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Dramatik im Norwegerstrick: Der 24-jährige Moddi singt sich in den Beatpol

Dramatik im Norwegerstrick: Der 24-jährige Moddi singt sich in den Beatpol

Pal Moddi Knutsen hat mit Garantie beides: Bewunderer und Neider. Bewunderer, weil der junge Mann - 24 ist er jetzt - eine erstaunliche Gabe fürs Songschreiben und Interpretieren besitzt.

Neider, weil er im Vorjahr zum Träger des Künstlerstipendiums der norwegischen Pop-Helden a-ha gekürt wurde, was ihm immerhin die stolze Summe von 125 000 Euro eingebracht hat. Jeder weiß das, und nicht jeder freut sich nun darüber, dass Moddi, wie er sagt, "touren kann, ohne bankrott zu gehen." Geld ist nicht alles, das weiß er auch. Wichtig sind Kontakte, und auch die bescherte das Stipendium.

Moddi kommt aus dem hohen Norden, dort, wo Norwegen am nördlichsten ist. Geboren in Tromsø, aufgewachsen und Seemannslieder gesungen als Junge, vom Nordlicht x-mal geblendet, in der Blaskapelle der Schule gespielt und erste Lieder geschrieben - das alles auf der Insel Senja. Autodidakt ist er auch. Bevor 2010 sein Lang-CD-Debüt "Floriography" (Propeller) erschien, hatte der mittlerweile in Oslo lebende blondgelockte Pulloverträger schon einen Live-Tonträger veröffentlicht. Die erste offizielle Scheibe wurde 2009 in Reykjavik eingespielt - wo sonst, mag man rufen - betreut von Valgeir Sigurðsson (Björk, Coco Rosie, Kate Nash, Múm).

Mit seinen Kammer-Songs entschuldigt er sich bei seiner Liebe, weil er deren Depression nicht ernst genug nimmt. Er beschreibt die Hoffnung und jene Momente, in denen sie fehlt: "Was vom Tage übrigbleibt, kommt vielleicht als Regen runter." Manchmal sind seine Lieder wie in Töne gefasste Munch-Bilder, und doch sind sie in erster Linie schön. Trotz Doppel-D - Dramatik und Dunkelheit. Das liegt an Moddis Art, erzählend zu singen, denn kehlig und rau legt sich seine reife Stimme über Cello, Violine, Klavier, Akkordeon und Besen-Drums. Die Lieder haben inneres Strahlen, nicht so sehr das Matte eines Bill Callahan - der Dresden ja am Sonntag nach langer Zeit wieder besuchen wird. Brüder im Geiste der Melancholie sind sie trotzdem. Und Washington, die Landsleute aus Tromsø, auch.

Moddi bringt es schlicht wie treffend auf einen Punkt: "Wenn niemand zuhören würde, würde ich auch nichts schreiben, dann würde ich irgendetwas ganz anderes machen." Oder, um es aus seinen Liedern zu zitieren: "All die leisen Worte, die wir jemals gehört haben, sind nur die Summe aus dem Lärm um uns herum."

Geplant war das Dresden-Debüt von Moddi schon vor Jahresfrist, da kam ihm eine Einladung von Julia und Angus Stone wunderbar in die Quere. Denn sie öffnete weitere Türen. Nicht, dass man über ihn noch sagt, er hätte sich Resonanz und Akzeptanz nicht erspielt.

Moddi, Vorprogramm: Monograf, heute, 21 Uhr, Beatpol

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.11.2011

Andreas Körner

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