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Dr. Eckart von Hirschhausen in Dresden: Bei "digital" nimmt man den Finger

Dr. Eckart von Hirschhausen in Dresden: Bei "digital" nimmt man den Finger

Man muss kein Mediziner sein, um Dr. Eckart von Hirschhausen zu verstehen. Aber genau das war sein Appell an die Studenten der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Clarus, die gestern zahlreich seine Sonder-Vorlesung besuchten.

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Arzt und Entertainer: Gestern Nachmittag sprach Eckart von Hirschhausen vor angehenden Medizinern in der Uniklinik - der Andrang war gewaltig.

Quelle: Carola Fritzsche

Von Marleen Hollenbach

"Wir lernen, zu viel über Krankheiten zu reden, und zu wenig mit den Kranken", sagte er und kassierte dafür kräftigen Applaus.

Seine Kritik an der medizinischen Terminologie unterlegte er mit vielen erheiternden Beispielen: "Wenn ein Arzt von einer digitalen Untersuchung spricht, so meint der Technikexperte, es handle sich um eine Computerdiagnostik, obwohl von einer Untersuchung mit dem Finger die Rede ist." Dabei verwies Hirschhausen auch auf das Portal "Was hab ich", bei dem Dresdner Medizinstudenten ehrenamtlich Diagnosen von Patienten übersetzen und nannte es einen Skandal, dass so etwas überhaupt nötig sei.

Zwischen seinen zahlreichen Witzen, die zumindest Kenner Hirschhausens aus dem FF kennen, klangen noch weitere gutgemeinte Ratschläge für die zukünftigen Mediziner an. Auf die Frage, welche Träume und Vision die angehenden Ärzte von ihrem Beruf hätten, blieben die Dresdner Studenten ihm eine Antwort schuldig. "Sprechen lernen, verständlich bleiben, Mensch bleiben", fasste er seine Grundsätze schließlich selbst zusammen. Dem ein oder anderen Studenten stand dabei das Wort "Moralapostel" ins Gesicht geschrieben. Doch im Eiltempo ging Hirschhausen Exkurs durch das Berufsleben der Ärzte weiter. Ganz ohne umständliche Worte konnte Hirschhausen so neben seinen Gedanken zum Glück auch noch seine jüngst veröffentlichten Bücher vorstellen. Besonders still wurde es im Hörsaal, als Eckhart von Hirschhausen das Thema Behandlungsfehler ansprach. "Nehmt euch das Recht heraus immer auf Fehler hinzuweisen", forderte er von den Dresdner Studenten und kritisierte die Hierarchien in den Krankenhäusern. Auch bei seinen Gedanken über den ewigen Kampf gegen den Tod blieb die Stimmung im Saal nachdenklicher. Doch mit einem "Kennt ihr den schon" brach Hirschhausen seine tiefgründigen Themenansätze immer wieder ab und es wurde wieder ulkig. Keine Frage: Seine Vorlesung sollte amüsieren und appellieren, aber nur ganz am Rande informieren. Der approbierte Arzt sprach als Kabarettist zum Publikum, nicht als Referent.

Mit diesem Humor möchte Hirschhausen die Menschen erreichen. Auch die Studenten im Hörsaal und vor den Leinwänden, auf denen seine Vorlesung in benachbarte Säle übertragen wurde, gewann er so für sich. Seine beste Medizin, das Lachen, gab Hirschhausen direkt an sein Publikum weiter, die sich nach 60 Minuten Vortrag deutlich gesünder gefühlt haben müssten, will man seinen Thesen Glauben schenken.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.12.2011

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