurden 204 000 Zuschauer gelockt, davon 48 000 ins Schauspielhaus. Sollte kein neuer Haustarifvertrag gelingen, bedeutete das Kostensteigerung von rund drei Millionen Euro - unverhohlen wird in Lokalpresse und Stadtrat über eine mögliche Insolvenz spekuliert. So, als ob dies eine ernste Option wäre.

Dittrich ist zwar aus dem Elbland-Kulturraum Sparkummer gewohnt, warnt jedoch davor, allzu große Erwartungen auf ihn zu projizieren. "Ich habe großen Respekt vor der enormen Reputation des Hauses und vor allem vor dem großen Stolz der Chemnitzer auf ihr Theater", sagt er den Dresdner Neuesten Nachrichten. Daher sei es nach einer Woche viel zu früh, dafür Ideen zu präsentieren. Er freut sich besonders auf die erste Opernpremiere "Le Grand Macabre" von György Ligeti. Diese wird am 28. September das erste Mal in Chemnitz aufgeführt. Und darüber, dass es gelungen ist, für Verdis "Don Carlo" Helen Malkowsky als Regisseurin zu gewinnen. Ansonsten setzt er, anders als andere, auf Wandel statt Umbruch. Selbst Logo und Layout der Publikationen, oft ein Fetisch für neue Theaterzeiten dank Personalwechsel, sollen nur "erkennbar weiterentwickelt" werden.

Kaum im Amt bestätigt, verkündete Dittrich im jüngsten Herbst seine zwei Hauptstreiche: Er holte sich mit Carsten Knödler aus Zittau und Reiner Feistel aus Radebeul zwei gestandene Männer mit soliden Bilanzen und guten Kritiken als Schauspieldirektor und Chefchoreografen.

Fragt man den gebürtigen Dresdner Knödler, ob er nicht sofort den Namen des Hauses ändern möge, verneint Knödler und scherzt: "Wir werden auch den Ostflügel nicht gleich Centralflügel nennen." Aber er verspricht Osttheater auf dieser frischen Studiobühne. Chemnitz ist Knödlers künstlerische Heimat - er wohnte hier von 1975 bis 2007 und war acht Jahre fest am Haus. Er wird im Sommer mit einer Bilanz angereist kommen, dass jenen, die Zittau Theaterprovinz vorwerfen, die Ohren schlackern: Seine reinen Schauspielbesucherzahlen werden weit über jenen von Chemnitz liegen - und das bei einem Zehntel der Einwohnerschaft.

Elf Stücke hat Knödler in seinen vier Zittauer Jahren selbst inszeniert, das erfolgreichste bringt er als Übernahme mit: "Romeo und Julia auf der Abbey Road" hatte in bislang 14, zumeist lange zuvor ausverkauften Vorstellungen rund 5 100 Zuschauer. Knödler wird sechzehn der 20 Stellen neu besetzen, sechs Leute bringt er mit. Und frische Kontakte über die Grenze: Mit Robert Czechowski und Bogdan Koca werden die Intendanten aus Zielona Góra und Jelenia Góra kraftvolle, polnische Regiehandschriften zeigen.

Auch Reiner Feistel sprüht vor Energie, wenn er über sein neues Engagement spricht: Er nimmt fünf Tänzer mit, zwölf bleiben, zwei Stellen wären noch frei. Er bietet in seiner ersten Spielzeit drei statt der bisherigen zwei Premieren an und erfüllt sich sofort einen lange gehegten Traum: "König Artus" mit Musik von Peter Gabriel und Harry Gregson-Williams. "Dieser Stoff hat alles: Liebe, Intrigen, Verrat, Merlin und schöne Frauen - hätte aber in Radebeul nicht wirklich funktioniert", schwärmt er von der neuen, großen und tiefen Bühne mit reichlich Gehänge im Turm - und wird sicher ab und an einen Großteil seiner Fangemeinde westwärts wiedersehen.

@www.theater-chemnitz.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.04.2013

Andreas Herrmann

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